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Oesterreich will, und das muß man ihm lassen, neben der Erreichung anderer Zwecke, mit seinen Schutzzöllen doch auch die Industrie emporbringen; Preußen will mit seiner Handelsfreiheit, neben andern Zweckeu, die
Industrie herabdrücken. Beide werden ihre Zwecke verfehlen: Oesterreich wird die
In dustrie nicht emporbringen und Preußen dieselbe nicht niederdrücken, wie wir im fol⸗ genden Artikel nachweisen wollen.
Tagesneuigkeiten.
Gießen, 22. Januar. Laut Bekanntmachung des Präsidenten des Cassationshofes beginnen die Assisen der Provinz Oberhessen am 10. Februar und ist Herr H.⸗G.⸗Rath Schäfer zum Präsidenten und H.⸗G.⸗Nath Krug zum Stellvertreter bestimmt worden.
Bei der gestern stattgefundenen Ziehung der Ge⸗ schworenen sind nachfolgende Namen aus der Urne hervorgegangen:
J. Hauptgeschworne. 1. v. Schenk zur Schmitte in Lehrbach; 2. Weith, Heinrich II., Brandweinbrenner von Niederwöllstadt; 3. Geiß, Konrad, Landwirth v. Stammheim; 4. Schlitt, Johannes II., Landwirth von Leusel; 5. Neidhard, Alexander, Revierförster von Wallau, dermalen in Biedenkopf; 6. Wehrheim, Johannes III., Landwirth von Rodheim; 7. Wege, Johannes I., Landwirth von Herzhausen bei Biedenkopf; 8. Uhl, Adam III., Land⸗ wirth in Unterschmitten; 9. Ulrich, Georg, Landwirth in Langenbergheim; 10. Bär, Heinrich, Brand⸗ weinbrenner von Aulendiebach; 11. Kaspar, Heinrich, Oeconom von Zell; 12. Schneider, Johannes II., Land⸗ wirth von Unterwiddersheim; 13. Seibold, Johannes, Landwirth von Niedereschbach; 14. Roth, Heinrich,
Oeconom von Kefeuroth; 15. Zulauf, Heinrich I.,
Bürgermeister von Eudorf; 16. Lehrbach, Graf, in Lehrbach; 17. Stiehl, Georg, Ackermann von Alten⸗ lotheim; 18. Walther, Philipp II., Landwirth in Langd; 19. Knoche, Karl Friedrich, Landwirth von Marien⸗ hagen; 20. Burk, Johannes, Bürgermeister von Sin⸗ kerhausen; 21. Reichard, Konrad, Landwirth von Ra⸗ bertshausen; 22. Beyer, Heinrich, Fabrikant von Freienseen; 23. Sonnemann, Georg, Kreisbaumeister in Biedenkopf; 24. Roth, Emil, Buchhändler in Gießen; 25. Jung, Heinrich, Landwirth von Wölfersheim; 26. Völzing, Christian J., Landwirth von Fulda; 27. Köster, Karl, Steuercommissär von Vöhl; 28. Dieffenbach Dr. Ernst, Professor in Gießen; 29. Zinser, Karl, Physi⸗ katswundarzt in Gladenbach; 30. Schwalb, Daniel II., Ackermann in Großenbuseck. II. Ergänzungsgeschworne.
1. Wallenfels, Christian, Bäcker; 2. Heichelheim, Salomon, Kaufmann; 3. Asmus, Balthasar, Wein⸗ händler; 4. Nebel Pr., Geheimerath und Professor; 5. Stürz, Groß. Hofgerichts⸗Secretär; 6. Hirsch, Moritz, Ellenwaareuhändler; 7. Kempf, Friedrich, Post⸗ halter; 8. Noll, Johann Balthasar, Kaufmann; 9. Engelbach, Konrad, Hofgerichts⸗Registrator, sämmtlich von Gießen. f
7 Gießen, 22. Jan. Nach einer brieflichen Mit⸗
theilung, welche an einen hiesigen Studirenden von Mainz aus angelangt ist, befindet sich unser Freund Kupferberg seit einigen Tagen auf freiem Fuße und hält sich bei seinen Angehörigen in Mainz auf. Derselbe soll unter der Bedingung, daß er Deutschland verlassen, seiner Haft in Bruchsal entledigt sein.(Be⸗
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stätigt sich obige Nachricht, dann würde es uns sehr freuen, wenn wir sobald als möglich unserem treuen Freund Glück wünschen könnten. D. Red.) Darmstadt, 19. Jau. Ministerpräsident v. Dal⸗ wigk wird nach der O. P. A. Z. höchstens 3 Wochen hier bleiben und daun nach Dresden zurückkehren. Der⸗ selbe Korrespondent(der von Hrn. Breidenbach desa⸗ vouirte Halbmond!) meint, die demokratische Partei habe sich wohl definitiv um zwei Mitglieder verstärkt (Volhard und Zöppritz), die sich, wie es schiene, haupt⸗
sächlich deßwegen zu den Gothaern gehalten haben, um
Letztere möglichst zur Demokratie überzulenken.— Daß
es unter den Gothaern zwei Männer geben konnte,
welche zu ehrenhaft waren, um das gesinnungslose Treiben ihrer früheren Partei länger mitansehen zu können, geht wahrscheinlich nicht in den Kopf des Halbmond⸗Correspondenten, der, wie Hr. Dr. Breiden⸗ bach versichert, nicht Dr. Breidenbach ist!(M. A.)
S Jarmstadt, 21. Jan. Gestern war der große Tag der Rechnungsablage vor den vereinigten Kammern, aber verlangen Sie keinen Rapport von mir über diese verrechneten Millionen, deren bloße Aufzählung nicht weniger als zwei volle Stunden währte, so daß wir alle, nach Vollendung derselben zu uns sagen mußten:
„Es wird mir von all' dem so wüst und dumm,
Als ging mir ein Mühlrad im Kopf herum.“
Nur so viel kann ich Ihnen einstweilen vertrauen, daß unsere musterhafte Regierung in all ihren Unter⸗ nehmungen die brillantesten Ersparnisse hat eintreten lassen— dergestalt, daß selbst die Main⸗Neckar⸗Eisen⸗ bahn, über deren kostspieligen Bau man sich früher so sehr scandalisirte, über alle Maßen wohlfeil, jeden falls wohlfeiler, als die badische Bahn, dle freilich sehr bedeutende Terrainschwierigkeiten zu überwinden hatte, ausgefallen ist. Wäre nur das ewig verdammte Jahr 1848 nicht gewesen! O dann würden wir jetzt schwim⸗ men im Schmalz des Wohlstandes und der Glückselig⸗ keit und nicht nur keine Staatsschulden mehr haben, sondern sogar Staatskapitalisten geworden sein! Aber so wie die Sachen, Fluch dem verdammten Jahr
1848, jetzt stehen, müssen die Steuern erhöht werden,
um die verschiedenen Defizite zu decken, wie dies der Herr Finanzminister gestern der 2. Kammer, nachdem die gemeinschaftliche Sitzung zu Ende war, mit lächeln⸗ der Miene verkündtgt hat.—
In der heutigen Sitzung wurde der 2. Kammer, nach Verlesung der Protokolle, verkündet, daß die hohe J. Kammer, Sr. Erlaucht den Grafen Otto von Solms⸗ Laubach zu ihrem Präsidenten ernannt habe; die übri⸗ gen Mitglieder des Bureaux sind Bürgerliche, was von einer so hochgefärbten adelreichen Kammer viel heißen will. Dann wurde die famose Petition von Purgold, die Verjüngung des deutschen Rechts- wesens durch Vermittlung der Centralgewalt, selig, betreffend, welche nun schon dreimal die Linie passirt hat, abermals verlesen.— Hofmann aus Fried⸗ berg, der Schweigsame genannt, scheint mit dem Schweigsystem definitiv gebrochen zu haben. Er hat nicht nur bei Gelegenheit seiner Wahl zum zweiten Vicepräsidenten eine Rede gehalten, wie wir aus dem heute verlesenen Protokoll vernahmen, sondern er hat auch heute das Ministerium, mit welchem er indessen immer stimmt, wegen seines angeblichen Planes, die katholische Fakultät von Gießen nach Mainz zu verlegen, gar ritterlich interpellirt. Was wird Herr Hofmann thun, wenn das Ministerium keine genügende


