Jahrgang 
1864
Seite
264
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Die Bekehrung der Bulgaren.

Ich ſitze ſchon. Aber nun ſprechen Sie in's Teu⸗ fels Namen.

Sie werden wiſſen, erzählte Berger,daß Graf Brander entflohen iſt.

Leider, leider! murmelte Gramonz.

Wer ihm aber zur Flucht verholfen hat, das wiſſen Sie nicht?

O wenn ich den Schurken kennte! entgegnete die Fäuſte ballend der Major.

Sie ſollen ihn kennen lernen.

Wie ſoll ich Ihnen danken, mein Herr.

Das wird ſich finden. Hören Sie alſo. Der Graf wurde von einem Menſchen gerettet, welcher Ihnen ſchon öfter die unangenehmſten Dinge bereitet hatte. Sie erinnern ſich doch noch jener Nacht, Herr Major, wo Sie mit einer Truppe die Comteſſe Bertha entführen wollten.

Woher wiſſen Sie?

Ich weiß Alles. Damals geriethen Sie in einen heftigen Kampf mit dem Lieutenant Wall, welcher durch die Dazwiſchenkunft eines Jägers, eines gemeinen Menſchen, entſchieden wurde, welcher ohne Rückſicht auf Ihre Stellung und den Adel Ihrer Geſinnung Sie wie einen gemeinen Menſchen band und gefangen nahm.

Könnte ich dieſen Elenden vernichten, ziſchte der Major.

Sie werden ſich ferner des erſten Fluchtverſuches zerinnern, welchen Sie durch Ihr tapferes Einſchreiten verhinderten. Damals erhielten Sie einige nicht unbe⸗ deutende Hiebe über den Kopf, und das von demſelben gemeinen Menſchen.

Der Schurke!

Dieſer ſelbe Menſch nun hat den Grafen befreit.

Schaffen Sie mir den Elenden, rief aufſprin⸗ gend der Major und Wuth verzerrte ſein Geſicht,dann will ich Sie königlich belohnen.

Nichts leichter als das, antwortete lächelnd der Jäger.Dieſer Elende ſteht vor Ihnen.

Gramonz war ſtarr. Er konnte einige Augen⸗ blicke kein Wort herausbringen. Dieſe ungeheure Frech⸗ heit imponirte ihm. Bald jedoch ward er ſeiner ſelbſt

mächtig und wollte Menſchen rufen, um Berger zu⸗

verhaften.

Dieſer hatte das vorausgeſehen. Er zog ein ge⸗ ladenes Piſtol aus der Taſche und es auf Gramonz anlegend, ſprach er mit der liebenswürdigſten Stimme: Sie werden gefälligſt ruhig ſein, Herr Major, und keinen Laut von ſich geben, ſonſt müßte ich Sie er⸗ ſchießen. Sie können glauben, daß es mir Ernſt iſt, denn ich habe, wie ich ſoeben erzählt, noch niemals mit Ihnen geſpaßt.

Das wußte der Major nur zu gut. Knirſchend ſtand er ſtille und fragte:Was wollen Sie von mir?

Vor Allem möcht ich Ihnen ſagen, daß Sie der niederträchtigſte Schurke ſind, den die Erde trägt, doch das iſt eine Nebenſache, das wiſſen Sie wohl ſelbſt am beſten. Sodann aber muß ich Ihnen ſagen, daß Sie ſich mit mir ſchlagen müſſen.

Ich? Schlagen und mit Ihnen?

Sie haben meinen braven Lieutenant verwundet und haben den armen Grafen vernichten wollen. Sie haben meinen erſten Fluchtverſuch vereitelt, Sie ſind mir Satisfaktion ſchuldig.

Ich mich ſchlagen mit einem gemeinen Menſchen?

Gemein bin ich, aber ehrlich! Auch bin ich nicht ſo vermeſſen, Ihnen Piſtole oder Degen anzutragen, das gehört nur für feine Leute. Wir gemeine Menſchen haben andere Waffen. Es ſind das unſere guten derben Fäuſte und einen Kampf mit dieſen Waffen trage ich Ihnen an.

Sie ſind verrückt, ſprudelte Gramonz.

Sagen Sie ja, Herr Major, zwingen Sie mich nicht, von meiner Waffe ohne Ihre Einwilligung Ge⸗ brauch zu machen.

Scheren Sie ſich zum Teufel, ſchrie wüthend der Major,und danken Sie Gott, daß ich Sie nicht verhaften laſſe.

Sie guter Herr, lachte Berger und ehe Gra⸗ monz nur daran dachte, hatte er ihn ſchon gepackt. Beide lagen am Boden und rangen mit einander. Der Major alſo angegriffen, mußte nolens volens von den natürlichen Waffen, ſeinen Fäuſten, Gebrauch machen, unterlag aber in dieſem primitivſten aller Zweikämpfe. Ehe fünf Minuten vergangen, hatte ihn Berger ſo windelweich geſchlagen, daß er kein Glied rühren konnte und ruhig liegen blieb.

Berger athmete hoch auf, erhob ſich, machte Gramonz eine tiefe Verbeugung und ging mit den Worten fort:Leben Sie wohl, Herr Major, wir ſind quitt.

(Ende des erſten Buches.)

Die Bekehrung der Bulgaren.

(Hiezu die Bilderbeilage.)

er äußere Anlaß dazu waren herbe Unfälle, welche die Bulgaren zu verfolgen anfingen. Das Kriegsglück hatte ſie in ihren Kämpfen in 1 Oſt und Weſt verlaſſen. Der König Boris, von S' einer Hungersnoth bedrängt, durch die Worte ſeiner ſchon chriſtlichen Schweſter erweicht, fing

an, den Chriſten geneigter zu ſein.

Aber bevor ſich dieſer König dazu entſchloß, den chriſtlichen Glauben entſchieden anzunehmen, wirkten hier chriſtliche Miſſionäre, welche hieher kamen, aus beiden Kirchen, aus der griechiſchen von Konſtantinopel, und aus der lateiniſchen aus den römiſchen Provinzen. Neben dieſen Miſſionären wirkten hier zwar kurz und vorübergehend, aber doch ſegensreich Chrill und Method unter den Slaven, welche theils unter griechiſcher, theils unter bulgariſcher Herrſchaft ſtanden. Die Kenntniß der Volksſprache und die Ueberſetzung des heil. Evan⸗ geliums bahnte ihnen den Weg zum Herzen des Volkes. Der Glaube, durch die Unfälle des Krieges unterdrückt,