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Herr, wohin sollen wir gehen? : ein Wort eines evangelischen Theologiestudenten an seine Kommilitonen / Max Lackmann
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Erden zu erblicken glaubte- Kirchenführer und Theologen aller Schattierungen reden heute davon, dann sollte es uns jungen Theologen doch darum gehen, an jedem Zeitpunkte der Welt­geschichte und Geschichte unseres Volkes im Wort und in der Tat nüchtern und wach" zu sein. Es gilt darum, wenn wir wirklich schon so weit sind, alles zu erkennen und zu unterlassen in Theologie und Kirche, in Volk und Staat, in denen wir als Theologen leben sollen, was nicht mit dem bevorstehenden Kommen des Herren Christus rechnet und in Einklang zu brin­gen ist. Es geht dann nicht an, daß wir die Welt, auch nicht die nationalsozialistische oder eine andere Weltanschauung, auch nicht unser deutsches Volk in dem unterstützen, was sie unabhän­gig von Gottes Zielsetzung für richtig halten. Was diese so tun, mögen sie tun; aber, meine Freunde, wir können nicht so tun! Wir sollten wissen um die Gnadenzeit, die uns und unserem Volke noch gegeben ist, Gottes Stimme zu hören und zu gehor­chen nach seinem Heilswillen. Das deutsche Volk der Gegenwart will nichts von dieser Gnadenzeit wissen und gestaltet auch sein Leben danach. Wem von uns nicht bei allerhand politischen und kirchlichen Rundgebungen in den letzten Monaten ein kalter Schauer über den Rücken gelaufen ist den muß ich fragen: hast du, Theologiestudent, weil du die Bibel noch nicht kennst, nicht geschlafen wie die anderen? Rönntest du nicht mitten in einen solchen religiös und kirchlich verkleideten Rausch der Selbstmächtigkeit und Ewigkeitslüsternheit hinein schreien: Liebe Deutschen, wo wollt ihr hin? Hört doch, hört doch, wie es euch gehen wird und muß!"? Rönntest du das nicht? Ist es dir nicht im Herzen bange und schnürt dir die Rehle zusammen, wie einem zum Tode Verurteilten, der schon die Schritte seiner Hen­ker von ferne hört?

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Ach, Brüder und Kommilitonen, wenn wir doch wenigstens unsere Heilige Schrift und den Herren Christus kennten und dann die Zeichen der Zeit sähen! Ich kann es nicht fassen und viele mit mir- wie man heute als protestantischer Theologie­student, da wir uns in einer völkischen und kirchlichen Entschei­dungsstunde befinden, Ruhe finden" kann. Offen und ehrlich muß ich euch allen, meine Kommilitonen, die Frage vorlegen: kannst du Student der protestantischen Theologie sein, der ge­wiß weiß ,,, daß der Tag des Herren wird kommen wie ein Dieb