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Herr, wohin sollen wir gehen? : ein Wort eines evangelischen Theologiestudenten an seine Kommilitonen / Max Lackmann
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Zu welcher Zeit wir Theologen sind.

Vor einigen Wochen unterhielt ich mich mit einem Kommi­litonen, der mitten in der Not eines heutigen Theologiestuden­ten stand: wie soll ich der Forderung des nationalsozialistischen Volksstaates als SA.- Mann, als Fachschaftsmitarbeiter und zu­gleich der Forderung einer schriftgemäßen Theologie als prote­stantischer Theologe gerecht werden? Wie kann ich als Theologe freudig meinem Volke und Staate dienen, die beide heute ver­langen, daß ich ihm nationalsozialistisch als einem nationalsozia­listischen Volke und Staate diene? Er hatte sich lange in die­ser Spannung hin und her bewegt. Heute aber sagte er: Sun habe ich endlich Ruhe gefunden bei der Theologie von Prof. 7." Was war geschehen? Er hatte von seinem Professor gelernt, auf beiden Seiten zu hinken. Und das auf Grund einer Theologie. Was zeichnete diese Theologie so orthodox und gegenwartsnah aus, daß ein ehrlich suchender Student darauf hereinfallen konnte? Sie machte anscheinend Ernst mit der endgeschichtlichen Situation", in der wir uns als Christen befinden, indem sie von der Endzeit", von der Kirche zwischen den Zeiten" und von den Rechten der Jetztzeit, von dem Anspruch der Zeit an die Kirche redete. So wird man der Endzeit und der Zeit der Welt­geschichte gerecht". Und das- beruhigte denn auch einen Stu­denten der protestantischen Theologie im Dritten Reich. Es be­friedigt, theologisch zu wissen, daß man nicht zu den Schlafenden und Trunkenen gehört, die meinen, es ist Friede, es hat keine Gefahr"- aber auch friedlich und ungefährdet den Anliegen ,, der Kirche in der Zeit" und der Zeit in der Kirche zu dienen- und so auch ein bischen zu träumen und sich zu befäuseln. Evange lische Theologiestudenten: wie es uns nicht erlaubt ist, Gott und Baal nachzuwandeln, so auch nicht, die Finsternis mit dem Licht, die Nacht mit dem Tag mit theologischen Runstgriffen zu ver­söhnen. Wenn wirklich die Zeiten der Theologie und der Kirche vorbei sein sollen, in denen man das Morgenrot des anbrechen­den Tages des Herren in der Kultur- und Christengemeinde auf