Teil eines Werkes 
Band 2, Zweiter Theil (1886)
Entstehung
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Waldboden vermiſcht, ein vorzügliches Düngemittel in ausreichender Menge für zwei Ernten lieferte.

In dieſer Zeit waren die Ernten ſowohl an Buchweizen, als auch an Korn um Vieles reicher als jetzt, wo nur noch in den ſeltenſten Fällen eine Buchweizenernte vorweg gewonnen werden kann, und die auf dieſen Waldfruchtbau verwandte Arbeit lohnte ſich in Folge deſſen um Vieles beſſer.

Dieſes Verſchwinden des ſogen. Rauholzes in Folge planmäßiger Ausrottung Seitens der größeren Waldbeſitzer(Großh. Fiscus und Freiherr von Dorth), hat noch eine andere nachtheilige Wirkung auf die Erwerbsverhältniſſe der Gemeinde. Eine große Anzahl der Bewohner nämlich ernährt ſich mit der gewerbsmäßigen Anfertigung von Gartenſtühlen, Rechen, Schienenkörben, Waſchklammern ꝛc., welche Artikel zumeiſt aus dem Holz der Haſelnußſträucher angefertigt werden. So lange nun dieſes Holz in den Schälwaldungen der Gemarkung und den angrenzenden Waldungen in aus⸗ reichender Menge aufwuchs, hatten dieſe Gewerbetreibenden ein billiges Roh⸗ material; in dem Maße jedoch, wie das Haſelnußholz ausgerottet wird, ſind dieſe Bewohner gezwungen, ihren Bedarf an geeigneten Hölzern aus anderen Gegenden zu beziehen und einen viel größeren Aufwand an Geld und Zeit dafür zu machen. Dieſe Art der Hausinduſtrie geht in Folge deſſen ſtetig zurück und es werden dement⸗ ſprechend Arbeitskräfte frei, die jedoch in dem Orte und in der Umgegend zur Zeit keine Verwendung finden können.

Was hier von dem Haſelnußholze und der damit verbundenen Hausinduſtrie geſagt wurde, gilt auch für das Holz der Birke beziehungsweiſe für das feine Aſtholz derſelben, welches in vielen Orten des Odenwaldes und insbeſondere in Unter⸗Schön⸗ mattenwag ausgedehnte Verwendung für die Anfertigung von Kehrbeſen findet. Die Kunſt des Beſenbindens wird von faſt allen Einwohnern des Ortes ausgeübt, von

vielen als Berufsarbeit während des ganzen Jahres, von anderen, insbeſondere den

Grundbeſitzern, die nebenher auf Taglohnverdienſt angewieſen ſind, während der Wintermonate.

Aber die Birke, welche ja an ſich ein ſehr nützlicher, genügſamer Baum und Strauch iſt, war den Waldbeſtänden zum Schaden und dem Forſtſchutzperſonal zur Plage geworden, da ihr Holz von den Beſenbindern ſehr vielfach als herrenloſes Gut betrachtet wurde und überdies mit dem Einſammeln desſelben noch mancherlei anderer Forſtſchaden und Unfug verbunden war. In Folge deſſen wird auch die Birke möglichſt auszurotten geſucht und die Beſenbinder ſind gezwungen, viele Weg⸗ ſtunden weit bis Eberbach, Mosbach ꝛc. zu gehen, um ſich ihren Bedarf an Birken⸗ reiſig zu decken. Sie ſind zu dieſem Zwecke oft 23 Wochen vom Hauſe entfernt und haben überdies nicht unbedeutende Vorlagen für den Transport des Beſenreiſigs zu machen. Daß unter dieſen Umſtänden der Verdienſt ein geringerer werden mußte, iſt begreiflich und auch dieſe Induſtrie ſieht keiner freundlichen Zukunft entgegen, zu⸗ mal da derſelben in dem Piaſavabeſen ein nicht ungefährlicher Concurrent er⸗ ſtanden iſt.