Jahrgang 
1864
Seite
384
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384 Feuilleton.

eine Braut durch eine Lüge ge⸗ v. Waldau und Holberg ausgeſprochen werden, feſſeln drängt, die einen ſehr ungünſtigen Eindruck macht: Frau v. durch feine Beobachtung und brillante Dialektik, wie über⸗ Waldau erfindet nämlich das Märchen, der Major, mit haupt der Geiſt des Verfaſſers dieſe Geſtalten reich bedacht deſſen Tochter ſich Boller gemäß ihrem Plane verloben ſoll, hat; ſchade nur, daß Holbergs intereſſanter Charakter ſei plötzlich am Schlagfluß geſtorben, und Boller überwindet durch den forcirten Schluß in unlösbaren Inkonſequenzen nur in Folge dieſer Vorſpiegelung ſeine Skrupel gegen untergeht. Wir haben uns den Schwächen des Ro⸗ die Che, die ihn bis zu dieſem Augenblicke nicht verlaſſen ſen'ſchen Luſtſpieles mit aller Schärfe gegenübergeſtellt, weil hatten, und bietet dem Mädchen ſeine Hand, um die Exi⸗ ſie uns, wie ſchon geſagt, nur als wuchernde Auswüchſe ſtenz der vermeintlich Verwaiſten ſorgenfrei zu machen, an einem innerlich ſtarken und geſunden Talente erſcheinen. Man wird zugeben, daß dieſe Art der Frau v. Waldau. Für letzteres bürgt der Dialog Roſens, der zu dem Beſten ihre Wette zu gewinnen, weder ehrlich noch zart iſt. Ueber⸗ gehört, das jetzt im deutſchen Luſtſpiele geleiſtet wird; haupt iſt die Beobachtung eine eigenthümliche, daß Julius dafür bürgt auch in denMännern von heute die erſte Roſen, der durch die glückliche Wahl ſeiner Stoffe und Hälfte des Stückes, die Expoſition und der zweite Akt. durch die ungewöhnliche Cleganz des Dialogs, die ihm Aber das Gefallen des Verfaſſers an kalten Paradoxen, zu Gebote ſteht, unter den deutſchen Luſtſpieldichternvon die er mit ziemlich ſtarken Doſen frivolen Hautgouts zu heute die erſte Reihe zu gewinnen berufen wäre, ſich der würzen ſucht, ſind ungeſunde Triebe in ſeinem Weſen, die Vorliebe für gewiſſe Wildlinge in Situation und Dialog nur einem allzubequemen Laissez-aller in der Arbeit ihr nicht zu entſchlagen vermag, die auch ein nicht eben prüdes Fortkommen verdanken. Die Rollen derMänner von Gefühl abſtoßen müſſen. Am fatalſten wirkt nach dieſer heute verlangen weniger individuelle Charakteriſtik, als Richtung hin in denMännern von heute der dritte Akt, ein vollendet ſtudirtes Zuſammenwirken im Enſemble, deſſen Held der Dichter Lenz iſt. Die Anlage des ganzen und dieſes war in der That muſterhaft; Frln. Porth. Stückes betreffend, iſt der Akt inſofern vergriffen, als er deren Befähigung für das feine Konverſationsluſtſpiel ganz aus dem Bereich der Intrigue die uns den leiten⸗ nach dieſer Rolle wohl nicht mehr in Zweifel gezogen den Faden feſthalten läßt, herausfällt und Alles, wodurch werden dürfte, Herr Hallenſtein, die Damen: Frey, Keßler, Lenz zur Verlobung gedrängt wird, unabhängig von dem Rottmayer, Lamſefsky, Szegöffy, die Herren: Haſſel, Zuthun Frau v. Waldau's und Holbergs, rein zufällig Czaſchke, Frey, Sauer, Siege wetteiferten im Verdienſt um geſchieht. Und dieſerDichter! Zur Chre der hohen die Novität. Auch die Scenirung war eine glänzende Göttin Poeſie hätte er doch wenigſtens nicht als Dichter und die Gruppe im Salon, die den erſten Akt eröffnet, von Beruf, ſondern allenfalls als dilettirender Schwärmer überraſchte durch den Geſchmack ihres Arrangements. Im

ch mehr im zweiten folgte das Publi⸗

hingeſtellt werden ſollen; denn die Art, wie über ſeine erſten Akte und no kum dem Stücke mit lebhafter Anregung und rief die

Poeſien geſprochen wird und ſein eigenes Benehmen ſtem⸗ pelt ihn zu einem kaum als möglich denkbaren Dümmling. Darſteller faſt nach jeder Scene, am Schluſſe des zweiten Und was ſoll man zu der ſonderbaren Idee ſagen, daß Aktes auch den Verfaſſer, der nicht erſchien.

Frau v. Waldau, um Lenz dahin zu bringen, wo ihr Zum Schluſſe erübrigt uns noch unſeren Leſern ein Plan ihn haben will, die Anſicht aufſtellt. Dichter ſeien herzlichesAdieu zuzurufen. Hoffentlich begegnen wir nicht als Männer zu betrachten, und den Dichter zur thatſäch⸗ uns bald wieder und wollen uns mit dem Volksliede

lichen Bekräftigung ihrer Anſicht auffordert, ihr das Schuh⸗ tröſten:

band zu binden; worauf Lenz, um einen Beweis beizu⸗ Wenn Menſchen auseinandergeh'n bringen, daß auch er ein Mann ſei, jeder Dame, die ihm So ſagen ſie: Auf Wiederſeh'n! in den Weg kömmt, endlich auch einer würdigen Matrone, eine Liebeserklärung macht! Die Poſſe ſelbſt vertrüge kaum eine ſo ſtarke Koſt die übrigens noch beißender ge⸗

würzt iſt, als wir es hier andeuten. Aehnliche Mängel Auflö ſung

an Feingefühl treten uns noch an oielen anderen Stellen entgegen; und wir zählen dazu vor Allem die Art, wie der vierſylbigen Charade von Joh. Mülling im XI.

wird zur Erklärung an ſ

das Verhältniß der alten Ehepaare von⸗ Roſen aufgefaßt 3 a. iſt. Gibt es nach fünfzigjähriger Ehe wirklich nur bösartig Hefte derErinnerungen: gewordene Frauen wie Madame Muth, und degoutirte. ce Männer, die ihren Frauen den Verluſt ihres JugendreizesHerbſtzeitloſe. ſo rückſichtslos in's Geſicht werfen, wie Major Donner? 3 Richtige Auflöſungen haben eingeſendet die Herren:

Dem widerſpricht nicht nur die Poeſie der Weltanſchauung die eine Bedingung des Kunſtwerkes iſt ſonyeen anch die Karl Römer, Wilhelm Kraus, Robert Erben, Sigmund Wirklichkeit. Dem gegenüber ſteht allerdings Muths hil⸗ i feied Irri d

derung der Freude an den Kindern, ein wahrhaft empfin ibn Gafiſeshn velef Klar, Jna Mäa 1 zaeaf dungsvoller, mit friſchem Hauche anwehender Moment des Hummel, Katl e ehr, Karl Dr ſieger, Johann Bunzl, Auguſt Stückes; auch die Anſichten über die Ehe, die von Frau Müller und Fritz Müller.

Korreſpondenz der Redaktion.

Herrn Gotthilf Kohn in Sambor: Ihre letzte Sendung konnte nicht mehr verwendet werden, ſie kam zu ſpät und dieErinnerungen werden nicht mehr fortgeſetzt. 3

Frl. Joſefine Valentini in Laibach: Wir ſagen Ihnen ein herzliches Lebewohl, Ihre Theilnahme an dem Gedeihen unſeres Blattes hat uns ſehr gefreut. Schade, daß es nicht mehr empfängliche Gemüther gibt, welche es uns möglich gemacht hätten, in unſerem Unternehmen weiter fortzufahren. Hoffentlich begegnen wir uns bald wieder. Herrn Ferdina ind M. Hein: Ihre Einſendungen können Ihnen vor geſtellt werden. Das unverwendete Material iſt maſſenhaft vorhanden, es muß ge Neujahr kann jeder Einſender ſeine Einſendungen zurück erhalten.

Anfang Januar 1865 nicht zurück⸗ ſichtet und geordnet werden. Nach

Redigirt unter der Verantwortlichkeit des Verlegers.

Papier und Druck des art.⸗typ Inſtitutes von Carl Bellmann in Prag.