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Herr, wohin sollen wir gehen? : ein Wort eines evangelischen Theologiestudenten an seine Kommilitonen / Max Lackmann
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zeigen; so wäre es eines deutschen Studenten an einer deutschen Universi­tät würdig ganz unabhängig davon, ob das Jdeal der humanistisch­wissenschaftlichen oder der politischen Universität gilt.

Wieviel mehr gilt dieses echte Führer- und Erzieherprinzip für uns von unseren Lehrern der Theologie, bei denen wir Wis­senschaft und Leben erst recht nicht zu trennen vermögen! Daß Glaube und Theologie eng zusammengehören, daß man nicht eine orthodore Theologie, die die Wahrheit umschreiben will, lehren und liberale Entscheidungen im praktischen Leben treffen kann das ist für uns heute wieder eine unabweisbare forderung, die wir uns nicht durch Sophismen und Spekulationen von der, Un­konstatierbarkeit des Glaubens" und von dem Menschenwerk der Theologie" ersetzen lassen dürfen. Die Reformatoren sind in der Beurteilung der Jrrlehrer und Jrrlehren entschieden weni­ger spitzfindig und vorsichtig" gewesen und haben nie gezögert, deutlich zu sagen, wen sie für einen offenbaren Jrrlehrer und Ungläubigen hielten, und solche Leute gegebenenfalls öffentlich zu rügen, zu verbannen und gar hinzurichten.

So Calvin; auch für Luther ein Beispiel, Man ist's bisher gewohnt, die Prälaten zu loben und schmeicheln, dieweil das Evangelium unter der Bank lag... Aber ein Prediger soll nicht darum schweigen, sondern wie Jes. im 58. Rap. sagt, seine Stimme aufheben und den Prälaten ihre Sünde, Schalkheit, Büberei usw. sagen. Also haben die Pro­pheten, Apostel, Christus selber getan, wiewohl sie auch allerlei Leiden wil­liglich erduldeten... Schweigen taugt nicht, leiden soll man, strafen und schelten muß man; aber lieben und wohltun muß man auch. Ein Vater schilt, straft und stäupt sein Rind und ist ihm doch nicht feind; der ist ihm. aber feind, der seine Bosheit schweigt und nicht schilt noch straft." ( Ausgew. Briefe, Buchwald, Brief an Cl. Storm, 1522, S. 100).

Im übrigen vermag auch der Apostel Paulus nicht, Glaube und Lehre voneinander zu trennen, wenn er im ersten Brief an Timotheus , Rap. 6, 3 von der Lehre spricht, die gemäß ist der Gottseligkeit". Eine Theologie, die nicht wissenschaftlich erakt formulierte Verkündigung und Anleitung zur Verkündi­gung des Wortes Gottes ist, ist für uns Theologiestudenten der Gegenwart unbrauchbar eben darum, weil Gottes Wort, wenn es glaubend nachgesprochen wird, immer lebens­nah ist.

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Wir haben darum, Rommilitonen, die nicht mit Geschwätz und bombastischem Gerede, sondern allein mit eifrigem Studium der Theologie und eigener Bibelkunde zu bewältigende Aufgabe,