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Frauen nicht vollſtändig, ſpeciell aber 618 Arbeitstage in Anſpruch. Hieraus iſt zu ſchließen, daß ein ſolcher Umfang ungefähr zur Beſchäftigung einer Durchſchnitts⸗ familie, beſtehend aus 3 Erwachſenen(ein rüſtiger Mann und 2 Perſonen von Frauenleiſtungsfähigkeit) und 2 Kindern, paſſend ſein möchte, und, da eine ſolche Familie etwa ebenſohohen Aufwand erfordern dürfte, wie in dem vorliegenden Bei⸗ ſpiel, ſo iſt anzunehmen, daß ſie auf einem derartigen Gut, wenn dasſelbe nicht oder nur unerheblich verſchuldet wäre, ein ganz gutes Auskommen haben müßte, wobei zu berückſichtigen iſt, daß im Vergleich zu unſerem Beiſpiel der Ackerpacht im Betrage von 160 Mk. in Wegfall käme. Ueberhaupt läßt ſich aus den vorliegenden Berech⸗ nungen folgern, daß zur Beſchäftigung einer Durchſchnittsfamilie eine Fläche von 4 bis höchſtens 5,5 Hectar gehört, und daß der Beſitzumfang, welcher zur Ernährung einer ſolchen Familie bei mittelgutem Betrieb ausreicht, zwiſchen 4 und 4,5 Hectar liegt.
Gründe der unbefriedigenden Erfolge.
Die Rentabilität des landwirthſchaftlich benutzten Bodens der Gemeinde Schwan⸗ heim kann auf Grund der berechneten 3 Beiſpiele, nach den unter IVa. darüber ge⸗ machten Angaben, ſelbſtverſtändlich nicht als befriedigend bezeichnet werden.
Die natürlichen Fruchtbarkeitsverhältniſſe der betreffenden Gemarkungen tragen nicht die Schuld hieran, ebenſowenig thut dies die Unterlaſſung dringend wünſchens⸗ werther Meliorationen, womit jedoch nicht geſagt werden ſoll, daß keinerlei bleibende Bodenverbeſſerungen ausgeführt werden könnten.
Zu bedauern iſt, daß der Beſitz der meiſten Landwirthe nur zum Theil in der Gemarkung Schwanheim, anderntheils in mehr oder weniger entfernten fremden Ge⸗ markungen liegt, wogegen wieder zahlreiche Grundſtücke der Schwanheimer Gemarkung auswärtige Beſitzer haben. Es kann wohl nicht zweifelhaft ſein, daß durch dieſe Sachlage die Bewirthſchaftung nicht unerheblich erſchwert und vertheuert wird.
Da wir zu der Anſicht gekommen ſind, daß bei der üblichen Art und dem durchſchnittlichen Niveau der Wirthſchaftsführung nur eine ungenügende Verzinſung der Grundwerthe erfolgt, die mittleren Kaufpreiſe letztere aber noch überſteigen, ſo müſſen wir auch ſagen:„Die Preiſe des Bodens ſind im Vergleich zu ſeiner ge⸗ wöhnlichen Rentabilität zu hoch.“
Gewiß würde dem Boden ein bedeutend höherer und wahrſcheinlich ein im Ver⸗ gleich zu ſeinen Preiſen recht befriedigender Reinertrag abgewonnen werden, wenn die Betriebseinrichtung und ⸗Führung völlig im Einklang mit der gegenwärtigen techniſchen und wirthſchaftlichen Erkenntniß ſtände. Eine derartige Bewirthſchaftung i*ſt aber ſelbſtverſtändlich nur das betreffende Ideal, hinter welchem der Durchſchnitt einer bäuerlichen Bevölkerung ſtets mehr oder weniger zurückbleiben wird. Es kann da⸗ her hier nur in Frage kommen, ob die bäuerlichen Beſitzer des Großherzogthums Heſſen im Allgemeinen und die der Gemeinde Schwanheim im Speciellen hinter genanntem Ideal weiter zurückgeblieben ſind, als es in der Natur der Sache liegt, und ob hierin ein Hauptgrund mangelhafter Ertragsfähigkeit beſteht. Daß der bäuerliche Be⸗ trieb im Allgemeinen den Fortſchritten der Erkenntniß ferner ſteht und langſamer folgt,


