Teil eines Werkes 
Band 2, Zweiter Theil (1886)
Entstehung
Seite
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Rückſichtlich der Betriebsorganiſation iſt zunächſt zu ſagen: es iſt undenkbar, daß in unſerem hochentwickelten Vaterlande ein beſtimmter Betriebscharacter lange Zeit hindurch mit Vortheil beibehalten werden kann. Die Schwanheimer Landwirthe werden daher, gleich ihren anderen Berufsgenoſſen fortwährend darauf zu achten haben, ihren Betrieb den Anſprüchen des Verkehrlebens entſprechend zu erhalten bezw. um⸗ zugeſtalten.

Unterzeichnete ſind ferner im Einklang mit den ſeitens ihres Referenten unter VII b und IX b gegebenen Darſtellungen der Meinung, diejenigen Landwirthe der Gemeinde Schwanheim, deren Grundbeſitz nicht vollkommen zur Beſchäftigung der Familie ausreicht, ſollten ſich bemühen, ihre Geſammtthätigkeit in der Art zu modifi⸗ cieren, daß ſie einen Nebenverdienſt einführen, welcher die Verwerthung jeder Kraft und jeder, wenn auch noch ſo kurzen Zwiſchenzeit geſtattet; vielleicht Korbflechterei. Solche Nebenbeſchäftigungen würden auch den Begehr nach Pachtgrundſtücken vermindern und die überhohen Pachten ermäßigen. Mit der Möglichkeit jede Freizeit zu verwerthen, würde auch die Unbequemlichkeit, welche die auswärtigen Grundſtücke mit ſich bringen, allgemeiner empfunden werden und dies zu häufigerem Tauſch der auswärtigen gegen einheimiſche Grundſtücke führen, was ſicherlich auch jetzt ſchon nach Möglichkeit zu empfehlen iſt. Mit dieſem Punkte ſind wir aber bereits zu einer der Maßnahmen gekommen, deren Durchführung nicht von einem einzelnen Gutsvorſteher abhängt.

Gleich dem Erhebungs⸗Commiſſär erachtet auch die unterzeichnete Commiſſion es für wünſchenswerth, die Feldwege der Gemarkung Schwanheim zu verbeſſern und obgleich ſie die Schwierigkeiten nicht verkennt, welche der Erfüllung dieſes Wunſches entgegenſtehen, ſo glaubt ſie doch, daß man denſelben im Auge be⸗ halten ſollte. Sie iſt der Anſicht, daß die Durchführung der Feldbereinigung in dieſer Beziehung ſehr günſtig wirken würde, daß man an manchen Stellen unterirdiſche Abzüge anbringen könnte, in jedem Falle aber Pflaſterung der ſchlechten Stellen helfen würde.

Der Referent hat in ſeinem Bericht die Rentabilität der Verwendung von Handelsdünger empfohlen. Der Erfolg hiervon iſt aber natürlich nur dann zu erwarten, wenn die betreffenden Düngerarten den ihrem Preiſe entſprechenden Gehalt an wirkſamen Beſtandtheilen beſitzen, und da man ihnen denſelben nicht anſehen, auch den reellen und betrügeriſchen Händler nicht jederzeit unterſcheiden kann, ſo ſind bei dem Bezug von Handelsdüngern Kauf unter Gehaltsgarantie und chemiſche Unter⸗ ſuchung durch eine landw. Verſuchsſtation unerläßliche Vorbedingungen der Erfolgs⸗ ſicherheit. Dieſe chemiſchen Unterſuchungen ſind aber bei kleinen Bezügen relativ zu koſtſpielig, was allein ſchon dafür ſpricht, daß die Landwirthe einer jeden Gemeinde zu einem landw. Conſumverein zuſammentreten ſollten. Ein ſolcher wird ihnen aber, namentlich wenn er ſich dem Verband der Heſſiſchen landwirthſchaftlichen Conſum⸗ vereine anſchließt, auch beim gemeinſamen Bezug anderer landw. Bedarfsartikel ähnliche Dienſte leiſten, wie im Düngerhandel, ſo namentlich bezüglich der Kraftfuttermittel und Sämereien.