VORWORT DES VERLAGES
Der falsche Weg, den das deutsche Volk in seiner neuesten Ge- schichte gegangen ist und der es in die Katastrophe des zweiten Weltkrieges hineingeführt hat, scheint in eben dieser Katastrophe zu kulminieren. Aber er war nicht nur deshalb falsch, weil eine falsche, vermessene, die Realitäten nicht achtende Politik das Volk diesen Weg geführt hätte; diese falsche und verhängnis- volle Politik war nur deswegen möglich, weil es geistig und sitt- lich einen Irrweg eingeschlagen hatte. Jedem Handeln liegen geistig-sittliche Entscheidungen voraus; sie formen die innere Haltung, aus der das Handeln kommt, über dessen Wert nicht Erfolg oderMißerfolg entscheidet, sondern sein innerer sittlicher Gehalt. So kann das Scheitern des falschen Handelns, die Kata- strophe der Politik eine Gnade sein, wenn Einsicht und Umkehr aus ihnen hervorgehen.
Der geistig-sittliche Irrweg des deutschen Volkes aber kulmi- nierte nicht in der Katastrophe der Politik, sondern in den Ver- brechen, die in seinem Namen und von seinen Gliedern unter dem nationalsozialistischen Regime an den Juden verübt wur- den und die es, von falschen Idolen in Bann geschlagen und des- halb in seiner Einsicht und seinem Willen gelähmt,—ob nun von dem Ausmaß ihrer Abscheulichkeit wissend oder unwissend— guthieß oder zuließ. Die Einsicht in diesen Zusammenhang, die Einsicht in seine Schuld, die sich in seiner Schuld an den Juden gleichsam grausig zusammengeballt hat, ist auch die Voraus- setzung, daß ihm aus der Katastrophe die Gnade der Umkehr erwächst.
Es ist deshalb angemessen, daß der Verlag den neunzigsten Geburtstag des Mannes, der ein ganzes Menschenleben lang den Irrweg seines Volkes als Lehrer, als Mahner, als eifernder War- ner und als unerbittlicher Kämpfer bekämpft und gegeißelt hat, mit der Veröffentlichung dieses seines Buches über die jüdische Frage ehrt. Es handelt von dem Herzstück der deutschen Tragö- die. Noch einmal nimmt Friedrich Wilhelm Foerster darin seine
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