zug auf die unvollkommen gebliebene körperliche Hülle des Geistes:
„Während der praktische und theoretische Materialismus sich der Materie als einer unabänderlichen Tatsache unterwirfl und wäh- rend der Dualist sich von der Materie als vom Bösen abwendet, widmet in klar bewußtem Gegensatz dazu der religiöse Realis- mus der Juden der materiellen Natur die größte Aufmerksam- keit— zwar nicht, um sich ihr zu verknechten, sondern um in ihr und durch sie dem höchsten Gotte zu dienen. So mußten sie in ihr das Reine vom Unreinen, das Heilige vom Lasterhaften scheiden, um sie zum würdigen Tempel des höchsten Wesens zu machen.“
Nach Solowiews Ansicht spielt die Idee der geheiligten Kör- perlichkeit und die Sorge um die Verwirklichung dieser Idee im Leben Israels eine weit wichtigere Rolle als bei irgendeinem an- deren Volke. Hierher gehöre auch ein bedeutender Teil der Ge- setzgebung des Moses über die Unterscheidung des Reinen vom Unreinen und über die Regelung der körperlichen Reinigung. Ja man könne sagen, daß die ganze religiöse Geschichte der Ju- den darauf gerichtet sei, für den Gott Israels nicht nur heilige Seelen, sondern auch geheiligte Körper bereitzustellen. Wenn wir beobachten, wie die Juden darnach streben, das Göttliche zu verkörpern und das Körperliche zu läutern und zu heiligen, so werden wir von einer neuen Seite her verstehen, daß gerade das Judentum die am meisten entsprechende geschichtliche Vorberei- tung für die Verkörperung des göttlichen Wortes war, denn Ver- nunft sowohl wie Frömmigkeit müssen einsehen, daß zur Mensch- werdung der Gottheit nicht nur eine heilige jungfräuliche Seele, sondern auch eine reine und geheiligte Körperlichkeit nötig ge- wesen war.
Ein persönliches Erlebnis
Eine moderne Jüdin, die im liberalen Judentum erzogen worden war, dann aber auf der Höhe ihres Lebens nicht ohne große Schwierigkeiten zu den alten Traditionen zurückkehrte, erzählte dem Verfasser, daß der Rabbi, der ihr diese Rückkehr ermög- lichte, dazu folgende Ermutigung gab:„Denken Sie an das, was dahinter steht und was sich der äußeren Formen und Gebärden bedient, auf daß dadurch eine geistige Leistung vorbereitet werde.“
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