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Herr, wohin sollen wir gehen? : ein Wort eines evangelischen Theologiestudenten an seine Kommilitonen / Max Lackmann
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Von unseren wahren und falschen Lehrern.

Wir sind Studenten, deren Hauptberuf ist, die Lehre entge­genzunehmen, selbständig zu durchdenken und auf diese Weise zu lernen.

Aus dieser Aufgabe heraus, auf deren Ernst und Notwendig­keit gerade heute bereits hingewiesen wurde, ist es an diesem Orte auch notwendig, daß wir uns in strengster Sachlichkeit auf diejenigen besinnen, die heute unser theologisches Studium an den deutschen Universitäten gestalten. Es sind dies unsere aka­demischen Lehrer und neuerdings als nicht zu unterschätzende Lehrkräfte die Arbeitsgemeinschaften der evangelisch- theo­logischen Fachschaften, bzw. deren Leiter.

An unsere akademischen Lehrer sind in den letzten Monaten soviel Wünsche und Forderungen in nationalpolitischer und völkischer Hinsicht ergangen von seiten der deutschen Theologiestudenten, daß es recht und billig ist, ihnen in aller Ehrfurcht von derselben Seite zu sagen, daß deut­sche evangelische Theologiestudenten auch noch andere Wünsche und For­derungen an Lehrer der protestantischen Theologie zu stellen haben.

Es ist selbstverständlich, daß wir Studenten der evangelischen Theologie von einem Dozenten protestantischer Theologie die Erfüllung all der Voraussetzungen erwarten, die für uns als werdende Theologen gelten, die wir aber noch nicht voll und ganz oder gar überhaupt nicht erfüllen. Es ist schon richtig wie haben wir es als Schüler auf den Gymnasien oft vermißt daß ein akademischer Lehrer nicht nur ein großer Wissenschaft­ler, sondern auch ein Vertrauen entgegenbringender Erzieher und Führer seiner Studenten sein soll.

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Es verträgt sich darum nicht mit der angemessenen Ehrfurcht und Be­scheidenheit eines Studenten gegenüber seinem Lehrer, wenn er diesem, nur um des Mangels einer zeitgemäßen Einstellung willen, jegliche Füh rer- und Erzieherqualitäten in anmaßender Weise abspricht; ich jedenfalls und eine große Zahl meiner Kommilitonen geben sich nicht mit dem Typus des neuzeitlichen Lehrers zufrieden, der von seinen Studenten geführt wird. Wir wollen uns getrost noch führen lassen in der Erkenntnis, daß wahre Wissenschaftler und Erzieher an einer deutschen Universität längst durchdacht und durchlebt haben, was wir Jungen oft in unüberlegter Schwärmerei von ihnen fordern. Werden wir dann falsch geführt, so wird es immer und nur Sache eines durchaus selbständigen Ringens gemeinsam mit dem Lehrer sein, ihm seinen falschen Weg in aller Klarheit aufzu­