In ausdrucksvollem Gegenſatz zu dieſem Gebilde der Neuzeit führt uns ein altes Thor, eingezwängt zwiſchen Berg und Fluß, überragt von ſchattigen Bäumen, in das engere Stadtgebiet. Es iſt die Ziegel pforte, auch Hauſerthor genannt, weil es die Vorſtadt Hauſen gegen Norden hin ſchloß. Zwiſchen Mauern leitet die Hauſergaſſe der Stadt zu, vorbei an der Badeanſtalt, welche dem von der Eiſenbahn— fahrt Erhitzten doppelt willkommen ſein wird und deshalb beſonders zu empfehlen iſt, weil ſie dem rüſtigen Schwimmer geſtattet, im offenen Fluſſe zu baden.
Nach wenigen Schritten mündet von links her ein anmutiges Thal, welches von dem zur Lahn ſtrömenden Waſſer geriſſen, die die Stadt tragende Berglehne von dem Lahnberge ſcheidet. Ein kleiner Bach, der Haarbach, führt ſpärliches Waſſer die Thal— ſohle herab, nur bei plötz lehem Regen wird er un— geſtüm. An den ſonnigen Thalwänden liegen ſtatt⸗ liche Häuſer und wohlgepflegte Gärten, und zur linken Seite ſteigt eine Treppe zu einem hübſchen Ausſichts— punkte über Stadt und Thal, der Metzeburg, hinauf.
Wer vom Bahnhof her den Feſtplatz erreichen will, ohne die Stadt zu berühren, thut wohl„dieſem Thalwege zu folgen, der ihn in kurzem zu einem denkwürdigen Platze führt. Innerhalb der Schleife, welche der Fahrweg bildet, um zur Stadt hinan zu klimmen, fließt in der Tiefe aus zwei Röhren ein Quell klaren Waſſers, der Wöllbacher Brunnen*), in alten Urkunden Wodelnbach genannt, eine Stelle, die für alle Zeiten durch die Fußſpuren unſers größten Dichters geweiht iſt. In Werthers Leiden findet ſich folgende Stelle“**):„Ich weiß nicht, ob täuſchende
*) P. Wigand, Wetzl. Beiträge, Wetzlar 1840, B. 1 Nekrolog u. ſ. w.§ 11, 27, 28, 58, 62. Wydelnbach, Weidelnbach, dar⸗ aus Wildbach, ſpäter Wöllbach verdorben. Nach denſelben Zeuguiſſen haben hier in alten Zeiten Weinberge gelegen.
**) Gothe, Leiden des jungen Werther, Brief vom 12. Mai.


