Teil eines Werkes 
Band 2, Erster Theil (1886)
Entstehung
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Die Viehhaltung iſt gering, aber im zunehmen. Auf 1 Hectar ca. 0,85 Stück Rindvieh von annähernd 500 Pfd. Lebendgewicht. Race: Vogelsberger und Berner Kreuzung. Geſpannarbeit wird vorherrſchend mit Kühen und Rindern, auch mit Ochſen, ſeltener mit Pferden beſorgt.

Kraftfutter wird äußerſt wenig gekauft, die durch das Vermahlen der Brodfrucht, Gerſte und Korn, gewonnene Kleie, auch der Hafer an das Rindvieh verfüttert.

Die Anwendung künſtlicher Dünger iſt nahezu unbekannt. Intenſiv betriebene Wirthſchaften gibt es in Beuern nicht.

Frage II.

a. Wie iſt das Verhältniß der Größe der Gemarkung zur Größe der anſäßigen Landbau treibenden Bevölkerung?

b. In welcher Weiſe vertheilt ſich das landwirthſchaftliche Gelände unter die anweſende Bevölkerung(todte Hand, Großgrundbeſitz, Groß⸗, Mittel⸗, Klein⸗Bauern, Taglöhner und Gewerbtreibende) und ſind in den letzten Jahren weſentliche Aenderungen in der Beſitzvertheilung eingetreten?

c. Iſt die Beſitzvertheilung im Allgemeinen als eine günſtige zu bezeichnen, wenn nicht, wodurch giebt ſich die behauptete ungünſtige Ver⸗ theilung zu erkennen, welche Umſtände haben letztere veranlaßt, z. B. das geltende bäuerliche Erbrecht, die üblichen Syſteme des ehelichen Güterrechts oder der Zuſammenkauf von Grundſtücken?

d. Iſt ein Theil der Gemarkung Allmendland und welchen Einfluß hat die Benutzung des letzteren auf die Lage der Bevölkerung?

a. Die Größe der Gemarkung umfaßt eine Fläche von 604 Hectar, die Zahl der Haushaltungen mit Landwirthſchaft 175, mithin würden durchſchnittlich 3,55 Hectar auf eine Haushaltung kommen. Dieſe Fläche wird noch kleiner durch die verhältniß⸗ mäßig großen Flächen von wüſten Grundſtücken oder Theile von Grundſtücken, die mit Dornen und Gebüſch bewachſen ſind, durch große Flächen, die durch Steinbrüche weggenommen ſind. Alle dieſe Flächen ſind als Ackerland IV. Bonitätsklaſſe einge⸗ tragen und mögen eine Fläche von 50 Hectar oder mehr umfaſſen. Eine genaue Schätzung iſt unmöglich. Daß die bauwürdigen Aecker⸗ und Wieſenflächen der Be⸗ völkerung nicht genügen, geht daraus hervor, daß von 175 Landwirthſchaft Treibenden 126 nebenher Taglöhner ſind oder Handel⸗ und Gewerbtreibende. Viele andere laſſen außerdem ihr Gelände ausſtellen und beſitzen gar kein Geſpannvieh. Ausreichend mit Landwirthſchaft beſchäftigt ſind nur die, welche 68 Hectar wirkliches Culturland bewirthſchaften.

b. Aus der Beantwortung der Frage VIII ergiebt ſich die Vertheilung des Grundbeſitzes. Großgrundbeſitz exiſtirt nicht. In der todten Hand befinden ſich ca. 30 Hectar, die verpachtet ſind.