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Herr, wohin sollen wir gehen? : ein Wort eines evangelischen Theologiestudenten an seine Kommilitonen / Max Lackmann
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Heeresdienstpflicht und den Kriegsdienst erfüllen würden- in klarer übereinstimmung mit dem Gebot der Heiligen Schrift und der Meinung Luthers.( Vgl. dazu Matth . 22, 21, Röm. 13; ferner Luthers Schriften Von weltlicher Obrigkeit, wie weit man ihr Gehorsam schuldig sei" 1523 und Ob Kriegsleute auch in seligem Stande sein können" 1526.) Als solche politische Men­schen, die sich noch in der Welt wissen, sind wir nicht nur politisch, sondern auch theologisch nüchterne Leute, die dem Herren nicht sein Reich vorwegnehmen, auf Erden bauen oder vorbereiten können.

Wer aus der Kirchengeschichte der Reformation die Schwarmgeister, den täuferischen Kommunismus und die Spiritualisten mit ihrer Theologie kennt, weiß, was solche Schwärmerei für uns in der Gegenwart bedeuten

könnte.

Der Staat, der sich mit diesem nüchternen Gehorsam um Gottes willen zufrieden gibt, gibt sich zufrieden mit dem, was nach Gottes Willen sein ist- mag er das wissen als christliche Obrigkeit" oder auch nicht wissen als heidnische Obrigkeit. Uns hätte zu genügen, daß er sich damit zufrieden gibt.

Aber, meine Kommilitonen, von dem politischen Menschen" des nationalsozialistischen Staates, zu dem wir nach dem Willen unseres jetzigen Kirchenregimentes erzogen werden sollen, wird mehr verlangt. Er ist nicht mehr nüchterner politischer Mensch" in der Welt, sondern politischer Mensch" von der Welt. Er ist gebunden an eine bestimmte, an die völkisch- rassische Weltan schauung und den nationalen Volksstaat. Der Staatsgedanke ist damit grundsätzlich auf dem Wertbegriff des Volkes" aufgebaut und nur von dieser Wertbeziehung her zu verstehen und zu er­füllen. Mit dieser grundsätzlichen Bindung aber sagt ein Führer dieses Staates aus, daß er nicht als Ordnung Gottes zwischen den Zeiten", sondern als wert- und weltverhaftete, eigengesetz­liche Größe von dieser Zeit der Welt verstanden werden soll.

Das fundament dieses Staates, das Volk, als göttlichen Wert zu legi­timieren, dürfte in einer katholischen Theologie möglich sein. In einer pro­testantischen Theologie ist es unmöglich; ebenso unmöglich ist es- was wohl heute versucht wird, den Begriff der Ordnung des Staates" durch den der Ordnung des Volkes" zu ersetzen; das Volk ist eine Schöpfungs. ordnung Gottes, die unter dem Fluch der Sünde und der Verheißung der Erlösung steht also keine selbständige Bewertung aus und in der Zeit duldet. Der Staat ist demgegenüber unabhängig von den Absichten

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