Teil eines Werkes 
Band 2, Erster Theil (1886)
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10 Jahren ziemlich ſchuldfrei übernommen, während der des Gutes II ſchon bei der Gutsübernahme mit Schulden belaſtet wurde. Beide ſind aber in ihren wirth⸗ ſchaftlichen Verhältniſſen zurückgegangen. Bei Gut I hat entſchieden die häufige Kränklichkeit des Beſitzers auf dieſen Rückgang beſchleunigend eingewirkt, bei Gut II hat aber die größte Sparſamkeit und Regſamkeit nicht vor dem wirthſchaftlichen Rückſchritt bewahren können.

1 Beſitzſtand⸗Nachweis, beſtehend aus den Nachweiſen über den Werth von Grund und Boden, Gebäudekapital, Inventarkapital(todt und lebend) und umlaufendes Betriebskapital(Vorrath).

Das Verhältniß der einzelnen Betriebskapitalien zum Grundkapital ſtellt ſich wie folgt:

Größeres Gut:

Das Gebäudekapital beträgt 90 pCt. vom Grundkapital. Das Inventarkapital 24,5 pCt. Das umlaufende Betriebskapital beträgt 6,9 pCt. vom Grundkapital.

Kleineres Gut:

Das Gebäudekapital beträgt 126 pCt. vom Grundkapital Das Inventarkapital 58 Das uml. Betriebskapital 13

Es geht hieraus hervor, daß die Gebäude⸗ und Betriebskapitalien in Burkhards (und wohl im ganzen Vogelsberg) ſehr weſentlich über den als normal angenommenen ſtehen. Es iſt dieſe Erſcheinung in den niedrigen Bodenpreiſen, dem rauhen Klima und in der Verlegung des Schwerpunktes der Wirthſchaften einſeitig auf die Vieh⸗ zucht begründet.

II. Naturalrechnung, beſtehend aus den Nachweiſen über Naturalertrag und Naturalbedarf nebſt Schlußfolgerungen.

Die Aufſtellung der Naturalrechnung zeigt, daß ihre Reſultate von der weit⸗ gehendſten Bedeutung mit Bezug auf die Beurtheilung der Wirthſchaftsorganiſation iſt. Aus den diesbezüglichen Berechnungen der beiden Güter und unter Vergleichung der Geldrechnung geht hervor, daß der Schwerpunkt in Burkhards einſeitig auf die Viehhaltung gelegt werden muß, daß aber auch bei der Viehhaltung ein einziger Fehler ein vollſtändig ungünſtiges Wirthſchaftsreſultat zur Folge hat. Es zeigt ſich nämlich bei der Vergleichung der beiden bez. Rechnungen, daß in Gut I der Dünger 77 ½ Pf., in Gut II 40 ½ Pf. pro Centner zu ſtehen kommt. Es erklärt ſich dieſer auffällige Unterſchied in der Rentabilität der Viehhaltung der beiden Güter dadurch, daß bei Gut II der Haltungszweck mit dem Hauptnutzungszweck der gehaltenen Thiere überein⸗ ſtimmt, bei Gut J aber nicht. Gut II hält Vogelsberger Kühe, Gut I ſolche Simmenthaler Kreuzung. Der Haupthaltungszweck iſt in Burkhards Milchproduction, in zweiter Linie Aufzucht. Nun kann aber Gut II bei der Haltung ſeiner kleinen Vogelsberger Kühe 4 Stück ernähren, während Gut I nur 6 Stück ſeiner größeren Kreuzungsthiere ernähren kann. Da aber die Milchleiſtung der größeren Kreuzungs⸗ kühe und der kleineren Vogelsberger faſt gleich iſt, ſo muß das Reſultat zu Gunſten

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