Jahrgang 
1864
Seite
255
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Feuilleton. 255

Beamten der Bank wunderteu ſich über dieſe Grille; aber ihre Verwunderung wuchs noch mehr, als R. aus dem Kaſten ſeines Dieners neue Noten hervorholte. Die⸗ ſes Manöver währte ſieben Stunden.Auf Wiederſe⸗ hen morgen, meine Herren! ſprach der ſcheidende Gläu⸗ biger der Könige. Am folgenden Tage dauerte das neue Spiel wieder ſieben Stunden lang. Beim Fortge⸗ hen ſagte er:Ich bin leider gezwungen, dieſes Ein⸗ wechſeln etwa zwei Monate fortzuſetzen. Dieſer Ent⸗ ſchluß machte die Bank⸗Verwaltung, welche einſah, daß ſie gar nicht im Stande ſein werde, ſo viel Sovereigns auszuzahlen, als ihr Banknoten präſentirt werden wür⸗ den, beſtürzt, und ſie erklärte ſich gegen den Gewaltigen bereit, künftig ſeine Wechſel zu diskontiren.

Ein reicher Inde zur Zeit Friedrichs des Großen, mit Namen Levy, wollte den Aufgeklärten ſpielen, klei⸗ dete ſich modern und ſchor ſeinen Bart. Ueber dieſe Handlungsweiſe ergrimmt, ſchloſſen ſeine Glaubensge⸗ noſſen ihn von ihrer Gemeinſchaft aus, unterſagten ihm ſelbſt den Zutritt in ihre Synagoge. Der bartloſe Jude kam darüber mit einer Beſchwerde bei Friedrich dem Großen ein und bat, der Berliner Judenſchaft zu befeh⸗ len, daß man ihm auch ohne Bart den Zutritt zu ihren religiöſen Verſammlungen geſtatten möge. Der König ſchrieb am Rande der Supplik:Der Jude Levy ſoll mich und ſeinen Bart ungeſchoren laſſen.

Der in Lyon verſtorbene Marſchall Caſtellane war eines der merkwürdigſten Originale. Er wares, der als Ka⸗ vallerie⸗Oberſt mit ſeinem Regiment mitten über den Marktplatz ſprengte, Alles zerbrach und zertrümmerte, dann nach einer Weile wiederkehrte und mit heller Stimme vom Roſſe herabrief:Krämer, gebt Eure Rechnungen ein. Graf Caſtellane bezahlt Alles! Er war es, der einſt einem Dutzend Lyoner Straßenjungen nicht etwa nur eine Schachtel voll Süßigkeiten, ſondern den ganzen Laden eines Zuckerbäckers zum Geſchenk machte unter der Bedingung, daß ſie denſelben mit Sturm nehmen ſollten. Das Magazin wurde wirklich im eigentlichen Sinne des Wortes unter den Augen des Marſchalls geplündert, der von Herzen lachte und Alles bezahlte. Niemals legte er den Marſchallsſtab ab, ſelbſt bei Tiſche mußte derſelbe neben ſeinem Gedeck liegen. Scherzhaft behauptete man, er gehe mit ſeinem Federhut und dem Marſchallsſtab in's Bett. In den letzten Augenblicken ließ er ſich noch ankleiden und auf einen Lehnſtuhl ſetzen, um zu ſterben, wie er gelebt hatte: in Uniform.

Kleine Prager Chronik.

Wovon ſoll ich früher erzählen, lieber Leſer? Es gibt ja des Merkwürdigen in Prag ſo viel, daß ich nicht weiß, womit ich den Anfang machen ſoll. Kunſtreiter, Athleten, Löwen mit Revolvern, Patti mit und ohne Reklame, Theater und Privatklatſchereien, Alles geht mir wirr im Kopfe herum, ſo daß ich den Anfang nicht finden kann. Doch ein Entſchluß muß gefaßt werden, und ſo fan⸗ gen wir denn mit dem Wichtigſten des Wichtigen, mit den Löwen an. Daß ſich endlich auch nach Prag ein Löwenbändiger verirrt hat, iſt ein großes Glück, denn wir können die Kunſt des Mannes brauchen. Laufen doch hier ſo viele ungebändigte Löwen herum, und machen die Straße ſo unſicher, daß ſich eine Frau kaum mehr auf dieſelbe hinauswagen darf. Energiſche Maßregeln ſcheinen hier ſehr angezeigt, und wären auch gewiß ſchon ergriffen worden, wenn unſere Löwen nicht hie und da etwas Schafnatur an ſich hätten und ſich nicht auch ohne Anwendung von Zwangsmitteln verſcheuchen ließen. So erging es vor einiger Zeit einem hieſigen Löwen, einem von der kleineren Sorte, deſſen größte Größe ein rieſiger Backenbart iſt. Dieſer Löwe ſtrich um ſechs Uhr Abends, es war noch nicht einmal dunkel, durch die Gaſſen und

verfolgte eine junge Frau, welche ruhig ihres Weges ging. In einer menſchenleeren Gaſſe faßte ſich dieſer Löwe ein Herz, trat auf die Frau zu und ſprach ſie an. Dieſe, nicht ſehr furchtſam, ließ ſich von dem liſpelnden Löwen nicht einſchüchtern und hielt ihm auf offener Gaſſe eine ſo energiſche Strafpredigt, daß das wilde Beeſt zahm wurde und ſich wie ein begoſſener Pudel von dannen ſchlich. Wir wollen hoffen, daß er die empfangenen Leh⸗ ren beherzigen und ſich in Zukunft ſeine Leute beſſer an⸗ ſehen wird, ehe er ſie anſpricht. Für dieſe Sorte von Löwen brauchen wir keinen Herrmann und keine Revol⸗ ver, für dieſe genügt eine gute Weiberzunge, um ſie ent⸗ ſchieden in die Flucht zu ſchlagen. Außer den Löwen ſind aber auch noch Kunſtreiter und Kunſtreiterinnen angekom⸗ men, was gar nicht merkwürdig iſt, denn Löwen pflegen ſich gerne in der Nähe von Kunſtreiterinnen aufzuhalten. Für einen Theil unſeres Publikums, der die Kunſt am liebſten in Trikot und Pferden ſucht, beginnen die ſieben fetten Jahre, und wenn die im Neuſtädter Theater herr⸗ ſchende Kälte den Enthuſiasmus nicht ein wenig abkühlte, es könnte vorkommen, daß auch ein Schulpferd mit Blu⸗ menſpenden empfangen und ausgezeichnet würde. Außer⸗ dem bergen aber die Mauern Prags auch noch einen Athleten, welcher mit rieſigen Tagarbeitern kämpft und hundert Franken für ſeinen Beſieger ausgeſetzt hat. Was will der Mann in Prag. Uns macht ein Franke genug zu ſchaffen, und wir geizen nicht darnach, unſere Sorgen zu verhundertfachen.

In der letzten Zeit machte der Streit des Koncert⸗ impreſſario Ullmann, welcher mit den Direktoren der hie⸗ ſigen Theater um Procente kämpft, viel von ſich reden. Du lieber Gott, warum ſtreiten die Leute mit einander. Sie haben Alle Recht. Herr Ullmann hat Recht, daß er ſich über das läſtige Privilegium der Procentezahlung beſchwert und die Direktoren haben Recht, daß ſie ihr Geld verlangen, handelt es ſich doch um ihre Kaſſe, wel⸗ cher durch die Koncerte einer Patti gewiß Eintrag ge⸗ ſchieht. Wir finden bei beſagten Koncerten nur das eine merkwürdig, daß ſo bedeutende Künſtlerinnen auch be⸗ deutende Reklame machen, obwohl ſie füglich ohne ſie beſtehen könnten. Julius RoſensHeld der Reklame iſt hier noch nicht aufgeführt worden, Fräulein Patti aber läßt Photographien an öffentlichen Orten ausſtellen, um die Leute in's Koncert zu locken. Iſt das nicht überflüſſig? Das muſikaliſche Prag beſucht Koncerte muſikaliſcher Grö⸗ ßen ohne hineingelockt zu werden, es zahlt, aber es beur⸗ theilt ſtrenge, und wir hoſſen, daß es der Schweſter nicht ſo geht, wie es der Schweſter ging, welche eben kein Rieſenfurore hier gemacht hat. Die eigentliche Theater⸗ ſaiſon hat bereits begonnen und allabendlich füllen ſich die Räume der Kunſt. Der Reigen der Novitäten wurde mit MoſenthalsPietra eröffnet,Doktor Treuwald von Benedix folgt nach, und ſodann kommenMänner von heute,Böſe Welt und andere mehr.

Um auch den Damen genug zu thun, wollen wir ſchließlich der Moden erwähnen. Die modernſte Kopfbe⸗ deckung ſind Kappen mit Feder⸗ und Blumenſchmuck. Je abenteuerlicher die Form, um ſo ſchöner. So ſahen wir vor Kurzem im Theater eine Dame der eleganten Welt, welche ein wahres Dampfbot auf dem Kopfe hatte. Alles ſah ſie an, viele lachten und machten hämiſche Bemer⸗ kungen, nichts deſtoweniger war die Dame glücklich, denn ſie hatte Aufſehen gemacht. Dieſelbe Dame macht auch ariginelle Spaziergänge. Sie fährt in ihrer Equipage zum Thore hinaus, ſteigt einige Schritte vom Hauſe ent⸗ fernt, ab und geht nun langſam durch die belebteſten Straßen, in Begleitung der leeren Equipage. Warum ſie die wenigen Schritte fährt, iſt nicht bekannt. Sollte es ihr Freude machen, auf offener Straße ausſteigen und der ſtaunenden Menge ihren Fuß zeigen zu können? Möglich iſt das, modern auch, die übrigen Bezeichnungen überlaſſen wir dem Leſer.