Druckschrift 
Censura Desß zu Marpurgk getruckten Buchs, dessen Titul : Kurtzer, doch Gründlicher Bericht, nach Innhalt der Augspurgischen Confession, Von den vornembsten streitigen ReformationsArtickeln, zwischen den Evangelischen, In Frag und Antwort, auß Gottes Wort, der alten Lehrer, und so wol Lutheri als Calvini, und beyderseits Theologen Büchern und Bekandtnussen, trewlich zusammen gezogen, Durch M. Jacobum Sartorium, &c. Auff einstendiges Anhalten vornemer Leute, kürtzlich gestellet Von Balthasare Mentzero, der heyligen Schrifft Doctore, und hiebevor zu Marpurg, jetzo zu Giessen Professore Ordinario
Entstehung
Seite
77
Einzelbild herunterladen

Vom H. Nachtmal deß HErin. 77

der That warheit den Glaubige durch Krafft deß h. Geiſts vber⸗ reichet. Da findet ſich. der alte Geſang/ Das Brot iſt der Leib Chriſti: Welche Rede aber außtruͤcklich in der Schrifft nicht ſtehet: Jedoch von den Kirchenlehrern gebraucht wird/ mit beygeſatzter nohtwendiger Erklaͤrung/ welche ſich allczeit gruͤnden muß auff die wort der Stifftung. Vnd iſt dro⸗ ben gnugſam geſagt/ daß die deuteley mi Chꝛiſtt Worten nicht ſtehen koͤnne: Wie dann anch/ daß die Calviniſche Erklaͤrung ein lauter Geſpoͤtt ſey/ dar⸗ inn gar ein anders gefragt/ ein anders geantwortet wird. So koͤnnen biß auff dieſen Tag die Zwinglianer vnnd Calviniſten vber einen hauſſen kein Erempel finden/ da von dem Zeichen geſagt wuͤrde/ daß es das bezeichnete ſelbſt ſey/ eben ſo wenig als man ſagen kan/ der Vatter iſt Sohn/ oder der Sohniſt Vatter ſondern der Vatter iſt deß Sohns Vatter/ der Sohn iſt deß Batters Son/ alſo auch das Zeichen iſt deß bezeichnetẽ dings Zeichen/ ꝛc. Exempels weiſe die Kron iſt ein Zeichen der Koͤniglichen Wuͤrde/ aber nicht die koͤnigliche Wuͤrde ſelbſt/ das Scepter vnnd Reichsapffel iſt ein Zeichen deß Keyſersthumbs/ aber nicht das Keyſerthumb ſelbſt/ daß Kraͤntzlein ein Zeichen der Jungfrawſchafft/ der Richterſtab ein Zeichen deß Richterlichen Ampts /ꝛc. Wer wil nun ſeinen Glauben gruͤnden auff einen ſolchen newer⸗ dichtetentropum, darvon Moſes/ die Propheten/ Apoſteln vnnd Evangeli⸗ ſten nichts wiſſen? Der bey den lieben alten Kirchenlehrern vnbekannt iſt? a auch der ſich nirgend finden laͤſſet/ bey einigem Griechiſchen oder Lateini⸗ chen Oratore, die mtr groſſen fleiß von der Redekunſt geſchrieben? Dan⸗ nenhero mit Verwunderung zu vernemen daß die Calviniſten/ jhren eige⸗ nen Traum von der metonymia Sacramentaria zu beſtettigen/ nit allein der dreyen Evangeliſten vnd S. Pauli Beſchreibung deß heyligen Abendmals verfelſchen/ vnd gewaltſamlich in einen frembden Verſtande ziehen/ ſondern auch dte reine Philoſophiam ſelbſt Phyſicam, Logicam vnnd Khetoricam corrumpieren verdrehen/ zwingen vnd radbrechen/ damit fie nur etwas zum

ſchein hrer deuteley vorbringen/ vnd mit geſchminckten Reden den Leuten

das Maul vnd die Ohren voll geben/ vnnd einen blawen Dunſt vor die Au⸗

gen machen koͤnnen: wie jhnen ſolchs in einer außfuͤhrlichen Diſputatton

vorgezeigt/ tomo ſecundo diſput. Giĩe ſſènſ. diſp. 7. aber jhre Antwort dar⸗ auff noch zur Zeit vergeblich erwartet worden

Darnach ſo koͤnnen dieſe beyde zugleich nicht ſtehen/ daß das Brot im Abendmal ſol ein Zeichen vnnd Bedeurung ſeyn deß weit/ weit im hohen raͤumlichen Himmel abweſenden Leibs Chriſti(vnd zwar/ wie newlich er zeit

K ii 8: