Teil eines Werkes 
Band 2, Zweiter Theil (1886)
Entstehung
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der Getreidebau zurückgedrängt wird. Wäre daher nicht Weinbau mit den beiden dargeſtellten Wirthſchaftsbetrieben verbunden, ſo würde ſicherlich ein noch höherer Procentſatz Getreide verkauft worden ſein.

Als Endreſultat der Geldrechnung erſcheint in den 2 Wirthſchaften ein weſentlich verſchiedener Betrag als Ueberſchuß. Dieſe Differenz erklärt ſich dadurch, daß der kleine Beſitzer für Arbeitslöhne einen Betrag von 220 Mk. baar verausgabt, während der größere Beſitzer in dieſer Rubrik blos 126 Mk. zu verrechnen hat, da er ſeine Arbeiten zum allergrößten Theil durch ſeine Familienangehörige verrichtet. Bringt man für die zwei Söhne des Letzteren den mittleren ortsüblichen Knechtlohn in Abzug mit 480 Mk., ſowie von dieſen 480 Mk. wieder ab 150 Mk. für Bekleidung, ſo bleibt noch eine Mehrausgabe von 330 Mk., welche an dem Ueberſchuß in Abzug ge⸗ bracht, letzteren auf 473,50 Mk. reduciren würde. Es ſtellt ſich dann das Endreſultat der Geldrechnung mehr in Uebereinſtimmung mit demjenigen des kleinen Beſitzers. Das immerhin noch günſtigere Reſultat des mittleren Beſitzers iſt weſentlich dadurch herbeigeführt, daß derſelbe einen äußerſt ſparſamen Haushalt führt. Der verbleibende Reſtbetrag mit 473,50 Mk. ſtellt dann den Lohn dar, den der Beſitzer und ſeine Frau für ihre Mithülfe in der Wirthſchaft erübrigen. Dieſe Summe erreicht aber kaum die Höhe die ein Knecht⸗ und Magdlohn zuſammen betragen. Ein Knecht und eine Magd, welche ohne alles Vermögen ſind, können alſo nach Ablauf eines Jahres an⸗ nähernd ebenſoviel erübrigen, als der Beſitzer eines Bauerngutes von 10 Hectar. Dem kleinen Beſitzer von 4,77 Hectar bleibt für ſeine perſönlich geleiſtete Arbeit an baarem Gelde nichts mehr übrig und iſt derſelbe auf Nebenverdienſt angewieſen, wenn er überhaupt vorwärts kommen will. Hierbei iſt zu berückſichtigen, daß in der Geld⸗ rechnung nur die ganz unumgänglichen Lebensbedürfniſſe in Ausgabe geſtellt ſind, ſo, daß durch irgendwelche Luxusausgaben, wie Geſellſchaften, Vergnügungen, Wirths⸗ hausbeſuch, das Endreſultat ein anderes werden würde.

Selbſt dieſe verſchwindenden Beträge nach Ablauf des Betriebsjahres, ſtellen ſich in Wirklichkeit unter jetzt beſtehenden Verhältniſſen noch weſentlich niedriger, da die eingeſtellten Verkaufspreiſe der Haupterzeugniſſe nach dem Durchſchnitt der Jahre 187883 in der Gemeinde Bingen berechnet ſind, welcher Ort für Fürfeld in Be⸗ tracht kommt. Dieſe Preiſe ſind jedoch in jüngſter Zeit bedeutend und zwar um 18 20 pCt. bei Weizen, um 10 pCt. bei Roggen und 10 pCt. bei Hafer niedriger gegangen.(Die Durchſchnittspreiſe der übrigen verkauften Producte treffen annähernd mit den jetzt beſtehenden zuſammen.)

Bei Zugrundelegung des effectiven Verkaufspreiſes wird ſich für den Beſitzer des kleinen Taglöhnergütchens ſchon ein Ausfall von 3637 Mk. ergeben, während der mittlere Beſitzer ca. 82 Mk. einbüßt.

Es erhellt aus dieſer Thatſache zunächſt, daß eine weſentliche Einnahmequelle, ſelbſt für den kleinſten Landwirth der Verkauf von Getreide iſt, und daß der Preis deſſelben ein Factor iſt, welcher die Rentabilität ſeines Betriebes ſehr weſentlich be⸗ einflußt.