Jahrgang 
1864
Seite
319
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Ein der

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ranzoſen Moden

Hemde

bereits

Feuilleton. 319

Er hat nämlich das entführte Mädchen nicht geheiratet, das hätte die Freiheit ſeiner Gottheit, des theuren Ich gefähr⸗ det, er hat ſie nur verführt, ſie für ſeine Frau ausge⸗ geben und alſo 25 Jahre mit ihr gelebt. Als Beweg⸗ grund dieſer Handlungsweiſe gibt er ſein Verlangen nach Unabhängigkeit und der Möglichkeit an, ſie im Falle der Meinungsverſchiedenheit rückſichtslos entfernen zu dürfen. Daß er Kinder hat, welche eines ehrlichen Namens be⸗ dürfen, um glücklich zu werden, daß ſeine Frau ſich faſt zu Tode grämt, das kümmert ihn nicht, alles Gefühl iſt für ihnblau d. h. unpraktiſch. Den reichen Mann hat nun der Ehrgeiz gefaßt er will Deputirter werden, um Mi⸗ niſter werden zu können. Der Zufall führt ihm einen Jugendfreund zu, welcher, nachdem er 30 Jahre lang ſich in der Welt umhergetrieben, überall für die Sache der Freiheit gekämpft und überall Undank geerntet hatte, nun kaum Brod für ſeine Kinder hat. Dieſen Gegenſatz, dieſen immer imBlau arbeitenden Mann, macht er zu ſeinem Agenten, ſchickt ihn auf ſein Landgut, um die Wähler zu bearbeiten. Er zieht ferner den Sohn ſeines geweſenen Kompagnon's Sorell in ſein Haus und begün⸗ ſtigt die Liebe, welche zwiſchen dem jungen Sorell und ſeiner Tochter Cäcilie zu keimen beginnt. Als ſein Gegen⸗ kandidat ſein früheres Verhältniß zu Sorell ausbeutet und das Gerücht verſtreut, er habe ſeinen Kompagnon betrogen, beſchließt er ſogar, Sorell und Cäcilie zu ber⸗ mälen und ſetzt durch dieſe unerhörte Aufopferung, mit welcher er ſeine reiche Tochter dem armen Manne gibt, ſeine Wahl durch. Unſer Montjoye arbeitet aber, ein ſo abgeſagter Feind vonBlau er auch iſt, mitunter doch gerne inſchmutzig Blau. Er läßt ſich von Anita, der Frau eines Marcheſe Brillanten und Geld abſchwindeln und räumt dieſer Familie ein Stockwerk ſeines Hauſes ein. Dagegen lehnt ſich die geduldige Henriette auf. Ehe ſie es zugeben will, daß ihre Tochter mit der Buhlerin ihres Gatten unter einem Dach weilt, will ſie Montjoye veklaſſen und in's Elend wandern. Montjohe ruft die Kinder, erklärt, ſich von der Mutter trennen zu wollen und läßt ihnen die Wahl, ob ſie ihr oder ihm folgen wollen. Cäcilie geht zur Mutter, der verſchwenderiſche Eduard bleibt beim Vater, der ihn nichts weniger als väterlich behandelt und eine Scene herbeiführt, welche Montjohe das Geheimniß ſeiner Ehe entreißt. Eduard verläßt nun entrüſtet den Vater und geht unter die Sol⸗ daten. Georg von Sorell hat aber von dem Buchhalter Montjoye's die Beweiſe erhalten, wie ſchlecht dieſer an ſeinem Vater gehandelt hat. Er entſagt ſeiner Liebe und verlangt von Montjoye, daß dieſer ſein Vermögen dazu verwende, die durch den Fall des Hauſes Sorell beein⸗ trächtigten Parteien zu befriedigen und den ehrlichen Namen des alten Sorell wieder herzuſtellen. Montjohe weigert ſich, die Männer kommen an einander, werden heftig, ſchlagen ſich und Georg wird ſchwer verwundet. Montjohe iſt nun der Mörder des Vaters und des Sohnes. Cäciliens Schmerz geht ihm nahe, er kommt zu ſich und faßt den Plan ſich zu beſſern. Er geht ſeinem Sohne nach, kämpft für das Vaterland, rettet dem verwundeten Eduard das Leben und kömmt ſodann zurück, um glücklich zu machen und glücklich zu werden.

Bis zum Schluſſe des vierten Aktes, das iſt bis zur Erſchütterung des eiſernen Montjohe, iſt das Lebensbild intereſſant und pſychologiſch richtig koncipirt, mit Geiſt und Geſchick durchgeführt. Von da ab berfällt es der Sucht, ein gutes Ende herbeizuführen, zum Opfer und wird unwahrſcheinlich. Montjohe iſt in den erſten Akten alſo hingeſtellt, daß er gebrochen und zerſchmettert, nicht Leänderf werden kann. Die Principien eines fünfzigjährigen Lebens fallen einem Augenblicke des Gefühles nicht zum Opfer, beſonders wenn dies Gefühl nicht aus ſich ſelbſt entſtand, wenn es durch Schreck und momentane Schwäche geweckt worden iſt. Zertrümmert mußte Montjohe wer⸗ den, ſo wollte es die dramatiſche Gerechtigkeit, gebeſſert konnte er werden, aber er mußte an dieſer Beſſerung zu Grunde gehen.

Dem Todten konnte man die Unbilden verzeihen, welche er nicht durch Umſtände gezwungen, nicht im In⸗ tereſſe der Menſchheit, ſondern nur im Intereſſe ſeines eigenſten Ich Allen zugefügt hatte, dem Lebenden zu ver⸗ zeihen, ja mit ihm zu leben und glücklich zu ſein, das iſt blauer als allesBlaue im Stücke. Die Zeichnung der Charaktere iſt ſcharf und bis auf die bereits erwähn⸗ ten Unrichtigkeiten gut.

Die Aufführung ſelbſt war eine verſtändige und wirk⸗ ſame. Herr Hallenſtein gab die ihm nicht zuſagende Titel⸗ rolle mit dem Aufwand aller ſeiner reichen Mittel und Darſtellungsgabe und erzielte einen verdienten Erfolg. Vortrefflich war Frau Frey als Henriette. In den Mo⸗ menten, wo das ſo ſehr bedrückte weibliche Gefühl ſich plötzlich empört, riß ſie die Zuhörer zu einem wahren Bei⸗ fallsſturm hin. Herr Kühns gab den Brandin charakteri⸗ ſtiſch und wir hätten ihm nur etwas mehr Eleganz ge⸗ wünſcht, die ja immer den Franzoſen in guten Verhält⸗ niſſen kennzeichnet. Frl. Keßler und Herr Sauer ſpielten das Liebespaar vortrefflich. Weniger gut war die Anita des Frl. Porth, welche nicht recht wußte, was ſie aus ihrer Rolle machen ſollte.

Die nächſte Novität ſind Julius RoſensMänner von heute. Man rühmt dem Stücke viele Vorzüge nach und wir werden nicht ermangeln, darüber ſchon darum zu referiren, weil Julius Roſen dieſen Blättern ſchon manchen beliebten Roman, manche gelungene Humoreske geſchrieben hat. In nächſter Zeit kommen dann noch des⸗ ſelben VerfaſſersHeld der Reklame undDie böſe Welt.

Auflöſung der vierſylbigen Charade von J. R. im IX. Hefte der Erinnerungen: Allerſeelen.

Richtige Auflöſungen haben eingeſendet die Herren: Joſef Müller, Alfred Berg Georg Ullrich, Sigmund Breuer, Ignaz Mandl, Anton Thum, Hans Groſſe, Eduard Wenden, Edmund Sauer, Franz Liebiger, Guſtav Preller, S. A. Ohrenſtein und Fräulein Joſefine Valentini.

Auflöſung des Wortrebus von S. A. Ohrenſtein im IX, Hefte der Erinnerungen: Der AUinterſchied zwiſchen Klugen und Narren iſt groß. Richtige Auflöſungen haben eingeſendet die Herren: Moriz Jachmann, Georg Ullrich, Sigmund Breuer Eduard

Brunner, Franz Bauer, Franz Liebiger, Guſtav Preller und Fräulein Joſefine Valentini.

Auflöſung der zweiſylbigen Charade von Gotthilf Kohn im IX. Hefte derErinnerungen: VTeldherr.

Richtige Auflöſungen haben eingeſendet die Herren: Franz Liebiger, Guſtab Preller. S. A. Ohrenſtein, Joſef Werner, Ignaz Mandl, Paul Sommer und Fräulein Jo⸗ ſefine Valentini.