Druckschrift 
Herr, wohin sollen wir gehen? : ein Wort eines evangelischen Theologiestudenten an seine Kommilitonen / Max Lackmann
Entstehung
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Zum Geleit.

Daß ein Student in öffentlicher Druckschrift das Wort er­greift, ist eine kühne und zunächst etwas verdächtige Sache. Der Student soll studieren, das heißt hören, was Andere sagen, lesen, was Andere geschrieben haben, um hernach in der Lage zu sein, selber in gehaltvoller Weise das Wort zu ergreifen. Über diesen Satz besteht zwischen dem Verfasser dieser Schrift und mir völ­lige übereinstimmung. Aber als er mir eines Tages das Manu­skript dieser seiner Schrift, mit deren Plan und Absicht er mich vorher nicht beschäftigt hatte, vorlegte, da mußte ich mich doch des anderen Satzes erinnern, der besagt, daß keine Regel ohne Ausnahme sein kann, wenn nur auch die Ausnahme die Regel bestätigt. Diese Bedingung fand ich aber hier insofern erfüllt, als ich den Verfasser schon vorher als einen rechtschaffenen Stu­denten, das heißt Hörer und Leser, kennen gelernt hatte( der sich 3. B. in dem Knechtsdienst sauberer Textanalysen schon einiger­maßen bewährt hat!), und als ich dieses sein Wort an seine Kommilitonen nun einfach als solches in seiner besonderen Art als gut und notwendig anerkennen mußte. Gegen die Möglich keit, daß tatsächlich doch auch einmal ein Student öffentlich etwas Ordentliches zu sagen haben könnte, kann sich ja jener erste Satz nicht richten. Es kommt dazu, daß wir in Kirche und Theologie heute ohnehin in einer Ausnahmezeit leben, in der an Matth . 21, 15-16 zu denken erlaubt und geboten sein dürfte. Es kommt dazu, daß die kirchliche und theologische öffentlichkeit, oder sagen wir besser: die christliche Gemeinde ein Recht und eine Pflicht hat, neben dem, was sie durch den Mund der sog. Fachschaften", das heißt der betreffenden Fachschaftsleiter zu hören bekommt, auch einmal eine Stimme aus der durch diese Fachschaften an­geblich vertretenen evangelisch- theologischen Studentenschaft selbst zu hören. Es kommt vor allem dazu, daß das, was der Ver­fasser seinen Kommilitonen zu sagen hat, wirklich einmal gesagt werden muß und gerade von einem Studenten gesagt, besser ge­