Jahrgang 
1864
Seite
46
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46 Politiſche Ueberſicht.

beſſere Los eines weißen Soldaten, ſondern einen qual⸗ vollen Martertod zu erwarten hätten.

Man darf jedoch nicht glauben, daß die Bewaff⸗ nung der Neger von allem Anfang an von der Bevöl⸗ kerung der Union freudig begrüßt worden ſei; ſie fand im Gegentheil entſchiedenen Widerſpruch bei ihrer Ein⸗ führung, und erſt nach und nach hat der Amerikaner ſich gewöhnt, ſie mit günſtigerem Auge zu betrachten. Gegenwärtig mögen etwa 50.000 Schwarze im Felde ſtehen, und es wird dem Vernehmen nach beabſichtigt, ihre Zahl bis auf 100.000 zu erhöhen. Sie erweiſen ſich auch jetzt noch als ganz tüchtige Truppen, die ſelbſt im ſtärkſten Feuer tapfer Stand halten und ſich der ſtrengen Zucht des Kriegsdienſtes ſelbſt noch williger als die meiſten anderen Truppen fügen. Trotzdem haben ſie von dieſen noch immer eine übermüthige, barſche, zurückſetzende Behandlung zu erdulden; das Vorurtheil gegen die Farbigen iſt eben noch viel zu allgemein ver⸗ breitet und zu ſtark ausgeprägt, und wie wenig auch mancher weiße Soldat vor ſeinen ſchwarzen Kameraden voraus haben mag, ſo empfindet er es doch gar häufig als eine Erniedrigung, daß er verurtheilt ſei, an der Seite eines Niggers zu kämpfen. Aber nicht allein in Reih' und Glied, ſondern auch zu allen militäriſchen Dienſten läßt ſich der Schwarze gut verwenden, und überall, im Lager und in der Militärwerkſtätte, tum⸗ meln ſich die oft grotesken dunklen Geſtalten als Köche und Handwerker herum, Andere werden zum Straßen⸗ bau verwendet, wieder Andere geleiten Munitions⸗ und Viehtransporte, oder ſind beim Ein⸗ und Ausladen der zum Transport von Kriegsmaterial beſtimmten Schiffe thätig.

Natürlich hat ſich das Selbſtgefühl der Schwarzen ſeit ihrer Zulaſſung zum Waffenhandwerk ganz außeror⸗ dentlich geſteigert, und wie ſich unlängſt in Newyork das ganz ungewöhnliche Schauſpiel einer großen Maſſen⸗ verſammlung von Negern zur Feier der vor Jahresfriſt erlaſſenen Emancipations⸗Proklamation darbot, wie ſich ferner, zum erſten Male ſeit dem Beſtande der Vereinig⸗ ten Staaten, beim Neujahrsempfang des Präſidenten eine Anzahl ſtattlich und modiſch gekleideter Neger zum herkömmlichen Händedruck einfand, ſo macht ſich auch unter den ſchwarzen Soldaten jetzt der Anſpruch geltend, daß man ſie fortan der Stufe, auf welche man ſie geſtellt, angemeſſen behandeln ſolle. Dieſem Anſpruch wird nun freilich bei weitem nicht volle Befriedigung zu Theil, denn nicht nur bekommen die Schwarzen einen niedri⸗ gern Sold als der weiße Soldat, ſondern ſie werden auch vorzugsweiſe ſtets auf die gefährlichſten Poſten ge⸗ ſtellt und zu den beſchwerlichſten und niedrigſten Arbeiten verwendet; allein dies hat auch ſchon zu Verwicklungen geführt, und es iſt noch nicht lange her, daß unter der aus Negern beſtehenden Beſatzung des Forts Jackſon bei Neuorleans eine Meuterie ausbrach, weil der befehli⸗ gende Oberſtlie utenant einige Soldaten mit einer Fuhr⸗ mannspeitſche gezüchtigt hatte. Die ganze Beſatzung erhob ſich gegen die weißen Officiere, deren tyranniſches Weſen ſchon längere Zeit ein tiefgewurzeltes Gefühl des Ingrimms in ihr genährt, und in der nächſten Nacht war

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das Lager vollſtändig in der Gewalt der aufrühreriſchen Schwarzen. Durch die raſche Heranziehung weißer Trup⸗ pen aus Neuorleans wurde zwar Tags darauf der Auf⸗ ruhr bereits wieder unterdrückt und die Rädelsführer ver⸗ haftet und zum Tode verurtheilt; allein dasſelbe Kriegs⸗ gericht, welches dieſen Spruch gefällt, erkannte auch auf Einleitung einer Unterſuchung gegen den Oberoffccier, der durch ſeine brutale Handlungsweiſe die Empörung veranlaßt hatte. Die Regierung zu Waſhington aber nahm von dieſem Vorfalle Veranlaſſung, allen Oberbe⸗ fehlshabern den gemeſſenen Befehl zugehen zu laſſen, daß hinfort die Behandlung der ſchwarzen Truppen mehr überwacht und jede Verletzung der ihnen gebüh⸗ renden Rückſicht auf's Strengſte geahndet werden ſolle. Dieſer Befehl iſt recht gut und zweckmäßig und wird wohl auch nicht ohne alle Beachtung bleiben; allein trotzdem wird noch einige Zeit vergehen, bevor ſich das ſtarke Vorurtheil des Nordens gegen die ſchwarze Rage weit genug abſchwächt. Immerhin aber wird die Bethei⸗ ligung derſelben am Kriege die unausbleibliche Folge haben, daß ſie auf eine höhere Stufe, als ſie bisher ein⸗ genommen, werden emporgehoben werden. Ob das ſchließliche Ergebniß dieſes Schrittes ein für alle Theile ſegensreiches ſein, oder ob die völlige Emancipation der Schwarzen in der Union zu denſelben Folgen führen werde, welche ſich in Mittel⸗ und Südamerka aus der Vermiſchung der weißen und der ſchwarzen Rage erge⸗ ben haben, bleibt der Zukunft vorhehalten; die unend⸗ liche Ueberlegenheit des weißen Mannes über den ſchwar⸗ zen läßt indeß noch nicht das Schlimmſte befürchten. Wie aber auch die Zukunft ſich geſtalten möge: das furchtbare Unrecht der Sklaverei hat am Längſten be⸗ ſtanden, und wenn auch das hohe Gut der Freiheit der Schwarzen nur mit ungeheuren Opfern erkauft werden konnte, ſo wird doch der Krieg nicht um Nichts geführt ſein und aus den Strömen von Blut, die in ihm gefloſſen, der Segen menſchenwürdiger Zuſtände auch für die Aermſten des menſchlichen Geſchlechts erſprießen.

Politiſche Ueberſicht.

orag am 9. Juli 1864. Gleich nach Wiedereröffnung der Feindſeligkeiten So in Schleswig⸗Holſtein hatten die preußiſchen Waffen einen glänzenden Erfolg. Die Inſel Alſen wurde über⸗ rumpelt und die Dänen mußten ſie mit bedeutenden Ver⸗ luſten räumen.. In Kopenhagen beginnt man Sorge vor der allirr⸗ ten deutſchen Flotte beſonders vor den öſterreichiſchen Panzerſchiffen zu hegen. Das bedeutendſte däniſche Organ verlangt die Räumung Jütlands und der Inſel Fünen, ſowie die Aufhebung der Blokaden, damit Seeland und Kopenhagen beſſer vertheidigt werden können. Die alliirte Flotte ſpielt auf offener See ihre Rolle mindeſtens eben ſo gut, wie Herr v. Beuſt die ſeine im geſchloſſenen Konferenzzimmer. Seit langer, langer Zeit hum erſten Mal, wo wieder eine deutſche Flotte(eigentlich nur eine öſterreichiſch⸗preußiſche) thatkräftig auftritt und von ſich reden macht. Die eigentliche Geſchichte der deutſchen Flotte wird vom heurigen Jahre datiren, denn nur im Seekrieg wird ſie gebildet, und nur von dort aus nimmt ſie ihren