Teil eines Werkes 
Band 2, Zweiter Theil (1886)
Entstehung
Seite
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Viehſtand gezogen werden, es würde mehr und beſſerer Stalldünger gewonnen und damit das Mittel zur Steigerung der Erträge des Ackerlandes.

Durch etwas ſorgfältigere und rationellere Pflege der Wäſſerwieſen, durch regel⸗ mäßige Düngung derjenigen Wieſenländereien, die keine ausreichende Bewäſſerung finden können, mittelſt künſtlichen Düngers könnten bereits weſentlich höhere Erträge erzielt und damit die Baſis der Viehhaltung mehr geſichert und erweitert werden.

Frage X.

Zu welchen Schlußbetrachtungen gelangt die Commiſſion auf Grund ihrer Erhebungen über die Geſammtlage der landw. Bevölkerung der Gemeinde, bezw. von welchen Verhältniſſen oder Maßnahmen glaubt ſie eine Beſſerung der wirthſchaftlichen Lage erwarten zu dürfen?

Die Gemeinde Unter⸗Schönmattenwag kann, wie aus der Beantwortung der vorhergegangenen Fragen zur Genüge hervorgetreten ſein dürfte, für die landwirth⸗ ſchaftlichen Verhältniſſe nur eines Theiles des ſüdlichen, ſüdöſtlichen und ſüdweſtlichen Odenwaldes als typiſch angeſehen werden. Während wir in der Mehrzahl der Ge⸗ meinden dieſer Gegend einen zahlreichen, mittleren Bauernſtand finden, kann von einem ſolchen in Unter⸗Schönmattenwag nicht wohl die Rede ſein. Wir finden nur in wenigen Gemeinden ein ähnliches Mißverhältniß zwiſchen der anſäſſigen Bevölke⸗ rung und dem Umfang des landwirthſchaftlich benutzten Bodens.

In Bezug auf das, was die Lage des Grundbeſitzes in der Gemarkung Unter⸗ Schönmattenwag gemeinſames hat mit der Lage derjenigen bäuerlichen Beſitzer in den übrigen Gemeinden des hier in Betracht kommenden Theiles des Odenwaldes, ſei hier hervorgehoben:

1. Der im Allgemeinen noch mangelhafte, hinter den Anforderungen der Zeit zurückgebliebene Stand des landwirthſchaftlichen Betriebes, insbeſondere auf dem Ge⸗ biete der Viehzucht, der Viehernährung und Pflege, der Erzeugung und Verwerthung der Milch. Der Betrieb muß im Allgemeinen als zu wenig intenſiv bezeichnet werden.

2. Die verhältnißmäßig hohe hypothekariſche Belaſtung. Eine Beſſerung auf dieſem Gebiete kann nur eintreten, wenn die vorhandene, kündbare Hypothekenſchuld nach und nach umgewandelt wird in eine unkündbare Rentenſchuld mit Amortiſations⸗ zwang in mäßigen Grenzen. Ein Mittel zur Erreichung dieſes Zieles erblicken wir in der Errichtung einer Landescreditkaſſe.

3. Die hohe Belaſtung des Grundbeſitzes durch Communalabgaben. Haben wir doch Gemeinden im Odenwald, in welchen die Communalſteuer das 4⸗ und 5fache der Staatsſteuer beträgt.

Hier könnte nur durch Uebertragung eines Theiles der Communallaſten auf den Staat und eine gerechtere, den Einkommensverhältniſſen und den heutigen poli⸗ tiſchen Rechtsverhältniſſen der Gemeindeangehörigen mehr Rechnung tragende Veran⸗ lagung der Gemeindeumlagen geholfen werden.