Ausgabe 
3.1.1851
 
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haben? Das war sonst so ein rechtes Unterthanen⸗ vergnügen, in der Neujahrsnacht, nachdem man das ganze Jahr hindurch polizeilich geschuhriegelt worden war und sich geduckt hatte, sich voll zu trinken und zu brüllen wie das liebe Vieh und die Polizei durchzu prügeln. 4 J Giesien, 2. Jan. Nach Conducteur⸗Nachrichten, die indessen immer mit mehr oder weniger Vorsicht aufzunehmen find, follen heute früh 12,000 Oester⸗ reicher(Kroaten, wie man uns sagte) durch Kassel gekommen sein. Von einem Reisenden aus Mar⸗ burg wurde uns erzählt, es sei dort(in Marburg) vorgestern ein Student von einem bayerischen Soldaten erstochen worden. Zwischen kurhessischen Husaren und den bayerischen Infanteristen soll es neulich beim Durchmarsch der ersteren zu mehrfachen Prügeleien gekommen sein. f I Darmstadt, 21. Dec. Die Wahlen in Mainz und Oberingelheim sind also im Sinne der Demokratie ausgefallen und alle Manöver mit Ausschluß der dritten Classe in Mainz gescheitert. Die gute Darm⸗ städterin hat sich über diesen ärgerlichen Ausgang der Affaire sehr alterirt und bemerkt in kurzen Notizen, daß sich das souveräne Accessistenthumnicht entblödet habe, den wieKirgisen und Baschkiren folgsamen Mainzern einen ganz jungen und einen Mann, den dort Niemand kenne, aufzuoctroyiren. Wo sie das Bild von dem asiatischen Knutengehorsam her hat, bedarf keiner Erläuterung ex ungue leonem!(d. h. frei über⸗ setzt: man sieht's euch an den Federn an, was ihr

für Vögel seid!), daß aber Herrn Hillebrand Niemand

kennen soll, das nimmt sich im Munde einerunab⸗ hängigen Residenzzeitung, deren Redacteur auf den Namen eines belletristischen Schriftstellers einen zwar unbegründeten Anspruch macht, dem Ver⸗ fasser der berühmten deutschen National⸗ litteratur gegenüber so bornirt aus, daß wir zuerst glaubten, die Darmstädterin habe diese originelle Notiz ihrem Vorreiter, dem Mainzer Journal, entlehnt, dessen pfäffischer Ignoranz die Unbekauntschaft mit Hillebrand zu verzeihen wäre. Allein es ist dem nicht so, der Weheschrei über die beiden Auftragirten ist eine Ori⸗ ginalcorrespondenz, welche aus der Feder eines jener verdienstvollen Juristen, deren durchgängiger Wahl⸗ spruch ist: quod non in notis non in mundo(d. h. frei übers. was ich nicht gelernt habe, gilt mir nicht!), ist

wonach freilich wiederum Alles aufgeklärt wäre. Spaßig

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ist es auch, daß die Darmst. aus dem Octroyiren

ihren Gegnern einen Vorwurf macht, nachdem sie es an ihren Freunden oft genug lobend anerkannte. Ueber die Landstandsoctroyirung höherer Verwaltungsbeamten in deren Bezirken durch die denselben ganz untergebenen Bürgermeistern u. dgl. hatte sie nichts zu bemerken. Das Ganze ist eben eine verknäulte Motion, die sich in burlesker Weise auch noch ferner dadurch Luft macht, daß sie wie weiland das Frankf. Journ. die Druckfeh⸗ ler der O.⸗P.⸗A.⸗Z. kritisirte oder wie Donquixote mit Windmühlen focht, der Mainzer Abendpost geographi⸗ schen Unterricht über die Lage von Osterrode gibt! Lernen Sie erst Litteraturgeschichte, Herr Dräxler, das steht Ihnen besser!

Mainz, 30. Dec. Ueber die Wahl Hillebrand's und Schmitz's in Mainz berichtet dieN. Zeit u. A.: Mehrere von den Conservativen aufgestellte Wahlmänner haben selbst für die demokratischen Candidaten gestimmt, darunter der reichste Banquier von Mainz, welcher

über das Herausbugsiren der Wahlmänner 3. Klasse so entrüstet war, daß er seinen bisherigen Gesinnungs⸗ geuossen laut zurief: Es ist eine Schändlichkeit, auf diese Weise das Wahlrecht von 3000 Wählern zu ver⸗ nichten. Ich wähle für die Demokratie. Der Aus⸗ schuß hatte die Wahlmänner von 3000 Wählern aus⸗ geschlossen, weil darunter 2 Leute gewählt hatten, die eine Armenunterstützung erhalten hatten. b

Mainz, 29. Dec. Briefe aus Alzei berichten, daß Herr v. Gagern die auf ihn gefallene Wahl zur ersten Kammer abgelehnt habe. Wie verlautet, soll als Kandidat zur Neuwahl Dr. Langen, welchem es bis jetzt noch nicht gelingen wollte, eine Wahl auf sich lenken zu können, aufgestellt werden.

Sicherem Vernehmen nach sollen mit Nächstem die rheinhessischen sogenannten Gerichtsaccessisten mit einer neuen Disciplinarordnung beglückt werden, welche wie Alberti's Komplimentirbuch, Verhaltungsmaßregeln für alle nur denkbare Fälle enthält. Der Besuch öf⸗ fentlicher Orte, wie Weinhäuser u. dgl., soll ein größeres Kapitel umfassen, eben so der Umgang mit dritten Personen.(F. J.)

Alsfeld, 30. Dec. Im hiesigen e,

zur 1. Kammer Landrichter Ellenberger ge

I Frankfurt, 31. Dec. DieDeutsche Zeitung, gestiftet 1847 durch Bassermann, Gervinus und Matthy, ist, nachdem sie durch beträchtliche Unterstützungen der gothaer Partei aufrecht erhalten worden war und na⸗ mentlich Hrn. Bassermann sehr viel Geld gekostet hatte, heute, nachdem noch ein letzter Versuch gemacht worden war, sie durch Veränderung der Redaktion und Ten⸗ denz am Leben zu erhalten, endlich verschieden. Friede ihrer Asche! Die Deutsche Zeitung hat manch hartes Wort über die Demokraten gesagt und ihr Mund ist manchmal übergelaufen von Schmähungen der guten Sache des Volks und der Zukunft, aber sie starb als ge⸗ besserte und reuige Sünderin, nachdem auch sie die Hand der Herren schwer empfunden hatte. Sie gehörte zu denen, die nur dadurch, daß man ihnen ins Gesicht schlägt, zur Buße und zur Einkehr in sich selbst gebracht werden können.

Offenbach, 30. Dec. In diesem Augenblicke sind die Fabriken Offenbachs damit beschäftigt, die hessische Industrie auf die würdigste Weise bei der großen In⸗ dustrieausstellung in London zu vertreten. Unsere re⸗ nommirten Portefeuillefabriken der Herren Haas u. Comp., Jakob Mönch u. Comp., Klein, Rießer u. Comp., die Wagenfabrik der Herren Dieck u. Köster, welche einen prachtvollen Wagen baut, die Eisenguß⸗ waarenfabrik der Herren Alfred Richard Seebaß und Andere werden Kunstprodukte nach London liefern, welche keine Konkurrenz zu scheuen haben.

Nürnberg, 29. Dec. Auch die Bamberger Ztg. bestätigt, daß das in Unterfranken aufgestellte vierte österreichische Armeecorps ausgesprochener Maßen nach dem Norden, Holstein, bestimmt ist.

Aus Wien berichtet man uns heute die verschie denen Manifestationen der dortigen Bank, die geeignet sind, das letzte Vertrauen auf dieses Institut zu unter⸗ graben und ferner zu zeigen, wie der Staat und die Bank gemeinschaftlich das Land zu Grunde richten müssen. Bekanntlich schafft die Bank der Regierung die nöthige klingende Münze zur Bezahlung der Hee⸗ resmassen außer Oesterreich, in Italien, Baiern und Hessen und muß, da Silber immer seltener wird, 120 bis 140 fl. Banknoten für 100 fl. Zwanziger geben, bis