liegen bleiben, bis das Wettſpiel vorüber iſt, d. h. alle Sackſpringer das ausgeſteckte Ziel erreicht haben.
Beim zweiten Fall iſt zwar das Laufen möglich, doch müſſen die verſchiedenen Paare gleichen Schritt halten, ſonſt hemmen ſie ſich oder fallen zum Gelächter Aller hin und müſſen dann auf jede Prämie Verzicht leiſten.
Mitunter findet wohl auch ein Laufen mit Schub⸗ karren Statt, auf deren jedem drei länglich runde Holz⸗ pflöcke liegen, die natürlicher Weiſe bei ſchnellem Fahren leicht herabfallen und immer wieder aufgehoben werden müſſen.
Wer des Zuſchauens müde iſt, begibt ſich, um für ſeine leiblichen Bedürfniſſe zu ſorgen, in die Zelte und Baracken, welche ſeitwärts des Feſtplatzes aufge⸗ ſchlagen ſind, oder in eins der zahlreichen Wirthshäuſer und Weinſtuben, die in und vor Cannſtadt liegen. Aber obgleich ſich an dieſem Tage eine ſo ungeheure Men⸗ ſchenmaſſe zuſammenfindet, daß ein Speiſewirth allein oft mehr als 20.000 Portionen Sauerkraut, das Leib⸗ gericht der Schwaben und Baiern, ſervirt, ſo iſt doch nirgends Gedränge, nirgends Lärm. Analog dem hei⸗ matlichen Schoß ſeines thalreichen Landes iſt die charak⸗ teriſtiſche Eigenthümlichkeit des ſchwäbiſchen Volkes, ſein gemüthliches Weſen, und dieſe Gemüthlichkeit iſt der Grund ſeines einfachen, ruhigen, ſtillen Sinnes, der ſich ſelbſt in der Fröhlichkeit, welcher ſich der Württemberger gern hingibt, nie verläugnet.
Politiſche Ueberſicht.
rag am 24. Auguſt 1864. 5 Es ſcheint ſicher, daß anläßlich der Anweſenheit
des Königs von Preußen und des Herrn von Bismark neben dem Austrag der ſchleswig⸗holſteiniſchen Angelegen⸗ heit auch die Einleitung wenigſtens zu der Bundesreform⸗ frage in Angriff genommen wird. Man hat ſich nach der „Vorſtadt⸗Ztg.“ dem Vernehmen nach die Grundzüge der beiderſeitigen Anſchauungen bereits früher mitgetheilt und wird jetzt den Verſuch machen, in mündlicher Verhandlung zu einer Verſtändigung zu gelangen, welche ein gemein⸗ ſames Vorgehen am Bunde ermöglicht. Der Nachdruck ſoll von beiden Seiten auf die Reform der Bundeskriegs⸗ verfaſſung gelegt und die Frage einer einheitlicheren und kräftigeren Centralgewalt, ſowie einer ihr beizugebenden parlamentariſchen Vertretung— die eine wie die andere übrigens principiell als nothwendig anerkannt— vorerſt bei Seite geſchoben ſein. 3
Die„Wiener⸗Zeitung“ gibt in einem längeren offi⸗ ciöſen Artikel die Gegenſtände, mit welchen nach bereits erfolgter kaiſerlicher Beſtätigung der ſtattgefundenen Wahl des Metropoliten Erzbiſchofs Maschierevics der in Karlo⸗ witz verſammelte National⸗Kongreß ſich beſchäftigen wird. Die Berathungsgegenſtände beziehen ſich ausſchließlich auf Verhandlungen über ſerbiſche Schul⸗ und Kirchenangele⸗ genheiten, und auch auf einige allgemeine Anliegen der ferbiſchen Kirche in Oeſterreich. Zu dieſem Behufe wird am 25. d. M. vorerſt die Synode ſämmtlicher griechiſch⸗
nichtunirter Biſchöfe zuſammentreten, was ſeit 1776 in
Oeſterreich nicht der Fall war. Auch werden der Sy⸗
node einige Fragen bezüglich der Errichtung einer von
den Rumänen gewünſchten ſelbſtſtändigen, der ſerbiſchen
koordinirten Metropolie zur Beantwortung vorgelegt wer⸗
den. Während oder nach der Synode wird der Patriarch Erinnerungen. 88. Bd. 1864.
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Politiſche Ueberſicht. 137
mit den Biſchöfen in gemeinſame Erwägung ziehen, welche Gegenſtände auf dem in der nächſten Zeit einzube⸗ rufenden National Kongreſſe zu verhandeln ſeien. Der zur Metropolitenwahl verſammelte Kongreß hat am 19. Auguſt zehn Vertrauensmänner nebſt drei Vertretern der⸗ ſelben gewählt, welche dem Patriarchen und den Biſchö⸗ fen in der angedeuteten Richtung mit ihrem Rathe bei⸗ zuſtehen haben werden
Das„Memorial Diplomatique“ hat Nachrichten aus Mexiko, die von dem neuen kaiſerlichen Hofe ſtammen. Am Geburtstage des Kaiſers haben auch die in Mexiko anſäſſigen Deutſchen eine Beglückwünſchungsadreſſe überreicht. Die Kaiſerin hat darauf Folgendes erwiedert: „Ich entledige mich einer angenehmen Aufgabe, indem ich Ihnen im Namen des Kaiſers für Ihre liebenswürdige Adreſſe danke. Sie konnten ſchon wahrnehmen, wie ſehr uns die Sie beſeelenden Gefühle rührten, als wir bei unſerem Einzuge in die Hauptſtadt, tief ergriffen, Ihre Hochs, in der heimiſchen Sprache ausgebracht, als die Vorboten einer glücklichen Zukunft entgegennahmen. Heute ſchätze ich mich glücklich, Ihnen unſeren durch den neuen Beweis Ihrer Sympathie noch geſteigerten Dank auszu⸗ ſprechen und die Verſicherung beizufügen, daß die In⸗ tereſſen und die Wohlfahrt der in Mexiko anſäſſigen Deutſchen der ſtete Gegenſtand meiner Bemühungen ſein werden.“
General Bazaire wird nicht, wie bisher geglaubt wurde, im nächſten Januar nach Europa zurückzukehren. Nach der Depeſche, welche der„Tampico“ aus Mexiko außer 5 Millionen in Gold mitgebracht, ſoll er noch zwei fernere Jahre in jenen Ländern verweilen, weil Kaiſer Maximilian ſeine Anweſenheit daſelbſt für abſolut noth⸗ wendig gehalten.
Gegen die neu aufgetauchten franzöſiſchen Rheingelüſte tritt die„Times“ energiſch auf. Es iſt den Deutſchen von der engliſchen Preſſe oft damit gedroht worden, daß England den Franzoſen den Rhein gönnen werde, falls ſich„Fatherland“ ſchlecht aufführen ſolle. Dieſer Wink bildete in endloſen Variationen den Refrain von 1001 Leitartikeln. Nur eine Stimme(in der„Saturday Review“) erhob ſich ein paar Mal gegen die Albernheit einer Drohung, die auf Deutſchland wie auf Frankreich eine gewiß unbeabſichtigte Wirkung haben konnte. Die Deutſchen mußten wiſſen, daß England am Ende nicht den Rhein zu vergeben hat, ſo wie daß ihm eine Vergrößerung des „Empire“ an der öſtlichen Grenze höchſt gefährlich wäre; die anmaßende Drohung konnte daher nur beleidigen. In Frankreich dagegen konnte ſie ernſter genommen wer⸗ den und alten Täuſchungen neue Nahrung geben. Wahr⸗ ſcheinlich wird mehr als ein rheinlüſterner Franzoſe, dem jene engliſchen Rheinlieder nicht ſchlecht geklungen haben, über britiſche Perfidie ſchreien, wenn er Artikel zu leſen bekommt, wie den in der„Times“ über die Phantaſien der„Revue des Deux Mondes.“ Letztere verſichert be⸗ kanntlich, daß die franzöſiſche Nation ihre alte Erobe⸗ rungsſucht längſt abgeſchworen habe und auf den Beſitz einer Provinz mehr oder weniger kein Gewicht lege; daß aber Saarlouis und Landau auch für Deutſchland keinen Werth hätten und alſo auf gütlichem Wege an Frankreich abgetreten werden ſollten.— Es iſt traurig— bemerkt hierzu die„Times“— den künftigen Weltfrieden um ſolcher eingeſtandener Weiſe trivialen Dinge halber ge⸗ fährden zu ſehen. Der Verfaſſer läßt es ſich zwar an⸗ gelegen ſein, den Köder, mit welchem er ſeine Landsleute zu der hohlen Ruhmesjagd lockt, die Frankreich und Eu⸗ ropa ſchon ſo thener zu ſtehen kam, mit Worten des Friedens und Wohlwollens, der Eintracht und Verſöhn⸗ lichkeit zu vergolden, aber er iſt viel zu ſchlau, um nicht zu wiſſen, daß ein Volk oder ein Individuum, wenn man ihm einmal die Begierde nach einem noch ſo kleinlichen Gegenſtand beigebracht hat, ſein Ziel nicht nur mit fried⸗ lichen, ſondern mit allen ihm zu Gebote ſtehenden Mitteln verfolgen wird. Er muß ſehr wohl wiſſen, daß der eigentliche Kitt der Alliance zwiſchen Oeſterreich und
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