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Herr, wohin sollen wir gehen? : ein Wort eines evangelischen Theologiestudenten an seine Kommilitonen / Max Lackmann
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oder Christi selbst ohne Widerspruch geben durfte. Weder Chri­stus noch seine Diener Jesaja , Paulus, noch die Reformatoren Luther und Calvin haben den Staat, die Ehe, die Erziehung sich selbst, d. i. jeweiligen Ansprüchen der weltanschaulich gebundenen Menschen überlassen- ob es sich um Heiden oder Christen han­delte-; sie haben ganz allein im Gehorsam gegen den Gott, der da ist, der da war und der da kommt, diesen Dingen öffentlich ihren nüchternen Auftrag zugewiesen, von diesem Gott her, von keinem anderen.

Wir Studenten sollten soviel Kirchengeschichte kennen, um zu wissen, daß die protestantischen Staatsmänner des 16. Jahrhundert wenn sie nicht gerade ein utopischer, christlicher Staatsmann" wie Philipp von Hes sen oder eine vorwiegend politisch orientierte Persönlichkeit wie Moritz von Sachsen waren niemals als Jdeenmenschen und Bauherren eines irdischen, ewigen Machtreiches aufgetreten sind; sie wußten gerade als Staatsmänner, die im Glauben wache Protestanten waren, und wa ren von daher bestimmt, daß ihr Herr Christus im Anzug ist.

Warum verschweigen wir das und handeln nicht danach? Wer von sich behauptet, daß er zwischen den Zeiten" lebe, kann nicht von der Zeit leben. Das ist eine unumwundene Absage des be­kenntnistreuen und schriftgebundenen deutschen, protestantischen Theologiestudenten an die Forderung des politischen Menschen" im Sinne des gegenwärtigen nationalsozialistischen Staates, die die heutige Reichskirchenleitung sanktioniert hat. Denn diese sanktionierte Forderung der Kirchenführer weiß nichts von dem Wach- und Nüchtern- sein eines protestantischen Staatsmannes

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weder im Sinne der( lutherischen) christlichen Obrigkeit" und des Landesherren als otbischof" der Kirche, noch im Sinne der( calvinistischen) Kirchenpolitik auf dem Grunde des ,, Soli Deo Gloria" auf Erden oder des ,, Justus ex fide vivit". Warum nicht? Sind wir etwa überhaupt nicht politische Men­schen"?

Es gibt für uns als Theologen im nationalsozialistischen Staat den von Gottes Wort verordneten politischen Menschen", der in der Jetztzeit, die dem Ende entgegengeht, ohne Schwärmerei dem Staate als von Gott geordneter Obrigkeit untertan ist. Als solche politische Menschen", für die es ,, Staat " gibt, weil es noch nicht das Reich Gottes in der Erscheinung gibt, haben wir unsere Arbeitsdienstpflicht zu erfüllen, wie wir wiederum die