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Herr, wohin sollen wir gehen? : ein Wort eines evangelischen Theologiestudenten an seine Kommilitonen / Max Lackmann
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Ihn gedenkſt und dieAnliegen der Menſchen wir Men ſchen haben in unſerem Leben viele, eigentlich nur Anliegen! berückſichtigſt. Es gibt keinePrivatwege der Menſchen, an deren Eingang ein Schild ſtehtPrivatweg für uns! wenig ſtens wenn du Theologe ſein willſt, gibt es nur ein Schild an der Straße mit der Aufſchrift:gedenke an Ihn in allen deinen Wegen mit der UnterſchriftGottes Wort .

Wir werden gewiß immer Stümper und Wortbrüchige darin bleiben, Gottes Wort auf unſerer Wanderung immer vor Augen zu haben, ſo wahr es einem Petrus und vielen Jüngern nicht anders gegangen iſt. Aber du wirſt ſelbſt von dir wiſſen, ob du ein Wortbrüchiger biſt, der am Anfang ſeines Weges Gottes Gebot geleſen hat und bei der Wanderung immer wieder andere ſchöne Dinge vorzieht ſtatt jener Wegweiſung oder, ob du das Schild überhaupt noch nicht geſehen oder wiſſentlich über ſehen haſt, ſo daß du noch gar nicht daran gedacht haſt, von den Anliegen der Welt und deines Herzens Abſchied zu nehmen. Darüber lege dir Rechenſchaft ab.

Wenn es aber wahr iſt, daß du dich nicht dünkſt, weiſe zu ſein, und aus des Herrn Chriſtus Sand den Verſtand, die Weisheit des Kreuzes empfängſt dann magſt du dich getroſt in aller An⸗ fechtung für einen Theologen halten und den Mund auftun, wie es Gott gefällt.

Solches Mundauftun des Theologen bedeutet dann, daß du haarſträubende, unbegreifliche, empörende Worte ſprichſt über die Gedanken und Taten und Abſichten deiner Mitmenſchen, die unter Menſchen noch nie dageweſen ſind. Du ſagſt eben Gottes Wort und das iſt nicht des Menſchen Wort! Daß du das tuſt, iſt nicht deine Luſt, deinen Mitmenſchen auf den Fuß zu treten und ſie ſchlecht zu machen oder mit deiner Theologie auf den Leib zu rücken. Du haſt die Weisheit Gottes geleſen und gehört und richteſt dich einfältig nach dieſem Wegweiſer; kannſt du die Weg⸗ genoſſen deines Lebens an dir vorbeilaufen laſſen, die ſich ſelbſt den Weg weiſen??

Und nun iſt es das natürlichſte und verſtändlichſte und wahrſte Zeichen dieſer Welt, daß ſie ſich luſtig über dich macht und zu⸗ nächſt für einen wunderlichen Rauz hält. Wie ſollte es anders ſein, wenn du allem Begreifen und aller zugänglichen Wirklich⸗