Ausgabe 
3.1.1851
 
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sie die letzten Münzen im Lande erhalten hat. Auf der andern Seite entledigt sich die Bank ihrer Noten dadurch, daß sie jetzt angefangen hat, verzinsliche öster⸗ reichische Staatspapiere aufzukaufen, wodurch sie in Zinsengenuß kommt, während sie dem Publikum diese unverzinslichen Noten dagegen gibt. Ob die Banknoten⸗ Fabrik von dem Staate überwacht wird? wenn der Staat die Hülfe der Bank braucht, ob man überhaupt nur die Ausgabe beschränkt? und wenn dies auch ge⸗ schähe, zu welchem Zustand wird das Land geführt, wenn am Ende bloß Bankzettel und Staatsscheine cursiren, die das Ausland mit Ekel zurückweist? Nürn⸗ berg hat wohl ein Recht, mit Besorgniß auf diese Finanzoperationen zu blicken, da der Staatsbankerutt Qesterreichs hier wenigstens vier Millionen an öster⸗ reichischem Papiergeld vorfindet.(F. J.)

* Berlin, 29. Dec. Die Deutsche Reform(von

Selig Kassel), das Organ des preußischen Ministeriums,

ist ganz böse über die politischeMißstimmung, welche sich nunmehr selbst der Conservativen bemächtigt haben soll, und platzt in ihrem Zorne heraus mit dem, was sie über den eigentlichen Zweck derDresdener Con⸗ ferenz erfahren hat.Es läßt sich nicht läugnen, sagt sie,daß die Dresdener Conferenzen allerdings die Begränzung und Bändigung der Revolution im Auge haben werden. Haben auch die Karlsbader Conferenzen ähnliche Intentionen verfolgt, so wird doch zugegeben werden müssen, daß die Verhältnisse seit jener Zeit sich etwas verändert haben(allerdings, sehr 95 daß man an Erfahrungen, Befürchtungen und Lei⸗ den(2) reicher geworden ist. In Dresden wird man die Revolution bekämpfen, ja man könnte dies als Haupt⸗ zweck der Berathung hinstellen, denn die vereinigten Regierungen haben die Pflicht nicht blos das Recht die Wiederkehr eines revolutionären Jahres zu verhindern. Wir haben seit 2 Jahren mehr als je erkannt, aus welchen Wurzeln das Wesen und die Gewalt der Revolution entspringt. Es sind dies nicht allein Diejenigen, welche man 1849 als solche zu erkennen gedachte u. s. w.

Berlin, 30. Dec. Oesterreich mag sich anstellen wie es will, pfiffig oder dumm, aufmerksam oder nach⸗ lässig: das pfiffige Preußen wird immer angeführt. In Olmütz war ausgemacht worden, daß die Kassel⸗ schen Executionstruppen aus nur zwei Bataillonen be⸗ stehen sollten, aus 1 preußischen und 1 kaiserlichen. Nun ist aber Leiningen mit drei Bataillonen dort eingerückt. Peucker beschwerte sich beim König und bat um die Erlaubniß, drei Bataillone Preußen kommen lassen zu dürfen. Als Schwarzenberg das erfuhr, ging er eiligst mit Manteuffel nach Berlin, um die Sache beizulegen. Man hatte in Wien vergessen, dem Leiningen die nöthigen Instructionen zukommen zu lassen. Damit ist die Sache natürlich entschuldigt.

* Dresden, 29. Dec. Der Rede, womit Schwar⸗ zenberg die Conferenzen eröffnet hat, kurzer Sinn ist: Wir hatten früher durch die Franzosen eine tüchtige Lection erhalten und wir errichteten darauf den deut⸗ schen Bund. Der deutsche Bund hat viel Gutes ge⸗ stiftet, nach Außen und nach Innen.(Wirklich?) Aber nichts Menschliches ist vollkommen. Durch die Lection, die wir Anno 1848 bekommen, sind wir wieder um ein Bischen klüger geworden. Dem Bunde fehlte eine starke Exekutiv⸗Gewalt, um die Fluthen der Revolution zu bändigen. Diese starke Exekutiv⸗Gewalt wollen wir jetzt mit Gottes Segen(natürlich!) errichten u. s. w.

Weun die übrigen Herrn Diplomaten aus den er⸗ haltenen Lektionen,(welche das Volk übrigens richtig bezahlt hat) keine bessere Weisheit geschöpft haben, als die, welche aus der Rede Schwarzenbergs spricht, so stehen wir ihnen dafür, daß sie noch manche Lektionen empfangen müssen, ehe sie klug werden.

Wien, 29. Dee. Nach dem offiziellen Lloyd sind jetzt die Schwierigkeiten alle beseitigt, welche dem Durch⸗ marsch der Oesterreicher nach Holstein entgegen stan⸗ den. Die Oesterreicher werden durch Preußen(Mag⸗ deburg) theilweise per Eisenbahn spedirt, um so ihrem erhabenen Beruf, unsere deutschen Landsleute in die Hände ihrer Feinde zu überliefern, näher und ent⸗ gegengeführt zu werden.

Paris, 29. Dec. In der gestrigen Sitzung der Nationalversammlung wurde die Berathung über das algierische Handelsgesetz fortgesetzt. Hierauf kam eine Angelegenheit zur Sprache, welche aus einer einfachen Interpellation zu einer Niederlage des Ministeriums wurde, da der Minister Rouher hartnäckig auf seiner Ansicht bestand. Larochejaquelin interpellirte nämlich den Justizminister und verlangte, daß der seiner Be⸗

hauptuug nach verfassungswidrig verhaftete Deputirte

Mauguin wieder in Freiheit gesetzt werde. Die Un⸗ verletzlichkeit der Deputirten müsse, sagte er, gewahrt werden. Justizminister widersprach. Dieser Schulden halber arretirte Deputirte sei auf Grund eines Ur⸗ theils festgesetzt; es gäbe in Frankreich, wie in allen konstitutionellen Staaten, eine Trennung der Gewalten, und auch die Justiz müsse ihre Rechte wahren. Die Debatte wurde hierauf sehr belebt, selbst stürmisch, bewegte sich meist auf dem Felde der Politik und zeigte den alten Zwiespalt, der zwischen der parlamentarischen und der Executivgewalt besteht. Da die Legitimisten sich in dieser Frage zu der Linken hielten, so wurde das Ministerium geschlagen und die Befrei⸗ ung Mauguin's dekretirt.

Paris, 28. Dec. Bei Gelegenheit des Jahres- tages des 10. December haben mehrere fremde Fürsten den Präsidenten der Republik wegen seiner guten Re⸗ gierung beglückwünscht. Der Präsident soll sich durch diese Aufmerksamkeit sehr geschmeichelt gefühlt und auf alle diese Schreiben eigenhändig geantwortet haben.

Dufpin hat mehreren Volksvertretern mitgetheilt, daß nicht er dem Permanenzausschuß zuerst von dem Complott der Rue des Saussaies Nachricht gegeben habe, sondern Lamoriciere und Odilon Barrot, die Beide außerhalb der Nationalversammlung davon reden gehört hatten. Dupin erhob sich dabei mit Energie gegen die ihm gemachten Vorwürfe, daß er das Mi⸗ nisterium von der Entdeckung eines Complottes nicht in Kenntniß gesetzt habe.Hätte es sich um die Er⸗ mordung des Präsidenten der Republik gehandelt, sagte erso hätte ich das Ministerium benachrich⸗ tigt. In Dingen, die den Präsidenten der souveränen Nationalversammlung betreffen, habe ich dieser allein Rede zu stehen, nachdem ich in Kraft der von derselben

mir verliehenen Vollmachten nach meinem Dafürhalten

gehandelt habe.

In Portugal dürfte die Niederkunft der Kö⸗ nigin vielleicht mit dem Staatsbankerotte zusammen⸗ treffen. Erstere wird gegen Neujahr erwartet. Die Regierung bekommt nirgends mehr Geld geliehen, die Einkünfte des letzten Monats haben sich um 50 Contos gegen voriges Jahr vermindert. Die Schwangerschaft der Königin von Spanien wird sich nicht bestätigen.