Teil eines Werkes 
Band 2, Zweiter Theil (1886)
Entstehung
Seite
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Obwohl es unmöglich war, die Mobiliarſchulden auch nur annähernd mit Sicherheit feſtzuſtellen, ſo unterliegt es doch keinem Zweifel, daß der Perſonalcredit nur zu einem verſchwindend kleinen Procentſatz bei öffentlichen Kaſſen befriedigt wird. Die 3 Vorſchuß⸗ und Credit⸗Vereine in den umliegenden Orten(Reichelsheim, Aſſen⸗ heim und Bruchenbrücken) werden für dieſe Zwecke ſo gut wie gar nicht benutzt, etwas bedeutendere Darlehen ſind beim Mathildenſtift Friedberg und dem Vorſchuß⸗ und Credit⸗Verein Friedberg aufgenommen worden. Der übrige Theil des Creditbedürf⸗ niſſes wird von den beſſer Situirten durch Darlehen auf Schuldſcheine bei Privaten und zum Theil dadurch befriedigt, daß die Geſchäftsleute und Handwerker erſt nach verkaufter Ernte bezahlt werden, worauf man von Neuem wieder borgt. Weniger gut ſituirte Landwirthe verfahren ebenſo, da ſie aber auch nach der Ernte ihre Schul⸗ den bei allen Geſchäftsleuten und Handwerkern nicht abtragen können, ſo kommt es ſehr häufig vor, daß bei einzelnen, die mit der Rechnung nicht drängen, mehrere Jahre nach einander geborgt wird. Iſt eine ziemliche Summe zuſammen, ſo wird ein Handſchein ausgeſtellt und es beginnt die Verzinſung(wahrſcheinlich wohl ſchon eher!). Häufig wird auch noch ein kleines Darlehen von den Geſchäftsleuten dazu entnommen um die Summe abzurunden. Erſcheint der Betreffende dem Ge⸗ ſchäftsmanne ſchließlich für eine ſo hohe Summe nicht mehr ſicher genug, ſo wird die Forderung ausgeklagt und im Hypothekenbuche eingetragen. Es ſind derartige For⸗ derungen für Waaren, Vieh und Darlehen bei Geſchäftsleuten in den letzten 5 Jahren im Hypothekenbuche 39 eingetragen. Auch wurde mir von verſchiedenen Landwirthen dieſe Praxis bei Befriedigung des Perſonalcredits unumwunden eingeſtanden und von ortskundigen Perſonen oben Erwähntes beſtätigt. Hier gehen jedenfalls durch hohe Zinſen ꝛc., zu theuer bezahlte und ſchlechte Waare, Kauf von Waaren ohne wahres Bedürfniß, bloß um dem Geſchäftsmann, bei dem man geborgt hat, einen Gefallen zu thun, und weil die Gelegenheit da iſt, ohne baares Geld zu kaufen ꝛc., bedeutende Summen verloren.

Einſtellvieh iſt nicht vorhanden.

Frage VII.

a. Wie ſtehen im Allgemeinen die Arbeits⸗ und Geſindelöhne in der Gemeinde, genügt die ortsanſäſſige Bevölkerung zur Beſtreitung der landwirthſchaftlichen Arbeiten oder ſind fremde Arbeiter nöthig und woher kommen letztere?

b. Iſt für die landwirthſchaftliche Bevölkerung Gelegenheit zum Nebenverdienſt vorhanden, event. haben dieſe Nebenverdienſte(Arbeiten im Wald, Hausinduſtrie, Fabrikbetriebe, Fuhrweſen ꝛc.) eine beſondere Bedeutung für den Wohlſtand der Landwirthſchaft treibenden Bevölkerung und der Gemeinde im Allgemeinen?

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