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Wir haben oben die Bevölkerung von Giessen im Jahre 1805 zu 5174 angegeben; im Jahre 1843 betrug sie 8803, und nach der neuesten im December 1852 vorgenommenen Zählung 9049, worunter 8228 Lutheraner, 44 Reformirte, 483 Katholiken, 6 von anderer christlicher Confession und 288 Juden. Unter obiger Bevölkerung war eine Person von 93 Jahren; ausserdem befanden sich darunter 7 Waisenkinder, 6 Blinde, 8 Blöd- und Wahnsinnige, 5 Taubstumme.
Der grössere Theil der Bewohner nährt sich von Garten- und Feldbau, denn das Weichbild der Stadt ist gross*) und das Feld zum grossen Theil fruchtbar. Auch die Viehzucht ist bedeutend. Noch mehr mögen ihnen die vielfältigen Handwerke, sowie der Handel, die Fabriken und endlich die Universität und übrigen Dikasterien und Behörden zum Lebensunterhalte einbringen. In früheren Zeiten waren die Bewohner von Giessen sehr arbeitsam und thaätig, dabei äusserst nüchtern und sparsam. Ob dem jetzt noch ist, getrauen wir weder zu. bejahen noch zu verneinen, da wir dort nicht mehr einheimisch sind. Wo übrigens viele junge Leute beisammen leben, die nicht selten mehr verzehren, als sie gerade nöthig hätten, und öfter die Wirthshäuser und Schenken besuchen, als der Durst sie antreibt, auch sonst an Kleidern Aufwand gemacht wird, da hält es schwer, seinen stillen Gang fort- zugehen und zu sparen. Beispiele wirken bei der Jugend vielfältig; der Schüler wills gar gerne dem Studenten, der Lehrling dem Gesellen, dieser dem Meister, der Meister dem Professor nachthun— an Aufwand.— Wohin das oft führt, lehrt die Erfahrung.
Wir haben oben der Fabriken erwähnt. Es ist uns über dieselben aus neuester Zeit keine spezielle Nachricht zugekommen; doch ist uns bekannt, dass sich darunter sehr bedeutende befinden. Da wir voraus- setzen, dass es unsere Leser wenig interessirt, wie viel Centner Tabak etc. hier fabrizirt werden, so begnügen wir uns, hier nur anzu- geben, dass in Giessen folgende Tabaksfabriken bestehen: 1) die von Bender& Comp., 2) von Bücking, 3) von Gail, 4) von Georg Noll und 5) von Schirmer. Sodann führen wir die Leinen- und Baum- wollenfabrik von Gebrüder Homberger an.
Bei Erwähnung der Fabriken werden wir an eine Anstalt ähn- licher Art, aber eine öffentliche erinnert, die, als wir sie sahen, ihrem
*) Man rechnet die Gemarkung zu etwa 6000 Morgen; eben so viel mag der Wald. betragen.


