——
44
— 13—
c. Gibt es Landwirthe in der Gemeinde, die mit Rückſicht auf den Umfang und die Rentabilität ihres landwirthſchaftlichen Betriebes an ſich auf Nebenverdienſt und Tagelöhnerarbeit angewieſen wären, ſolche Arbeiten aber aus Standesvorurtheil, Trägheit ꝛc. nicht ausführen?
a. Die Taglöhne berechnen ſich pro Tag ohne Koſt: Für den Mann:
im Sommer 1,80 Mk.,
im Frühjahr und Herbſt 1,40„
im Winter 1,20„ Für die Frau:
im Sommer 1 Mk.,
im Frühjahr und Herbſt 80— 90 Pf.,
im Winter 60— 70„
Kleinere Bauern bezahlen mehr, im Frühjahr, Sommer und Herbſt durchſchnitt⸗ lich 1,20 Mk. mit Koſt.
An Geſinde werden bezahlt:
für einen Knecht jährlich 200— 260 Mk., für eine Magd„ 80— 120„
Außerdem erhält der Knecht 1000 Quadratmeter Kartoffelland gedüngt und ge⸗ ackert, die Magd 1 Paar Schuhe und einige Schürzen.
In den größeren Wirthſchaften rechnet man die Koſt pro Jahr:
für einen Knecht auf ca. 220 Mk., für eine Magdd„„ 160„
In den Bauernwirthſchaften ſcheint ſich die Koſt höher zu ſtellen, da dort die Dienſtboten mit der Familie leben, jedoch habe ich keine, irgendwie zuverläſſige An⸗ gaben darüber bekommen können, weil man derartige Berechnungen dort nicht macht. Nach meiner Berechnung(Anlage I ſtellt ſich hier die Koſt pro Jahr:
für einen Knecht auf 275 Mk., für eine Magdd„ 200„
Die ortsanſäſſige Bevölkerung genügt zur Beſtreitung der landwirthſchaftlichen
Arbeiten mehr wie vollſtändig.
d. Gelegenheit zu Taglohnarbeit geben beſonders das nahe gelegene, 2200 Morgen
große Gut Wickſtadt, welches im Sommer etwa 100 Arbeiter beſchäftigt, der Wick⸗ ſtädter und Florſtädter Wald, in welchem ca. 60 Arbeiter durch 3 Wintermonate
Holz ſchlagen, ſowie das Braunkohlenbergwerk bei Oſſenheim, in welchem das Jahr
durch ca. 15 Perſonen Arbeit finden.
Es iſt jedoch zu bedenken, daß die ſämmtlichen Winterarbeiten für die große Zahl reiner Taglöhner nicht einmal ausreichen.
Von den Gewerbetreibenden haben ungefähr 20 Perſonen Arbeit in Frankfurt a. M., während ihre Familie in Nieder⸗Florſtadt lebt.
1


