Ausgabe 
3.1.1851
 
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Palermo, 3. Dec. Französischen Blättern ent⸗ nehmen wir folgende Details über den früher of⸗ fiziell abgeleugneten, jetzt aber von allen Seiten als Thatsache anerkannten Aufstand in Sizilien.

Mehrere bewaffnete Schaaren, sowohl zu Fuß als beritten, haben sich gebildet und auf den Höhen der Berge von der Küste Sciocca bis Carleane Po⸗ sition genommen. Dieselben sind nicht aus Räubern zusammengesetzt, wie unsere barbarische Regierung glauben machen möchte; sie haben keine Diebstähle verübt und Alles, was sie verzehren, wird baar bezahlt.

Mehrere Gefechte haben zwischen ihnen und den mobilen Kolonnen, die zu ihrer Verfolgung ausgeschickt wurden, stattgefunden, aber Letztere haben stets den Kürzeren gezogen. Eine große Abtheilung des 7. Li nien⸗Jufanterieregiments ist sehr übel empfangen wor⸗ den und mit vielen Verwundeten zurückgekehrt. Kapi⸗ tän Giardono, einer der königlichen Sbirren, ist schwer verwundet, ebenso ein bekannter Renegat, Kapitän Scordato, welcher sogar allgemein todt gesagt war.

In diesem Augenblick empfangen wir die Nach⸗ richt, daß eine ganze Kompagnie Polizeisoldaten von den Insurgenten im Thale von Trepani umzingelt und gefangen genommen worden ist.

In einem improvisirten Kriegsrath wurde be⸗ schlossen, keinen dieser Gefangenen zu tödten, sondern sie im Gegentheil in Freiheit zu setzen, aber nackt und mit Koth bespritzt dem Polizeidirector Moniscalco, dem verabscheuungswürdigsten Polizeiagenten unter der Sonne, zuzusenden. Eine philosophischere Strafe konnte nicht erdacht werden

Diese Männer der That haben das ganze Volk, welches noch immer das von 1848 ist, für sich. Das Manifest des italienischen National⸗Komite's in Lon⸗ don ist mit Enthusiasmus aufgenommen worden und hat die Stimmung der Bevölkerung überall gehoben. Das Vertrauen in die Zukunft ist unerschütterlich!

(M. A.)

Verschiedenes. Im Lloyd liest man! Die letzte Post aus China

bringt ein höchst seltsames Dokument chinesischer Po⸗ lemik gegen das Christenthum, und zwar eine Prokla⸗

mation des Präfecten Wan, im Departement Kiaying⸗chau

in der Provinz Kanton. Der Anlaß hierzu war fol⸗ gender: Die Tochter eines chinesischen Christen in dem bezeichneten Departement heirathete einen Heiden. Die Familie desselben, entrüstet über die Bestrebungen der Frau, ihn zu bekehren, oder überhaupt aus Haß gegen die fremde Lehre wußte den Präfekten Wan so sehr

anzufeuern, daß er das Signal zu einer neuen Christen⸗

verfolgung gab, wobei Kirchen zerstört und einige Christen eingekerkert wurden. Das Signal zu dieser Verfolgung war die erwähnte Proklamation, die, wie bereits erwähnt, eine förmlich negirende Kritik des Christenthums ist. Zu umfänglich, um sie hier mitzu⸗ theilen, wollen wir zur Probe und als Kuriosum fol⸗

gende Stelle daraus ausziehen:Es ist bekannt, daß

unter allen Nationen jenseits des Meeres keine so sehr an den Herrn des Himmels(Christus) glaubt als Deutschland, und dennoch entbehren dessen

Einwohner aller gesellschaftlichen und politischen Bande; seine Macht ist im Verfall, sein Gebiet ist mehr als einmal getheilt worden. Warum hat Deutsch⸗ land kein Glück, wenn es an den Herrn des Him⸗ mels glaubt? Unter den Ländern, die nicht an den Herrn des Himmels glauben, kann sich keins mit, Japan vergleichen. Am Quai seines Hafens steht ein Kruzifix eingegraben, und jeder Kaufmann, der hinkommt und beim Ausschiffen dieses Bilduiß nicht sogleich mit Füßen tritt, wird alsbald enthauptet, um den Andern als Beispiel zu dienen. Noch mehr, am Thore der Stadt ist unter der Schwelle ein Bildniß Jesu eingegraben, damit es Jeden Tag mit Füßen getreten werde; und dennoch dauert dieses Reich schon zweitausend Jahre. Warum hat der Herr des Himmels über dasselbe nicht eine schauderhafte Züchtigung ver⸗ hängt? Dies beweist, daß die angebliche Macht, glück⸗ lich oder unglücklich zu machen, eine unbegründete Fabel ist. In solchem Ton und mit ähnlichen Ar⸗ gumenten ist die ganze Proklamation abgefaßt, die aber vom französischen Bevollmächtigten in China, Herrn Fort⸗Rouen, bereits dem Gouverneur von Kanton, Seu, nebst einer Aufforderung zur Satisfaktion zuge⸗ sendet worden ist. Dieser hat auch schon einen fran⸗ zösischen Missionär aus dem Kerker befreien lassen, zur Rückstellung der Kirchengeräthe Befehl gegeben und versprochen, den Präfekten Wan zur Rechenschaft zu ziehen.

Wie man fromm macht. Den römischen Soldaten ist durch öffentlichen Anschlag in den Kaser⸗ nenstuben das Lästern des Namens Gottes bei Ge fängnißstrafe von 1030 Tagen verboten; das Fluchen gegen Sr. Heiligkeit, den Papst, wird aber mit fünf Jahren Galeeren bestraft.

Frage 1. Was ist denn das für ein Gott, den man mit Gefängnißstrafen schützen muß?

Frage 2. Wen stellt die Regierung höher, deu Papst oder Gott?

Frage 3. Ist es nicht seltsam, daß römische Sol⸗ daten Gott lästern und auf Sr. Heiligkeit fluchen? Wie kommt das? Ist nicht der Sitz des Papstes in Rom und die Heiligkeit da wahrhaft?

Frage 4. Wird ein solches Verbot die Soldaten zu besonderer Ehrerbietung gegen den also geschützten Gott und Papst antreiben?(Lucifer.)

Theater in Gießen. Freitag, den 3. Jannar.

e bora h. Volks⸗Schauspiel in 4 Akten von Dr. S. H. Mosenthal. Anfang präcis 7 Uhr. Ende halb 10 Uhr.

Da ich durch den mehrmaligen Abbruch des Theaters bedeutenden Schaden erlitten, und mein Aufenthalt bis Ende Januar bestimmt ist, bitte ich ein geehrtes Pub⸗ likum, mich diese kurze Zeit mit dero gütigen Besuch recht zahlreich zu beehren, damit ich am Schlusse mei⸗ ner Vorstellungen ausrufen kann: Ende gut, Alles gut! Für diesen Monat sind die Theatertage:

Sonntag, Montag, Mittwoch und Freitag.

Dero ergebenster

Eduard Geyser, Director.

Verantwortlicher Redacteur: C. Sartorius. Druck von M. Merck in Gießen.