Teil eines Werkes 
Band 2, Zweiter Theil (1886)
Entstehung
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wird zum Theil als Vollmilch in der Wirthſchaft verbraucht, zum Theil verbuttert und die Magermilch entweder in der Familie verbraucht, oder zu Handkäſe ver⸗ arbeitet, oder endlich an die Schweine verfüttert. Baares Geld erzielen die Land⸗ wirthe hauptſächlich nur aus dem Verkauf von Weizen(etwas aus Gerſte), Rindvieh und Ferkel.

d. Der ganze landwirthſchaftliche Betrieb kann im Allgemeinen ein rationeller nicht genannt werden. Da die Gewannwege faſt überall fehlen, ſo bindet der Flurzwang die Landwirthe an die Dreifelderwirthſchaft. Auch iſt die Parcellirung (bei den bäuerlichen Beſitzern etwa 10 Parcellen auf 1 Hectar) eine recht beträcht⸗ liche. Die Schwierigkeiten, die hierdurch einer rationellen Bodenbearbeitung und Bewirthſchaftung entgegenſtehen und die daraus reſultirenden Nachtheile ſind be⸗ kannt. Bis vor Kurzem war auch die Näſſe den niedriger gelegenen Ländereien ſehr ſchädlich, dieſer Uebelſtand iſt indeſſen durch die jetzt faſt vollſtändig durchgeführte Drainage beſeitigt. Der dadurch erzielte Vortheil iſt nach dem einſtimmigen Urtheile aller Betheiligten ein ſehr augenfälliger. Aber auch die Ackercultur, ſoweit ſie in der Hand des Einzelnen liegt, iſt über das Alte noch faſt nicht hinausgekommen. Bodenbearbeitungsgeräthe beſſerer Conſtruction habe ich nur in den wenigen größeren Wirthſchaften bemerkt. Tiefcultur und künſtliche Düngemittel ſind auch nur hier in Anwendung, indeſſen wird der Zuckerrübenbau bald überall den Fortſchritt fördern. Die Düngerwirthſchaft ſteht mit wenig Ausnahmen auf einer ſehr niedrigen Stufe. Zum Theile läuft die Jauche aus den Viehſtällen ſchon fort, zum Theil fließt ſie, vereint mit dem von den Gebäuden rieſelnden Regenwaſſer, von der Düngergrube aus in die Straßenrinnen, nachdem ſie noch vorher den in ihr ſchwimmenden Stallmiſt ausgelaugt hat. Die Düngergruben ſind meiſt bis zum Rande voll, jeder Regen, jede neue Quantität Stallmiſt, welche aufgebracht wird, macht ſie überfließen, ja nicht ſelten ſieht man ſogar, daß Rinnen beträchtlicher Tiefe, die ſich wohl im Laufe der Zeiten gebildet haben, da man doch an eine abſichtliche Herſtellung nicht denken darf, das Ausfließen erleichtern. Bei alledem iſt den Landwirthen der Werth der Jauche durchaus nicht unbekannt.

Dem Futter⸗ und Hackfruchtbau, für welchen der Boden ſo ausgezeichnet paßt, wird allerdings ziemliche Aufmerkſamkeit zugewendet, ſo daß über des Ackerlandes mit Klee und Hackfrüchten bebaut iſt.

Für die Viehhaltung iſt von großem Nachtheile, daß die bäuerlichen Beſitzer faſt gar keine Wieſen haben. Von den 162,2 Hectar Wieſen der Gemarkung ſind 89,3 Hectar Beſitzthum der Gemeinde und ca. 45 Hectar gehören den wenigen größeren Beſitzern, ſo daß für die bäuerlichen Grundbeſitzer nur rund 27 Hectar übrig bleiben. Bei ihnen verhalten ſich die Wieſen zum Ackerland ungefähr wie 1: 10. Allerdings bekommt jeder Ortsbürger von ½ Hectar Gemeindewieſen das Heu. Wenn auch Ge⸗ legenheit geboten iſt den Bedarf an Wieſenheu durch Zukauf zu decken, ſo verſchlingt daſſelbe doch alljährlich einen bedeutenden Poſten Baargeld, beſonders da durch Käufer aus Nachbargemeinden, in denen zum Theil noch bedeutend weniger Wieſen vorhanden