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Herr, wohin sollen wir gehen? : ein Wort eines evangelischen Theologiestudenten an seine Kommilitonen / Max Lackmann
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der Menschen die Gnadenordnung des gegenwärtigen Gottes, die bis zum Hereinbrechen des Gottesreiches mit dem Herren Christus im Volk die Ordnung aufrecht erhält.-

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Aber, immerhin, seien wir uns ganz klar darüber: ein nicht­christlicher Staatsgedanke wäre noch kein Grund für uns als Theologiestudenten nicht auch in diesem Staate eine Ordnung von Gottes Willen zu sehen und ihr zu gehorchen. Jedoch die forderung von seiten der gegenwärtigen Kirchenleitung und des Staates an den evangelischen Theologiestudenten im Dritten Reich , an den Wert des Volkes gebundener und damit eigenmäch­tiger ,, politischer Mensch" zu sein- stellt ihn vor die Entschei­dung, ob er Gott mehr gehorchen will als den Menschen, d. i. konkret gesprochen dem nationalsozialistischen Volk und seiner Weltanschauung oder nicht. Weil die völkische Kirche in Übereinstimmung mit dem völkischen Staat sich nicht damit zu­frieden gibt, daß wir Theologiestudenten, die nicht dazu da sind, menschliche Paläste und Reiche zu bauen, einem nüchternen oder selbstbewußten Staate in jedem Falle nüchtern gehorchen- gibt sich auch die heutige sogenannte protestantische Kirche nicht mit dem zufrieden, was nach Gottes Willen dem Staate an Ehre gebührt mag sie ihm noch so stolz das Prädikat eines christ­lichen Staates" geben. Es ist in den Augen vieler Theologie­studenten Deutschlands das Prädikat aus dem unberufenen Munde eines Lehrmeisters, der weder Kirche ist noch eine Theo­logie hat.

Deutsche evangelische Theologiestudenten, was haben wir zu tun? Wir haben als schrift- und bekenntnistreue Protestanten den Anspruch des politischen Menschen" als einen kirchlich und theologisch gerechtfertigten zurückzuweisen. Wenn wir das tun, so wollen wir nicht eine andere politische Meinung oder Partei" heraufführen; wollten wir das, wären wir genau so wenig nuch­terne, wache und wunderliche Menschen des Gehorsams wie der politische Mensch des nationalsozialistischen Staates es in den Augen einer wahren Kirche ist. Der Weg eines Zwingli bis zu dem Schlachtfeld bei Rappel sollte uns vor der Utopie und Ent­gleisung warnen, reformatorische Ideen mit politisch- patrio­tischen Jdeen zu vermischen.

Aber wir haben- sofern wir als Theologen und Christen Erben der Reformation und Nachfolger des Herrn Christus sein