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Die jüdische Frage : vom Mysterium Israels / Friedrich Wilhelm Foerster
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feindung genötigt ist, das ganze Problem einmal von einer völ- " lig neuen Seite zu betrachten. Und dies um so mehr, als dieser | jüdisch-christliche Krieg doch nur scheinbar und vorübergehend überwunden und vertagt wurde.

Darf man es nicht wagen, das weltgeschichtliche Resultat jener ganzen Entfremdung dahin zu definieren, daß man sagt: Den Christen wurde das Judentum, und den Juden das Christentum unverständlich, und zwar durch die folgenden ganz großen und überaus verhängnisvollen Fehler, die alle ihre letzte Ursache in einem unbegreiflichen Leichtnehmen der untrennbaren Zusam- mengehörigkeit des Alten und des Neuen Testamentes haben:

Erstens sind die aus dem Judentum gekommenen Apostel des Christentums in ihrer Auseinandersetzung mit der jüdischen Tradition begreiflicherweise zumeist von der Opposition des Neuen gegen das Alte und von dem Widerstand des Alten gegen das Neue beherrscht gewesen, so daß der Krieg zwischen den Gegensätzen zunächst die erste Entwicklungsphase beherrschte, statt daß ein Ausgleich zwischen zwei zu gegenseitiger Ergän- zung bestimmten Geistesrichtungen vorsichtig und pietätvoll in die Wege geleitet worden wäre.

Zweitens waren die Heiden mit der einzigen Ausnahme des heiligen Augustinus, der darum auch von den Vertretern der griechischen Kirche ganz und gar nicht verstanden wurde und der die fundamentale Bedeutung der jüdischen Entwicklung für den Aufbau der christlichen Glaubenswelt von Grund aus wür- digte scheinbar nicht imstande, dies zu verstehen. Diefolgen- reiche Folge dieser Verkennung zeigte sich ja auch darin, daß die griechische Kirche nicht nur den Kanon des Alten Testamen- tes demonstrativ beiseite ließ, sondern auch den heiligen Augu- stinus, der eben diesem Kanon aufs tiefste gerecht geworden war, nicht alsHeiligen anerkennen wollte.

Endlich drittens und hier liegt wohl der folgenreichste Fehler hat die große Mehrzahl der Christen die ganze geistige und ethische Bedeutung des Judentums auch nicht entfernt in ihrer allgemeinen religiösen Tragweite zu würdigen vermocht, während sie doch gerade von dort aus den ganzen universalen Sinn der christlichen Wahrheit und deren Anspruch auf die Be- herrschung auch des politischen und wirtschaftlichen Lebens hätte begreifen sollen.

Nun kann man aber all dies feststellen, ohne auch nur im geringsten den hohen und dauernden Wert von all dem zu unterschätzen, was die christliche Wissenschaft für die Erfor-

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