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Herr, wohin sollen wir gehen? : ein Wort eines evangelischen Theologiestudenten an seine Kommilitonen / Max Lackmann
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über Nacht"- also, wer weiß wann? und als dieser Wis­sende ein SA.- Mann, d. i. Garant und Träger der nationalsozia­listischen Weltanschauung, der nichts davon wissen darf?

In den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts verfügte ein Erlaß des preußischen Heeresministeriums, daß alle preußischen Studenten mit Ausnahme der protestantischen und katholischen Theologiestudenten ihrer Dienstpflicht genügen müßten. Darauf machten die evangelischen Theologie­studenten von sich aus eine Eingabe, diesen Erlaß für sie, als protestantische Theologiestudenten, rückgängig zu machen, da auch für sie diese Ordnung des Staates verpflichtend sei. Dem Antrag wurde stattgegeben.-

Deutsche Theologiestudenten der Gegenwart, wenn wir doch auch als solche gehorsame Diener des Staates, als gehorsame Soldaten SA.- Männer im nationalsozialistischen Staate sein könnten; wenn wir doch auch in der Freiheit des Gewissens in diesem Dienst dem Staate geben könnten, was in dieser Zeit, die Gott durch seine Ordnungen noch erhält, wahrhaft des Staates ist! Wir wollen keine Schwärmer sein, die mehr wollen als Got­tes Wort verlangt und für gut befindet, um unseres Volkes und unserer ganz persönlichen Versöhnung mit Gott willen. Und Gottes Wort verlangt von uns den Glauben an Jesus Christus den Gekreuzigten, Auferstandenen und Wiederkommenden und die Werke des Glaubens dazu. Ist das keine Lüge, so ist es eine unwahre und eines ehrlichen Theologiestudenten unwürdige Hal­tung, sich ohne ein Wort der klaren Absage an den Totalitäts­gedanken des Staates, der seinen Gliedern die nationalsoziali­stische Weltanschauung mit all ihren ethischen Folgerungen zur Pflicht macht, mit kirchlichen Begründungen" der na­tionalsozialistischen SA. einzuordnen. Wer bis heute hier ver­sagt und sich schuldig gemacht hat- ist die deutsche protestan­tische Kirche; das bist auch du und ich! Der Anspruch Gottes von seinen Geboten und Verheißungen an über Christus den Gekreu­zigten und Auferstandenen bis hin zu dem kommenden Tag des Herren ist nicht auf eine religiöse Gemeinschaft, die sich Kirche nennt, und auf deren Innenleben, sondern auf die ganze Welt mit all ihren Lebenserscheinungen gerichtet. Ein Nebeneinander von Staat und Kirche, in dem jeder seinen eigenen Totalitäts­anspruch geltend machen könnte, dürfte es heute nicht geben so wenig es das im Sinne Luthers und Calvins zur Reforma­tionszeit, so wenig es das im Sinne eines Jesaja oder Paulus