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Die jüdische Frage : vom Mysterium Israels / Friedrich Wilhelm Foerster
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über Körper und Geist in der jüdischen Religion

Die geistige Bedeutung körperlicher Übungen

Der große russische Philosoph Wladimir Solowiew*, der die hebräische Sprache, Literatur und Geschichte gründlich studiert hatte, hat in seiner SchriftJudentum und Christentum festge- stellt, daß es in der jüdischen Entwicklung nicht nur eine geistige Vorbereitung auf die Menschwerdung des Göttlichen gibt, son- dern daß dort auch die gesamte Behandlung der körperlichen Welt ahnungsvoll dem Wunder der Menschwerdung Gottes den Weg bereitet habe. Solowiew hat über die Haltung des Juden- tums zur materiellen Welt und zu deren geistiger Durchdringung höchst wichtige Feststellungen gemacht. So betont er mit Recht, daß die jüdische Religion keinerlei Dualismus zwischen Körper und Geist anerkennt, auch nicht, wie der Buddhismus es tut, die materielle Welt als ein Hemmnis der menschlichen Vergeistigung betrachtet, sondern der körperlichen Welt als der göttlich ge- weihten Hülle und Übungsstätte des Geistes alle Ehren zu er- weisen verpflichtet ist. So sagt er:... Die Juden haben von Anfang an der materiellen Natur ihre Existenzberechtigung zu- erkannt, aber ohne sich ihrer blinden Gewalt zu unterwerfen, so wie einst die höchste Blüte des Judentums als würdig befunden wurde, der Verkörperung der Gottheit zu dienen. So wird das kommende Judentum zum werktätigen Vermittler für die Ver- geistigung des materiellen Lebens werden und der Natur für die Schöpfung einer neuenErde, auf der die Wahrheit wohnen wird.

Solowiew findet diese dienende Hülle des Körpers zu Ehren der geistigen Welt in allen Gebräuchen des Judentums unver- kennbar und zielbewußt zum Ausdruck gebracht. Er sagt in be-

! Wladimir Solowiew, Judentum und Christentum(übersetzt von Ernst Keuchel, Dresdner Druckindustrie Paul Tietz, 1911).

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