Teil eines Werkes 
Band 2, Zweiter Theil (1886)
Entstehung
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c. Die hauptſächlichſten Bodenproducte ſind: Getreide, Hackfrüchte, Klee und Heugras, von erſterem namentlich: Gerſte, Spelz, Roggen und Weizen. Von Hack⸗ früchten kommen beſonders Dickrüben und Kartoffeln in Betracht. Die Hauptrolle bei dem Schwanheimer Landwirthſchaftsbetrieb ſpielt die Viehzucht, nächſtdem die Production von Braugerſte.

Die Bewirthſchaftung des Ackers iſt eine freie, wobei jedoch folgende Regeln

gelten: 1. Der Stalldünger wird zu Dickrüben, Kartoffeln und Wintergetreide an⸗

gewendet.

2. Halmfrüchte folgen höchſtens 3 mal, in der Regel nur 2 mal aufeinander.

3. Gerſte wird nach Hackfrucht oder Weizen gebaut.

4. Wetzen folgt auf Hackfrucht, Klee oder Gerſte, im letzteren Fall mit Grün⸗ düngung. . Spelz folgt nach Hackfrucht oder Klee. .Roggen kommt nach Gerſte. .Hafer wird nach Spelz oder Weizen gebaut. .Rothklee folgt auf Gerſte oder Weizen. . Luzerne folgt auf Gerſte. .Flurzwang findet in der Gemarkung Schwanheim nur bei den Wieſen ſeatt, die Ackerparcellen ſind ſämmtlich direct zugängig und haben, wenn auch zum Theil klein, eine Form, welche die Bearbeitung begünſtigt. Unter den Schwanheimer Landwirthen herrſchen augenſcheinlich Fleiß, Sparſamkeit und geiſtige Regſamkeit. Die Wirthſchaftsführung iſt daher im Allgemeinen eine ſehr ſorgfältige, bei welcher hochgradige Verſtöße nicht zu Tage treten. Der Anbau an Getreide überwiegt den an Futtergewächſen und Hackfrüchten nur unbedeutend(6: 5). Halmfrüchte werden, wie ſchon unter c. geſagt, höchſtens 3 mal, in der Regel aber nicht länger als 2 Jahre hintereinander gebaut. Ein Verkauf von Kartoffeln und Rüben findet nur in be⸗ ſchränktem Maße, ein ſolcher von Heu und Stroh gar nicht ſtatt. Die Wieſen, welche nicht zur Bewäſſerung eingerichtet ſind, erhalten regelmäßige Compoſtdüngungen. Die Knappheit der Wieſenfläche ſucht man durch Zukauf von Heugras auszugleichen, und die Fütterung wird außerdem durch regelmäßige Verwendung von Schrot, Kleie und Oelkuchen aufgebeſſert. Dementſprechend iſt auch die Viehhaltung eine ziemlich ſtarke, indem ſich pro Hectar etwa 750 Pfd. lebend Gewicht berechnen. Auch die Fütterung, Einſtreu und Düngerproduction erweiſen ſich ſowohl nach allgemeinen Beurtheilungs⸗ gründen, wie nach den ſpeciellen Berechnungen in den Anlagen, als genügend. Künſt⸗ liche Düngemittel kommen nur ausnahmsweiſe zur Verwendung, ungeachtet mit Be⸗ ſtimmtheit angenommen werden kann, daß dieſelben, namentlich Phosphate und Chili⸗ ſalpeter, in vielen Fällen ſehr rentabel ſein würden. Der Ackerbau könnte ferner durch tieferes Pflügen, Complettirung der Ackerwerkzeuge und Einführung der Drill⸗ ſaat weſentlich gehoben werden. Der ausgedehnte Spelzbau ſcheint bei den gegen⸗ wärtigen Preisverhältniſſen kaum gerechtfertigt. Auch bezüglich der Düngerbehand⸗ lung, Compoſtbereitung, ſowie Auswahl und Zubereitung des Saatgutes ſind ſicher⸗

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