— 12—
dieſem Modus. Stärker begüterte Leute, welche einigermaßen auf andere Weiſe ſich Credit zu verſchaffen vermögen, ſetzen ſich leider lieber einer wucheriſchen Behandlungs⸗ weiſe aus, als einer Indiscretion. Es iſt dies ein ſehr wichtiger Punct, welcher bei der Erörterung über die Organiſation öffentlicher Creditinſtitute die eingehendſte Wür⸗ digung verdient. Gar manchmal iſt der Wohlſtand einer Wirthſchaft, auch in Fürfeld, durch dieſes falſche Schamgefühl zu Grunde gegangen. Früher war es hauptſächlich ein Handelsmann und Geldverleiher, der in Wechſeln machte. Nachdem derſelbe aber raſch ein ſehr beträchtliches Vermögen erworben, iſt er nach einer größeren Stadt ver⸗ zogen. Es wird behauptet, daß hierdurch dieſe Verhältniſſe ſich gebeſſert hätten. Auch die Wiedereinführung der Wuchergeſetze und das Bekanntwerden beſtrafter Wucher⸗ fälle hat offenbar günſtig gewirkt. Amortiſationsfriſten werden nicht angewendet.
Frage VII.
a. Wie ſtehen im Allgemeinen die Arbeits⸗ und Geſindelöhne in der Gemeinde, genügt die ortsanſäſſige Bevölkerung zur Beſtreitung der landwirthſchaftlichen Arbeiten oder ſind fremde Arbeiter nöthig und woher kommen letztere?
b. Iſt für die landwirthſchaftliche Bevölkerung Gelegenheit zum Nebenverdienſt vorhanden, event. haben dieſe Nebenverdienſte(Arbeiten im Wald, Hausinduſtrie, Fabrikbetriebe, Fuhrweſen ꝛc.) eine beſondere Bedeutung für den Wohlſtand der Landwirthſchaft treibenden Bevölkerung und der Gemeinde im Allgemeinen?
c. Gibt es Landwirthe in der Gemeinde, die mit Rückſicht auf den Umfang und die Rentabilität ihres landwirthſchaftlichen Betriebes an ſich auf Nebenverdienſt und Tagelöhnerarbeit angewieſen wären, ſolche Arbeiten aber aus Standesvorurtheil, Trägheit ꝛc. nicht ausführen?
a. Die ortsanſäſſige Bevölkerung genügt vollkommen zur Beſtreitung der land⸗ wirthſchaftlichen Arbeiten. Es liegt in der Natur des landwirthſchaftlichen Betriebes, daß derſelbe nicht zu allen Jahreszeiten conſtante Beſchäftigung bietet. Manche Ar⸗ beiter ſuchen ſich daher während des Winters mit allerlei Nebengeſchäften, wie z. B. Strohſohlen⸗, Sieb⸗ und Wetzſteinfabrikation zu beſchäftigen. Außerhalb ſucht Niemand Beſchäftigung, es hält ſich im Ganzen das Angebot und die Nachfrage nach land⸗ wirthſchaftlichen Arbeitern ſo ziemlich die Waage. Die Lage der Taglöhner iſt aber inſofern in letzterer Zeit eine ungünſtigere geworden, als ihnen im Winter nicht ge⸗ nügende Beſchäftigung geboten iſt, trotzdem die Löhne höher gegangen ſind. Insbe⸗ ſondere wirkt hierauf der Umſtand ein, daß jetzt meiſtens alsbald nach der Erndte der Ausdruſch der Frucht durch Maſchinen beſorgt wird, was früher während des Winters durch Handarbeit geſchah. Hierdurch war auch ſelbſt bei langandauerndem ungünſtigem Wetter eine Beſchäftigung möglich.


