Ausgabe 
4.1.1851
 
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Auskunft gibt? O, er wird mit Sack und Pack zu ihm überlaufen! Denn die Harmonie, welche gegen⸗ wärtig in so himmlischen Accorden zwischen Gotha und Dresden erklingt, darf nicht gestört werden!

Nach der Interpellation Hoffmann's wird ein An⸗ trag Lehne'sdie Versammlu ng, welche durch eine Ordonnanz, also dem§ 110 der Verfassung zuwider, berufen worden sei, verfassungsmäßige Rechte auszu⸗ üben, wozu sie nicht das geringste Recht habe, möge sich für incompetent erklären, verlesen und in die Abtheilungen verwiesen. Ich finde mich vielleicht bald in den Stand gesetzt, Ihnen diesen sehr gemäßigt ge⸗ haltenen, aber auch für einen Gothaer sehr deut⸗ lichen Autrag mitzutheilen.

Wahl der Ausschüsse. Der Finanzausschuß besteht aus den Herren: Müller⸗Melchiors, Draut, Kraft von Dieburg, Kraft von Gießen, Volhard, Zöppritz, George; der Legitimationsausschuß aus den Herren: Wittmann, Klipstein, Stark, Matty, Reh, Brumhard und Frank aus Darmstadt; der Petitionsausschuß aus den Herren: Lehne, Eich, Ploch, Hillebrand, Kempf.(Dieser Aus⸗ schuß hat, wer sollte es für möglich halten, Hrn. Eich zu seinem Präsidenten ernannt.

Zuletzt kam die Frage aufs Tapet, ob man auf die Thronrede des Hrn. v. Dalwigk eine Adresse er⸗ lassen solle. Hr. v. Rabenau:Das Land erwartet keine Redensarten von uns, sondern Thaten; ich bin gegen eine Adresse.(Im Gegentheil Hr. v. Rabenau: das Land erwartet Redensarten von Euch und keine Thaten!) Hr. Zöppritz trägt darauf an, die Adreß⸗ frage an einen Ausschuß zu verweisen, er ist für den Erlaß einer Adresse, da nur sie allein der Kammer Gelegenheit geben werde, sich über die Politik der Re⸗ gierung auszusprechen. Reh will die Adreßfrage auf morgen verschoben haben; Kraft von Gießen ist gegen eine Adresse, da die hohe erste Kammer wohl im Ein⸗ verständniß mit der Regierung, auch keine solche erlas⸗ sen habe und da er wünsche, daß die zweite Kammer immer Hand in Hand mit der Regierung und der hohen ersten Kammer gehen möge.(Wie nur der Mann auf einmal so zahm geworden ist?! Hat er dann ganz die Gut⸗ und Blut⸗Reden vergessen, die er in Kassel gegen Alle, welche die Reichsverfassung anzutasten sich unterfangen würden, geschleudert hat?)

Der Antrag Rabenau's wird mit großer Mehr⸗ heit angenommen. Die Linke stimmte mit der Rechten. Morgen Vortrag des Kriegsministeriums. Geld, Geld und abermals Geld!

7 Rassel. Regulativ für die Verpflegung der s. g. Vundes-Executions⸗Truppen. Die Stärke der Por⸗ tionen für Tag und Mann ist in folgender Weise festgesetzt:

1) Zum Frühstück: eine nahrhafte Suppe.

2) Zum Mittagsessen: eine nahrhafte Suppe, Ge⸗ müse, ½ Pfund Fleisch, dann einen Schop⸗ pen Bier.

3) Zum Abendessen: Suppe, ½ Pfund Fleisch und einen Schoppen Bier; statt des letzteren, je nach dem Verhältnisse der Orts, ½ Schop⸗ pen Wein oder ½ Kännchen Branntwein. Die tägliche Brodportion beträgt Pfund oder für jede der drei Mahlzeiten ½ Pfund.

Hierzu kommt, daß viele auch noch die Löhnung entrichten müssen. Was wird der Bürger der Ruhe und Ordnung dazu sagen, der Freischaaren in dem Quartier hatte.

Wiesbaden, 20. Jan.(Fr. Z.) ein Jubelfest weniger an der Zeit, als am 18. in Preußen auf allerhöchsten Befehl gefeiert wurde. Die 150jährige Feier des Krönungsfestes brachte demselben Ministerpräsidenten, dem Preußen es zu danken hat, daß seit dem 16. die Oesterreicher jen⸗

Wohl nie war dasjenige, was

seits der Elbe stehen, den rothen Adlerorden erster Klasse mit Eichenlaub, Krone und Scepter.Dem Verdienste seine Krone! singt der Dichter. Die Ge⸗

rüchte leichtfertiger Blätter von der Sistirung des k. k. Truppenmarsches dürften sich nicht bestätigen, schreibt dieN. Sächf. Ztg. zur Unterstützung der Berichte, daß dem nach Holstein rückenden Corps noch ein zwei⸗ tes von 40,000 Mann folgen werde, um bis Ende Februars an der unteren Elbe zu stehen. Rußland ver⸗ langt in Dresden Vernichtung alles dessen,was seit drei Jahren dem Boden der Revolution entsprossen; um dies radikal auszuführen, bedarf es der Sicherheit wegen einer österreichischen Armee von 80,000 Mann in Nordwestdeutschland. Die Preußen müssen den Oesterreichern die Schiffbrücken zu ihren Uebergängen über die Elbe zimmern: so feiert Oesterreich das preußi⸗ sche Jubelfest!

Nürnberg, 18. Jan.(Fr. Kr) In einer kürzlich eingereichten Denkschrift des bayerischen Episkopats an den König heißt es:Gab es je eine Zeit, welche der Kirche gebieterisch die Pflicht auflegte, durch Ver⸗ eine und Klöster nach allen Richtungen hin zu wirken, so ist es die unsrige, in welcher durch das Vehikel der Association so viel zur Zerstörung gearbeitet wird; daß die Kirche durch christliche Association das Ihrige thue, ist im wohlverstandenen(20 Interesse des Staates gleich sehr gelegen, und sie wird letzterem gewiß hin⸗ reichende Garantie bieten, daß politisch gefährliche Ten⸗ denzen in ihren Genossenschaften nicht aufkommen und von ihr selbst am entschiedensten und wirksamsten zu⸗ rückgewiesen werden. Wir werden also allerdings für die Folge Associations- und Vereinsrecht haben, aber für die Pfaffen und Mönche und ihre noblen Zwecke!

Leipzig, 15. Januar. Aus St. Petersburg und Warschau sind Buchhändlerbriefe eingetroffen, welche das Eintreffen einer mehr als chinesischen Sperre mel⸗ den. Die russische Regierung hat ihre Maßregeln ge⸗ gen den Eingang ausländischer Bücher so verstärkt, daß die Buchhandlungen Rußlands und Polens sich außer Stand sehen, künftig noch Novitäten aufzuneh⸗ men. Die Bücherballen gehen jetzt vom Zollhause dire t auf die Censur, wo sie Stück vor Stück durchgesehen werden. Auf wiederholten Empfang mißliebiger Schrif⸗ ten stehen Schließung des Geschäfts, unerschwingliche Geldstrafen u. s. w. bei den Buchhändlern, die sich daher jede Zusendung verbitten. Rußland scheint in Zukunft seinen Novitätenbedarf aus China beziehen zu wollen, wenn die dortigen Schriften nicht etwa auch noch zu revolutionär sind. Und die Volksaufklärung wie in Rußland ist das Ideal unserer leitenden deutschen Staatsmänner!(Fr. Z.) 5

4* Berlin, 19. Jan. Wir können uns nicht ver⸗ sagen, einige Einzelheiten von dem gestrigen Jubel⸗ Bankett zu erwähnen. Se. Majestät hielt wieder eine

große Rede, in welcher er vom wankenden Thron, von dem schrecklichen Jahre 1848 und von anderem mehr

sprach. Zuletzt forderte er die Gäste auf, drei tüchtige Züge zu thun, einen auf die Vergangenheit, einen auf

die Gegenwart, einen auf die Zukunft,über die er