Unseren konstitutionellen deutschen Staaten aber müssen wir rathen auf ihrer Hut zu sein. Ja wir vertrauen deren Fürsten daß sie diesen Kongreß nicht besuchen werden. Denn jeder Beschluß desselben, der nicht dem deutschen Vaterland volle Gewähr giebt für seine Freiheit im Innern und nationale Entwickelung zur Macht gegen Außen, stürzt dasselbe, wir sind es überzeugt, in furchtbare Spaltung und unheilbare Zerrüttung;— ja er führt zum Unter⸗ gange des Allen theuern Vaterlandes.
Dr. Bansa.
Wir sind etwas abweichender Ansicht von unserem verehrten Mitarbeiter, jedoch nur in Beziehung auf die Theilnahme der süddeutschen Fürsten. Wenn wir für die Völker das freie Versammlungsrecht verlangen, so wollen wir dies Recht auch den Fürsten nicht wehren; aber wir dürfen auch hoffen, daß gleiche Rechte gleiche Pflichten nach sich ziehen. Deßhalb ersuchen wir unseren verehrten Erbgroßherzog-Mitregenten, der sein Glück darin findet, an der Spitze eines freien Volkes zu stehen und dessen festem Willen wir vertrauen, dem Congresse beizuwohnen; aber vor allen Dingen, und als Bedingung seiner Theilnahme, auf Oeffentlichkeit der Sitzungen desselben anzutragen. Oeffentlichkeit ist jeder berathenden und gesetzgebenden Be— hörde fortan ein nothwendiges Element; in der Oeffentlich⸗ keit liegt auch die wesentlichste Bürgschaft gegen die heim⸗ lich schleichende Reaction. Der Congreß der Fürsten soll über die zur Sicherung nach Außen und zur Förderung des Volkswohles nach Innen nothwendigen Maßregeln be— rathen— aber damit das Volk diese Berathungen und Beschlüsse würdigen könne, müssen sie vollständig zu seiner Kenntniß gelangen, muß es wissen, was Jeder seiner Fürsten in jetziger Zeit denkt und wie er zu handeln gesonnen ist. Offenheit weckt Vertrauen— seid also offen! Berathet öffentlich, wie unsere Kammern, wie unser künf⸗ tiges deutsches Parlament, und bedenket, Ihr gekrönten Häupter Deutschlands, daß die geheimen Conferenzen und Berathungen es waren, die das Mißtrauen in Aller Herzen gesät haben.
Aus der Wetterau. Die standesherrlichen
Bauern des Kreises Hungen haben nun auch nach gepflo⸗
gener Berathung dem Fürsten von Braunfels ihre For— derungen durch eine Deputation ans Herz gelegt, und zu— gleich die Punkte bestimmt, deren Abhülfe oder Förderung sie von unsrer Regierung erwarten. Sie haben diese letz— tern in einem Schreiben an Gagern niedergelegt, der früher ihr Deputirter war; indem sie ihre Freude aussprechen daß der Mann des Volks Minister geworden, geloben sie in Eintracht mit ihm auf der Bahn der Ordnung und Freiheit muthig voranzuschreiten. Ihr Verlangen aber ist: Selbständigkeit der Gemeinden, Beschränkung der Ge—⸗ walt der Kreisräthe, Besorgung der theueren Geschäfte des Kreisboten durch den Ortsvorstand, Abschaffung der Decanatsrechner und Ueberweisung des Kirchenfonds an die Gemeinden, Aufhebung des Brenngesetzes, ein neues
Forst⸗ und Feldstrafgesetz, gleichmäßige Besteuerung des Einkommens, und demzufolge Ermäßigung oder Aufhebung andrer Abgaben, wie des Stempels. Andre Orte senden Deputationen nach Darmstadt oder Petitionen an die Kam— mer; wenn auch hie und da bei der politischen Unerfahren—
heit, in welcher man das Volk seither gehalten hatte, im
ersten Eifer der Mißverstand sich zu einzelnen Exeessen verleiten ließ, bald hoffen wir wird überall ein gesetzlich freies öffentliches Leben gedeihen.
In Berlin haben Cürassiere und Husaren, in Ham⸗ burg die Reiterei der Bürgergarde auf harmloses, unbe— wehrtes Volk eingehauen. Die Wuth des stehenden Heeres in der preußischen Hauptstadt soll nicht größer gewesen sein, als die des Bürgermilitärs in der Handelsstadt. Wir kennen das Recept, um eine solche Wuth künstlich hervorzubringen und theilen es mit. Man lasse die Caval⸗ lerie drei Stunden lang im Casernenhofe aufsitzen, die In— fanterie vier Stunden lang Gewehr bei Fuß stehen und gebe dann das Zeichen zum Angriff;— die Truppen werden mit gränzenloser Wuth über ihre eigenen Brüder herfallen und dieselben morden. Das Reeept ist probat;— es wurde früher schon in Paris und diesmal in Berlin und Hamburg angewandt;— wie man sieht, mit dem glücklichsten Erfolge.
In Nassau macht das Volk von seiner frischerrunge⸗ nen Freiheit guten Gebrauch. Allsonntäglich finden in den Städten Versammlungen der Bürger und Bauern statt, auf welchen über die Angelegenheiten des Vaterlands be— rathen wird, damit das Gutachten des Volks über das neue Wahlgesetz, über die Gemeindeordnung, über Volks⸗ wehr und Kirchenverfassung den Ständen vorgelegt werde. Diese von unten aufsteigende demokratische Organisation wird den Bau des neuen Staates dauernd begründen.
In Braunfels hat der Fürst den Bauern aus dem Preußischen, die in Masse vor sein Schloß gezogen waren, Zehnten und andere Gefälle nicht abgelöst, sondern ganz erlassen; die hessischen Wetterauer, die durch eine kleine Deputation Zehntablösung für den achtzehnfachen Betrag und Betheiligung des Fürsten an den Gemeindelasten er— baten, hat er nicht einmal vorgelassen, sondern sie an die Commission ihres Ministers verwiesen. Mögen sie fest und nachdrücklich beharren, und zu einem glücklichen Ziele kommen, damit nicht das Volk die gefährliche Lehre über die Vorzüge des Gewaltwegs vor dem Rechtswegs lerne, die hier ein Standesherr gegeben hat!
Der Commandant von Marienschloß soll seine Sol— daten nicht auf die Verfassung vereidigt, sondern in einer Anrede gesagt haben, er hoffe, daß die Soldaten die Liebe und Treue, welche sie dem Großherzoge gewidmet, um so mehr auf den Erbgroßherzog übertragen würden, als eine Rotte Verworfener die bestehenden Gesetze umgestoßen habe.


