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Die jüdische Frage : vom Mysterium Israels / Friedrich Wilhelm Foerster
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Die Schrecken derHeiligen Geschichte

Von&ristlicher Seite wurde nicht selten geltend gemacht, daß die jüdische Geschichte doch unbestreitbar ein erschreckendes Dokument menschlicher Sündhaftigkeit sei, so daß, von hier aus gesehen, dasWunder der jüdischen Geschichte darin zu be- stehen scheine, daß man eine solche Geschichte mit dem Titel Heilige Schrift geehrt hat. Hierauf sei nun zunächst grund- sätzlich Folgendes geantwortet: Gewiß unterscheidet sich das Alte Testament vom Neuen Testament dadurch, daß das Alte Testament mit dem Naturmenschen, das Neue Testament aber mit dem Gottmenschen zu tun hat. Der Bericht über den Erlöser ist die Antwort auf den Bericht über den unerlösten Menschen und dessen immer wiederholte Versuche, sich durch den unbe- dingten Gehorsam gegenüber Gottes ewigen Gesetzen aus der Gewalt der Natur zu erretten. Eben darum konnte das Alte Testament, also das Testament vom Bunde Gottes mit dem Men- schen, nicht nur von der Wahrheit Gottes reden, sondern mußte diesem göttlichen Aufruf die ganze Wirklichkeit des Menschen in der vollen Größe ihrer Sündhaftigkeit gegenüberstellen. Dar- um also besteht dasWunder der jüdischen Geschichte nicht etwa nur in der geistigen Hoheit der Psalmen und der Prophe- wen, sondern ebensosehr darin, daß dort die Niedrigkeit und Falschheit der sogenannten königlichen Hoheiten nicht wie in der übrigen Geschichtsschreibung verhüllt und beschönigt, sondern ohne jede Scheu in ihrer ganzen Realität zur Darstel- lung gebracht wird, so wie dies zum Beispiel in der Geschichte Sauls mit wunderbarer Dramatik geschildert ist. Hierzu gehört auch die Art, wie der Prophet Nathan dem König David, ohne Scheu vor der irdischen Majestät, ja gerade mit Berufung auf diese Majestät, seine Sünden vorhält, und daß diese offene Aus- sprache obendrein noch durch die Aufnahme in das Alte Testa- ment geehrt und verewigt worden ist. So lese man auch die erste

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