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nur sage, daß ihr Gott sein Gedeihen geben solle.“— Darauf forderte er den Gesandten von England, von Rußland und von Oesterreich(), dessen Monarchen seine drei besten Freunde seien, auf, mit ihm zu trin⸗ ken; zuletzt winkte Se. Majestät sogar dem kleinen Manteuffel, und stieß mit ihm in seligster Laune an. Prosit!
Rendsburg, 17. Jan. Einen traurigen Anblick boten heute die Gassen Rendsburgs dar. Der Menschen erblickte man genug, der heiteren und frohen gar keine, und nur die helle Musik, welche durch die Straßen er⸗ klang, tönte wie gewöhnlich in heiterer Weise. Die ersten Bataillone(das 10., 12. und 13.) und zwei Batterien der noch bestehenden, aber auf dem Rück⸗ zuge begriffenen schleswig⸗holsteinischen Armee zogen durch die Stadt gegen Süden, ihren neuen Bestim⸗ mungs⸗ und Auflösungsorten entgegen. Es war ein eigenthümlicher Anblick, diese Massen zu sehen; kein Laut war unter ihnen zu hören, kein Mund rührte sich, und nur das klagende Auge, das schmerzliche Zucken des Mundes verkündeten Leben. Im schleswig⸗ holsteinischen Freiheitskampfe sah ich manchen Rückzug unserer Armee, den von Bau, Fridericia und Idstedt, kein Rückzug aber war so ergreifend, wie dieser. Nicht eine geschlagene, sondern eine kampfgerüstete, Nicht eine entmuthigte, sondern eine nach dem Kampf sich sehnende, nicht eine dem überlegenen Feinde weichende, sondern eine der feindlichen Armee gleiche zieht sich auf Freundes Befehl zurück, ohne zu wissen, was sie errungen und erstritten mit all dem Blute, welches sie auf den Schlachtfeldern ließ, mit all der Ehre, die sie hier und dorten erkämpft haben soll. Es ist das Schwerste, welches dem Soldaten geboten wird, sich der Schneide der Diplomatie zu beugen, ohne auch nur das geringste Resultat seines Strebens zu ersehen, im Gegentheil sich sagen zu müssen, daß so vieles verloren gegangen. f(B.⸗H.)
Kiel, 17. Jan. Heute rückte das 7. Linienba⸗ taillon hier ein, Trauerflor an den Fahnen. Das Bataillon marschirt morgen weiter nach Plön.
Kiel, 17. Jan. Ueber die heutige letzte Sitzung der Landesversammlung theilen wir Nachstehendes mit: Dr. Fock beantragte, den Beschluß der Versammlung, daß die unterm 10. Dechr. v. J. beschlossene Außer⸗ kraftsetzung verschiedener Artikel des Staatsgrundgesetzes statt am 10. März, mit dem Eintritt einer neuen Re⸗ Airde aufhören möge. Wiewohl dagegen angeführt wurde, daß mit der Einstellung der Feindseligkeiten jene Außerkraftsetzung schon von selbst eingetreten sei, so trat die Versammlung doch dem gestellten Antrage bei. Als schließliches Geschäft wurde sodann die Schlußberathung und fernere Abstimmung über das Finanz⸗Budget vorgenommen und beendet. Die vom Finanzdepartement in Vorschlag gebrachten Aus⸗ gaben wurden, mit geringfügigen Ausnahmen, sämmt⸗ lich bewilligt, und zuletzt wurde noch der für das Jahr 1851 in Antrag gebrachten Einkommensteuer die Zustimmung der Versammlung gegeben. Nach Been⸗ digung dieser Abstimmung verlas der Departementschef des Junern das Patent, in Gemäßheit dessen die Ver⸗ sammlung vertagt wurde. D. Lafaurie begehrte
darauf noch das Wort. Der Präsident bemerkte, daß
er, da die Verhandlungen geschlossen seien, keinem Ab⸗
geordneten mehr das Wort geben könne, und D. La⸗ faurie begnügte sich mit dem lauten Ausrufe, daß er gegen die Vertagung protestire. Der Präsident schloß die Sitzung mit einigen kurzen Worten, und schweigend und in dumpfer Stimmung schied die Versammlung.
Paris, 18. Jan. Alle Berichte stimmen darin überein, daß Hr. Thiers ganz ausgezeichnet gegen das Ministerium gesprochen hat. Er rief der Versamm⸗ lung: zu wenn Sie jetzt nicht gegen das Ministerium stimmen, so haben Sie das Kaiserreich. General Ca⸗ vaignac warnte vor Wiederherstellung des Königthums. Sollte dies aber geschehen, so werde dies für ihn und seine Freunde nur das Vorspiel einer neuen Revolution sein(große Bewegung). Es gebe nut zwei Parteien, eine repulikanische und eine monarchische; man möge nun seine Wahl treffen. Herr Barroche konnte nur matt diesen Angriffen erwidern. Zuerst wird nun über das Saint⸗Beuve'sche Amendement abgestimmt, welches lautet:„Die Versammlung erklärt, daß sie kein Vertrauen zu dem Ministerium hat, und geht zur Tagesordnung über“. Dieser Antrag wird mit 417 Stimmen gegen 278 angenommen. Ungeheure Aufregung folgte der Bekanntmachung dieses Resultates. Die Ungewißheit der Lage ist groß, Nie⸗ mand weiß wie es enden wird.(Wir lassen nun den Juhalt einer telegr. Dep. des Frkf. Journ. vom nächsten Tage hier folgen.)
— Den 19. Louis Napoleon hat die Demission des Ministeriums, welches in Folge des gestrigen Votums der Nationalversammlung zurücktreten wollte, nicht angenommen. Das Ministerium bleibt. Die Minorität, welche in der gestrigen Sitzung der Na⸗ tionalbersammlung für das Ministerium gestimmt, wird morgen eine Versammlung halten, um über das Verfahren, welches nunmehr zu beobachten sei, zu be⸗ rathen. Die Herren Odilon Barrot und Mols ent⸗ hielten sich der Theilnahme au der gestrigen Abstim⸗ mung. Die Herren Broglie, Faucher, Lamartine stimmten gegen das Sainte⸗Beuve'sche Amendement. Es ist das Gerücht im Umlauf, die Majorität, welche sich gestern gegen das Ministerium erklärt hat, werde dem General Lamoricière das Commando über die
Truppen übertragen, welchen der Schutz der National⸗
versammlung anvertraut würde.
Turin, 11. Jan. Der König versammelte gestern
seine Minister um sich und berieth mit ihnen, wie es
heißt, das Verhalten bei einigen, die Flüchtlinge be⸗ treffenden Noten, welche in diesen Tagen eingelaufen sein follen. Die Verwickelungen mehren sich, manche Verbindungen mit dem Auslande trüben sich, Intri⸗ guen über Intriguen häufen sich, und das constitutio⸗ nelle Leben zieht sich in die Winterquartiere zurück. Ein ganzer Sack voll Rückschrittsversuche aus Paris, Rom, Florenz und Neapel wird täglich hier er⸗ wartet.(Fr. Z.) f
London, 17. Jau. Die katholische Frage ist der Erisapfel, der das jetzige Kabinet zu sprengen droht. Es wird heute mit Bestimmtheit versichert, daß sich drei Minister, die sich mit ihren Collegen darüber nicht vereinigen können, noch vor Fröffnung des Parlaments austreten würden.
Verantwortlicher Redacteur: C. Sartorius. Druck von M. Merck in Gießen.
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