Die Kirche gehörte dem Marienſtift, einem wohl im zehnten Jahrhunderte gegründeten Collegiatſtift, welches bald eine bedeutende Zahl von Mitgliedern aufzuweiſen hatte. Schon im vierzehnten Jahrhundert trennten ſich die Domherrn von der Stadtgemeinde. Erſtere hielten mit ihrer Dienerſchaft ihren Gottes⸗ dienſt in dem durch den Lettner abgeſchloſſenen Chor, während das Schiff der Gemeinde zur Verfügung blieb; doch war der Stadtpfarrer einer von den Scholaſtern. Zur Zeit der Regierung Kaiſer Siegmunds war das Stiftsvermögen durch Kriegsnot, Peſt, jedenfalls auch durch die großen Kirchenbaukoſten ſo zuſammengeſchmol⸗ zen, daß mit päbſtlicher Genehmigung die Zahl der Geiſtlichen, welche bis dahin außer dem Probſt und dem Dechanten aus fünfzehn Kanonikern und ſechs und vierzig Vikarien beſtanden hatte, bedeutend verringert werden mußte.
Als im Jahre 1805 das Collegiaatſtift aufgelöſt wurde, beſtand es noch aus einem Dechanten, zwei Scholaſtern und einem Kantor, nachdem die Würde des Probſtes ſchon vor mehr als einem Jahrhundert dauernd auf den Erzbiſchof von Trier übertragen war. Seit Einführung der Reformation durch den Scholaſter Antoni, der 1542 mit der geſammten Gemeinde zum evangeliſch⸗lutheriſchen Bekenntnis übertrat, während die Chorherrn mit ihrer Dienerſchaft dem katholiſchen Glauben treu blieben, hat zwiſchen beiden Confeſſionen der Streit über den Anteil am Beſitz des Domes niemals geruht. Erſt in neueſter Zeit hat derſelbe zu der immerhin noch proviſoriſchen Einigung geführt, daß die katholiſche Gemeinde die ausſchließliche Eigen— tümerin des Chors iſt, der evangeliſchen das Schiff zufällt mit der Beſtimmung, ihre Gottesdienſte auf die Stunden von ſieben bis neun Uhr des Morgens und von zwölf bis zwei Uhr des Mittags zu beſchränken. Übrigens entbehrte das Verhältniß der beiden Bekennt⸗ niſſe nicht der humorvollen Beziehungen; bis zur Auf⸗ löſung des Collegiatſtiftes hatte der Dechant den


