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Herr, wohin sollen wir gehen? : ein Wort eines evangelischen Theologiestudenten an seine Kommilitonen / Max Lackmann
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dazu? Sie fragen mit Recht, weil du als Mensch einer ihres­gleichen auf der gleichen Landstraße bist.

Aber nun behauptest du, auf solche Fragen als Theologe zu antworten. Eine große, durchaus nicht alltägliche Sache, wenn du das tust. Weißt du, was das heißt, als Theologe in deiner Zeit Rede und Antwort stehen?

Das heißt: Verlaß dich auf den Herrn von ganzem Herzen und verlaß dich nicht auf deinen Verstand; sondern gedenke an Jhn in allen deinen Wegen, so wird er dich recht führen"( Prov. 3, 5/6) oder wie der Psalmist singt: Laß meinen Gang gewiß sein in deinem Wort"( Psalm 119, 133).

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Wenn du Diener am Worte Gottes sein willst, sollst du dich nicht auf Herz und Verstand weder in dir noch in anderen Menschen verlassen. Du kannst nicht nachsprechen, was deine Umwelt dir nahelegt an Einsichten und Eindrücken und Urteilen. Du hast überhaupt nichts zu sagen. Das können andere Men­schen auch, das könntest und dürftest du auch, wenn du als Theologe auch die Absicht hättest, deine Meinung zu äußern. Aber nun soll es für dich eine ausgemachte Sache sein, daß du dich von ganzem Herzen auf den Herrn verläßt! Gottes Wort dessen Diener du bist, d. i. einer, der formu­lierte und festgelegte Befehle vom Herrn entgegennimmt will nichts von deinem Verstande und deiner Meinung wissen, sondern verlangt dein ganzes Herz für sich. Ein Theologe müßte also ein Mann sein, der der Stimme seines Blutes, seines Verstandes, seines Herzens das Ohr verschlossen hat, weil er durch Gottes Barmherzigkeit weiß, daß er kein reines Herz und keinen rechten Verstand hat, ihn vielmehr durch das Aufneh­men von Gottes Wort erst bekommt, wie die Heilige Schrift solches rühmt Prov. 3, 13.

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Du darfst den Namen eines Theologen, eines evangelischen, protestantischen Theologen, nicht in Anspruch nehmen, wenn du dich im Gespräch mit deiner Umwelt und mit dir selbst, in der Praxis deines Theologe- seins" noch auf dein oder der Mitmenschen vernünftiges und herzliches" Anliegen einläßt, und zwar so, daß du dich darauf verläßt.

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Du darfst dich auch nicht einen protestantischen Theologen nennen, wenn es für dich Momente, Ereignisse, Lebensgebiete, Wege gibt, in denen du insgeheim oder offen einmal nicht ,, an