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Herr, wohin sollen wir gehen? : ein Wort eines evangelischen Theologiestudenten an seine Kommilitonen / Max Lackmann
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Er aber blieb geduldig und wich ihnen nicht aus, sondern folgte seinen Brüdern auf dem gleichen Wege fröhlich und ohne furcht und Zugeständ­nis. Aber mit ihm ging niemand.-

Wenn du ein Theologe bist, bist du kein Einsiedler und Eigen­brödler, der fern von seinen Mitmenschen, fern von dem Ge­schehen und Reden seiner Zeit seine eigenen, kleinen Sonderpfade und Geheimwege wandert. Du bist von deinem Schöpfer und Vater auf eine bestimmte Straße des Lebens gesetzt, die du mit deinen Mitmenschen gemeinsam wandern mußt, seien es Heiden oder Christen- wie der Herr Christus es nicht ließ, inmitten derer zu wandern, die sich an ihm ärgerten, ihn zur Notzeit ver­ließen und verrieten. Du darfst dir deinen Weg nicht aussuchen, sondern mußt dort wandern, wo der Gott Abrahams, der auch dein Gott ist, dich heißt, zu gehen, zu stehen und zu leben. Der Theologe geht nicht im Himmel, sondern auf Erden, wo seine Menschenbrüder, die nichttheologen und Nichtchristen und Hei­den auch gehen. Das heißt für den deutschen Theologen der Ge­genwart: im Dritten Reich . Aber er geht diesen Weg mit all die­sen Leuten eben als Theologe, das ist Diener am Wort. Was heißt das?

Die Leute, die neben dir wandern, haben ihr vernünftiges, einsichtiges und billiges Urteil über die Dinge dieser Welt und über ihren Wert und Unwert. Sie werden und können nicht da mit sparen, dir diese vernünftigen, einsichtigen und billigen Ur­teile vorzutragen und an deine Vernunft, Einsicht und Urteils­fähigkeit zu apellieren. Du hast ja all diese Möglichkeiten der Verständigung mit deinen Zeitgenossen auch, eben darum, weil du als Weggenosse des menschlichen Lebens, dieses Lebens an ihrer Seite schreitest. Sie müssen dich fragen, was du von den Dingen und Freuden und Lüsten und Ereignissen dieses Lebens, an denen ihr alle, du und die anderen, vorbeikommen und die alle, dich und die anderen, ansprechen, hältst. Und du mußt ant­worten, lieber Freund! Du kannst nicht stumm bleiben und die Sache für dich, in deinem Herzen behalten. Du wandelst nicht deine lieblichen, stillen Herzenswege, sondern stehst auf bewegter, belebter Landstraße der Völker und ihrer Geschichte, Politik, Weisheit und Kunst. Auf dieser Straße fragen dich deine Wandergenossen und die Ereignisse dieser Welt: was sagst du