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denn gesetzt auch, daß er die Wohltat nicht verdient, so seid ihr es doch Gott schuldig, sie zu üben. Wie der Mensch will, daß sich
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sie bezeigen. Die Demut erfordert, Unrecht zu leiden ohne Wie- dervergeltung, den Zorn zu bändigen und mit dem Nächsten in Frieden zu leben. Solches Betragen soll man auch gegen Nicht- juden einhalten. Solltet ihr meinen, ihr wäret Ehrlichkeit nur den Israeliten schuldig, weil diese sich brüderlich gegen euch be- tragen, so haben gegen eine solche Meinung bereits alle unsere großen Lehrer die Mahnung ausgesprochen, daß es verboten sei, Nichtjuden zu hintergehen.“ An anderer Stelle heißt es:„Baut ein Nichtjude auf euer Wort und eueren Handel, so müßt ihr Treue und Ehre gegen ihn betätigen, damit Gottes Name durch euch geheiligt werde.“— So heißt es dann auch im Testament des Rabbi Ascher aus der 1.Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts: „Sei aufrichtig und wahr gegen jedermann, auch gegen Nicht- juden. Grüße jeden zuerst ohne Unterschied des Glaubens, und erzürne keinen Bekenner eines fremden Glaubens.“ Solch hohe sittliche Gesinnung und Forderung bei den orthodoxen Juden zeigt sich auch in den Ermahnungen und Geboten, die sich auf das Geschlechtsleben sowie auf die Hygiene und Mäßigkeit im Essen und Trinken beziehen. Werner Sombart erklärt, daß aus solcher bei den orthodoxen Juden weitgehender Enthaltsamkeit sich die angehäufte Energie erkläre, welche sich im Erwerbs- betrieb und auch in anderer Richtung kundgibt.
Salomon Maimonides sagt in seiner Lebensgeschichte, dort, wo er die vielen Verbote erwähnt, die das Sexualleben der Ju- den regeln sollen:„Die Frau bleibt beständig in den Augen ihres Mannes das, was sie als Mädchen in den Augen des Liebhabers war.“ Und in dem wohlbekannten Buch„Maier Jesofowicz“, das einem jüdischen Schicksal gewidmet ist, sagt die christliche Verfasserin auf Grund eindringlicher Beobachtung:„Die Rein- heit der Sitten war bei diesen Leuten so groß, daß sie trotz ihrer grauen Haare vor Scham erröteten, wenn von einem unerlaub- ten Verhältnis zwischen Mann und Weib die Rede war.“
Die Achtung vor religiösen Menschen und vor Vertretern der religiösen Wissenschaft war von jeher im jüdischen Ghetto unbe- grenzt. Da ging talmudische Gelehrsamkeit dem Reichtum weit voran und verlieh ihren Vertretern das Gepräge höchsten Adels. Einen Talmudgelehrten unter den Vorfahren aufweisen zu kön- nen, gab einer jüdischen Familie ganz besonderen Glanz. Daher sah man in wohlhabenden Familien stets darauf, daß sich die
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