schung des Alten Testamentes geleistet hat. Handelt es sich doch hier um etwas ganz anderes, das man etwa folgendermaßen defi- nieren kann: Nur zu viele Christen haben das Judentum allzu- sehr nur als eine Vorstufe zum Evangelium gewürdigt. Sie haben, obwohl sie doch die Psalmen und die Propheten immer dankbar zitierten, in ihrer begreiflichen Hochwertung des Evangeliums und des gottmenschlihen Wunders, das Allerwichtigste ver- hängnisvoll im Hintergrund gelassen, nämlich die alles beherr- schende Wirklichkeit des einen und einzigen Gottes und die dringende Notwendigkeit der konsequenten Verwirklichung seiner ewigen Gesetze innerhalb der menschlichen Geschichte. Man durfte doch den„Gottmenschen“ nicht einseitig in den Mit- telpunkt des Glaubens stellen. Ich wage es zu sagen: Es gibt auch eine Heilige Zweifaltigkeit, durch die allein die Heilige Drei- faltigkeit richtig verstanden und in der Rangordnung ihrer Ele- mente sinngemäß erfaßt werden kann. Jene Heilige Zweifaltig- keit aber besteht eben in der absoluten Untrennbarkeit des Alten und des Neuen Testamentes. Die Menschwerdung Got- tes hat sich religionsgeschichtlich und weltgeschichtlich allzu einseitig auf die Wirklichkeit Christi konzentriert und dabei die Wirklichkeit Gottes unleugbar zu sehr im metaphysischen Hin- tergrund versinken lassen. Dies sagt aus tiefster innerer Er- fahrung ein moderner Mensch, der selber nur mit Hilfe der reli- giösen Wahrheit des Judentums zum Christentum vorzudringen vermochte und dem das allzu isolierte„Gottmenschentum“ lange Zeit große religiöse Schwierigkeiten bereitete.
Ausdrücklich sei nochmals unterstrichen, daß die vorstehende Kritik nur die Christen trifft, aber nicht die Kirche, die grund- sätzlich und bei jeder gegebenen Gelegenheit die untrennbare Zusammengehörigkeit der beiden Testamente nicht nur betont, sondern auch in all ihren dogmatischen Kundgebungen immer aufs neue bekannt hat. Der Zeitgeist aber mit seiner Über- bewertung der technischen Wirklichkeit und mit seiner Unter- bewertung der geistigen Bedingungen aller menschlichen Zivili- sation stand dagegen und trägt die letzte Verantwortung für die ganze moderne Ausschaltung der Realität Gottes aus der Wirk- lichkeit des Tages. Die kommende Religionspädagogik darf nicht müde werden, im engen Anschluß an die augustinische Theologie die oben beleuchtete verhängnisvolle und höchst folgenreiche Einseitigkeit gründlich auszugleichen.
Wer die im Vorangehenden festgestellten Versäumnisse und Einseitigkeiten gründlich durchdenkt, der wird sich darüber
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