Druckschrift 
Wetzlar : eine topographisch-historische Skizze ; Festgabe zum fünfzigjährigen Stiftungsfest des Kreis-Schützenvereins Wetzlar gelegentlich des 5. Bundesschießens des Gau-Verbandes Hessen und Nassau am 10., 11. u. 12. Juli 1892 / dargebracht von Rektor Luerssen
Seite
18
Einzelbild herunterladen

18 3

breiteten ſich die alte Hofſtadt-Hobeſtad ſowie die weiteren Hofanlagen aus, deren Spuren ſich in den Namen Selhofergaſſe, Selhoferthor jetzt Sillhöfer ſtraße, Sillhöferthor erhalten haben.

Zur Linken ſteigt neben dem Hauſe zum Kals munt eine Treppe hinab, welche ihren Namen von dem gegenüberliegenden ehemaligen reformirten Pfarr⸗ hauſe führt. Hier war einſt im Oberſtock die Wohnung des herzoglich Bremiſchen Geſandtſchaftsſekretärs Johann Chriſtian Keſtner, im Werther als Lottes Bräutigam Albert genannt, welcher bei Göthes Anweſenheit in

auch vergewiſſert worden, daß in dem alten Statt⸗Schatzungs⸗ Buch dieſe Behauſung nicht begriffen; alſo will Herr Ver⸗ käufer darüber eine hinlängliche declaration von beſagtem Statt⸗Rath erſchaffen, und allenfalls die Gewahrſchaft leiſten. Ulmenſtein bemerkt dazu in Anmerk. r B. 1, S. 218:Die von den Eigentümern dieſes Hauſes von alter Zeit her be⸗ hauptete Schatzungsfreiheit deſſelben iſt um ſo auffallender, da es ſonſt in der ganzen Stadt keine ſchatzungsfreien Häuſer giebt, als die, welche entweder noch gegenwärtig dem Wetz⸗ lariſchen Collegiatſtifte gehören, oder in der neueren Zeit auf einem dieſem Collegiatſtifte vorhin zuſtändig geweſenen, und von demſelben erkauften Grund und Boden erbauet ſind. Nach einer vorhandenen Überlieferung ſoll es auch noch mehrere Häuſer in der Stadt geben, welche in dieſer älteren Zeit Wohnungen Kalsmunter Burgmänner geweſen ſein ſollen. Man hat uns verſchiedene dieſer Häuſer genannt. Da man uns aber keine weiteren hiſtoriſchen und diplomatiſchen Be⸗ weiſe hat vorlegen können, ſo tragen wir Bedenken, ſie genauer anzuzeigen, und dies um ſo mehr, da es wenigſtens gewiß iſt, daß ſie auf Schatzungsfreiheit keinen Anſpruch mehr machen. So weit Ulmenſtein. Mir ſcheint dieſe exceptionelle Schatzungsfreiheit jenes Hauſes ſich am ungezwungenſten bei der Annahme zu erklären, daß hier früher die Burg des königlichen Vogts ſelbſt ſtand. Als dieſer ſpäter, um dem immer mehr erſtarkenden Bürgertum gegenüber ſeine Hoheits⸗ rechte zu wahren, ſeinen Sitz auf den ſeine Perſon und ſein Amt gegen freundſchaftliche und feindliche Uebergriffe wahrenden Berg verlegte, behielt die alte Burg ihre Immunität, die auf Grund und Boden haften blieb, und in dem Namen zum Kalsmunt erhielt ſich das Gedächtniß ihrer älteſten Beſtimmung. Darnach hätte alſo der alte Saalhof ſeinen Mittelpunkt nicht, wic man bisher aunahm, in der Thalniederung, ſondern auf der erſten Höhenſtufe gehabt.