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Die jüdische Frage : vom Mysterium Israels / Friedrich Wilhelm Foerster
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ten, um auf diese Weise dahin zu kommen, daß der Mensch von der Triebherrschaft zur Gottesherrschaft übergehe. Es ist ja auch bekannt, wie weit die Sekte der Chassidim in solcher Zielsetzung ging, so daß es nur ein Zufall ist, wenn dort das oberste Ziel des Menschen noch nicht in der Nachfolge des Gottmenschen gesucht wird. Man kann aber auch nicht einen Bund mit Gott schließen und sich dabei auf Tod und Leben dem Gehorsam gegenüber diesen Geboten verschreiben, ohne daß die Konsequenz dieses Austritts aus der Diktatur der Naturtriebe immer weiter zur Vergöttlichung des Menschen führt. Darum ist ja auch das im- mer erneute Bekenntnis zum kommenden Messias keineswegs eine bloße Phantasie, sondern zwingend aus dem religiösen Ver- langen nach restloser Übergabe des Menschen an das Gesetz aller Gesetze hervorgewachsen. Um dem Verständnis solcher Logik zu dienen, sei hier an eine merkwürdige Betrachtung in dem Werke des Stoikers Epiktet erinnert, die der Verfasser in seinem BucheChristus und das menschliche Leben zitiert hat. Man höre folgende beschwörende Worte, die der Stoiker Epiktet der Sehnsucht nach dem fleischgewordenen Gott widmet. Dann wird man verstehen, wie tief die Lehre vom Gottmenschen der gan- zen geistigen Entwicklung der vorchristlichen Welt entgegenkam und ihr das erlösende Wort brachte. Epiktet sagte:

Zeigt mir doch, ich möchte bei den Göttern einmal einen wirk- lichen Stoiker sehen. Aber ihr könnt mir keinen zeigen, der fer- tig ausgeprägt wäre. So zeigt mir wenigstens einen in der Bil- dung begriffenen, der sich ernstlich dieser Richtung zugeneigt hat. Tut mir dieWohltat,mißgönnt mir altem Manne nicht ein Schau- spiel, das ich bis jetzt noch nie gesehen habe. Zeigt mir doch eine Menschenseele, die vom göttlichen Sinne sich wirklich durch- dringen lassen will, die nicht mehr schelten will weder auf Gott noch auf Menschen, die in keinem Stücke fehlt, keinen Fall tut, nicht zürnt, nicht neidisch, nicht eifersüchtig ist. Zeigt mir einen, der begehrt, aus einem Menschen Gott zu werden, und der sich in diesem toten Körper mit dem Gedanken der Gottes- gemeinschaft trägt. Zeigt mir den aber ihr könnt es nicht....

Sind diese Worte nicht schon die Morgendämmerung des Chri- stentums in der heidnischen Seele? Die christliche Religion be- antwortet eben jene beschwörende Frage mit der Lehre vom Gottmenschen. In den anderen Religionen thront Gott hoch über dem Leben, der Geist über der Natur, der Himmel über der

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